GEO schützt den Regenwald e.V.

Ecuador Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Zusätzlich zu cacao nacional unterstützt "GEO schützt den Regenwald" Vanille als Alternative zum illegalen Holzeinschlag
In diesem Artikel
Hintergrund des Projekts
Über die Region
Dauer
Ziele
Aktivitäten
Fortschritte
Unsere Partner

Hintergrund des Projekts

Zwischen 2006 und 2010 engagierte sich "GEO schützt den Regenwald e.V." am Río Napo für die verbesserte Produktion und Vermarktung des edlen Aromakakaos cacao nacional. Dieser wächst auf kleinen Anbauflächen umgeben von Regenwald, genannt Chakras, die durch Angehörige des Kichwa-Volks bewirtschaftet werden. Rund 750 Kichwa-Kleinproduzenten aus 23 Gemeinden des Kantons Tena sind in der Kooperative Kallari organisiert.

Dieses sehr erfolgreiche Projekt

  • unterstützte und stärkte die Kooperative in ihrer Entwicklung
  • optimierte die Kakaoqualität durch professionelle Ernte, Verarbeitung und Lagerung
  • führte zur Steigerung der exportfähigen Kakaomenge
  • ermöglichte dem cacao nacional den Zugang zum internationalen Spezialitätenmarkt
  • hatte eine deutliche Verbesserung des Einkommens der Produzenten zur Folge
  • trug entscheidend zum Erhalt des Regenwalds bei, der die indianischen Agroforstflächen umgibt

Weitere Informationen zu diesem "Kakaoprojekt" finden sich in unserem Archiv unter: "Cacao nacional - schwarzes Gold aus dem Regenwald von Ecuador".

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Blick aus 30 Meter Höhe auf den Regenwald bei Tena

Mit dem Ziel, den Erhalt des Regenwaldes zu sichern und das Einkommen der Kleinproduzenten am Río Napo weiter zu erhöhen, knüpft der Verein an die Erfolge des Kakaoprojekts an. Unter der Vielfalt der Pflanzen, die auf den Flächen der Mischkulturen der Kichwa wachsen, soll mindestens ein weiteres Chakra-Produkt identifiziert werden, das - zusätzlich zu cacao nacional - dauerhaft und mit hoher Wertschöpfung für die Kleinproduzenten vermarktet werden kann.

Über die Region

Die östlich der Anden liegende Provinz Napo ist Teil der Amazonasregion von Ecuador, die ursprünglich flächendeckend von Regenwald bedeckt war. Im Kanton Tena  mit der gleichnamigen Provinzhauptstadt leben auf rund 500 Metern ü.d.M. etwa 52.000 Menschen, davon 36.000 im ländlichen Raum (Stand: 2010), in der Pufferzone des Biosphärenreservats Sumaco. Das Klima ist ganzjährig tropisch heiß mit mittleren Temperaturen um 25 °C, hoher Luftfeuchtigkeit und 1.500 Millimetern Niederschlag pro Jahr. Die Wirtschaft basiert auf Handel, Tourismus, Landwirtschaft und Holzwirtschaft. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Regierung den Straßenbau stark vorangetrieben, wodurch die Gefahr des illegalen Holzeinschlags steigt.

Rund zwei Drittel der Bevölkerung von Napo gehören verschiedenen indigenen Völkern und Volksgruppen an; den größten Anteil der Indigenen stellt die Volksgruppe der Kichwa. Die nahe des Río Napo ansässigen Kichwa-Familien sind oft kinderreich. Die Zukunftsperspektiven der jungen Generation sind schlecht, es gibt nur wenig Aussicht auf eine bezahlte Arbeitsstelle. Aufgrund des Wachstums der Bevölkerung steht der Regenwald der Region unter hohem Druck.

Insbesondere die Waldanwohner benötigen Einkommensquellen, um die Ausgaben der Familien zu decken, etwa Kosten in Zusammenhang mit der Ausbildung der Kinder. Geld könnten sie sich beschaffen, indem sie illegal Bäume fällen oder auf abgeholzten Flächen Ölpalmen anbauen, die guten Gewinn abwerfen. Doch es gibt auch waldschonende Alternativen.

Im Kanton Tena operiert Kallari, eine Genossenschaft, in der 750 Kichwa-Kleinproduzenten (Stand: 2018) organisiert sind. Der Kichwa-Name "Kallari" bedeutet übersetzt "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Der Name spielt auf das Ziel an, das sich die Kooperative gesetzt hat: Die traditionelle Lebensweise der Kichwa-Gemeinschaften auch künftig zu erhalten. Deren Chakras, kleine Agroforstflächen unter zwölf Hektar Größe, bestehen aus einem ökologisch angepassten Nebeneinander der verschiedensten Arten, darunter Maniok, Mais, Bananen, Papayas, Ananas, Avocados, Medizinpflanzen, Nutzhölzer wie Balsa, Zimtbäume, verschiedene Palmarten und unzählige andere tropische Nutzpflanzen. Diese Mischkulturen ernähren die Familien. Der Wald braucht dafür nicht gerodet zu werden.

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Die Kichwa-Familien aus der Napo-Region leben am und im Regenwald, weitgehend in Einklang mit der Natur

Dauer

Jan. 2011 – Dez. 2015 (Phase I)
Jul. 2016 – Dez. 2017 (Phase II)

Ziele

  • Erhalt der biologischen Vielfalt und dauerhafte Nutzung der traditionellen Anbausysteme der Kichwa ("Chakras") im Regenwald
  • Identifizierung, Kultur und Vermarktung eines neuen Chakra-Produkts mit hoher Wertschöpfung für die Kleinproduzenten, zusätzlich zu Edelkakao
  • Nachhaltige Einkommenssteigerung bei den Kichwa-Kleinproduzenten
  • Regenwalderhalt im Projektgebiet

Aktivitäten

  • Partizipative Identifizierung eines neuen Chakra-Produkts
  • Produktion von Vanille-Setzlingen im Gewächshaus und Auspflanzung in den Chakras
  • Erarbeitung des Know-How für Pflege, Ernte, Nach-Ernte-Prozesse und Lagerung des Produkts
  • Anleitung der Kleinbauern hinsichtlich der Vanillekultur
  • Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für fachgerechte Verarbeitung des Produkts im "Bio-Zentrum"
  • Finanzierung von Qualitätstests, Marktstudien und sonstigen Voraussetzungen für die Vermarktung
Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Kallari-Mitglied mit ihrem Kind

Fortschritte

Produktidentifizierung

Im Jahr 2011 wurden zunächst Daten zur Pflanzenvielfalt auf den Chakra-Flächen gesammelt. In 16 Kallari-Gemeinden und mit Beteiligung von 168 Kleinbauern, erstellten die Mitglieder des Projektteams Listen von potenziell für die Vermarktung interessanten Chakra-Pflanzen. Auf der 120 Arten umfassenden Liste fanden sich verschiedene Früchte, Medizinalpflanzen, das Nutzholz Balsa, Kräuter und Gewürze. Ausschlaggebend für die Eingrenzung der Auswahl waren folgende Kriterien: Vorhandensein eines konkreten Marktinteresses, schnelles Pflanzenwachstum und kurzfristige Erntemöglichkeit, natürliche Verbreitung der Pflanze in traditionellen Chakras, vorhandenes Wissen über das Wachstum und die Nutzung der Pflanze, sowie der Umfang der notwendigen Maßnahmen zur erfolgreichen Produktion und Verarbeitung. In den anschließenden Diskussionen mit dem Führungsgremium von Kallari konzentrierte sich das Interesse schließlich auf drei Pflanzen: Gewürzvanille (Vanilla sp.), Guayusa (Ilex guayusa), aus der traditionell ein anregender Kräutertee hergestellt wird, sowie eine spezielle Bananenart (Musa paradisiaca).

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Blüte einer Vanillepflanze

Schließlich fiel die Wahl der Kooperativenmitglieder auf die Vanille. In einigen Chakras von Kallari-Produzenten wächst Gewürzvanille noch in fast wilder Form, ohne menschliche Eingriffe. Die immergrüne Kletterpflanze, die einen schattigen und feucht-warmen Standort bevorzugt, gehört zur Familie der Orchideen. Sie schlingt sich um verschiedene Baumarten, ernährt sich als Parasit. Vor Ort blüht sie ganzjährig. Bei optimaler Bestäubung produziert jede Blüte jährlich eine der begehrten Kapselfrüchte („Schoten“)

Vermarktungsaussichten

Künstliche Aromastoffe stellen eine wichtige Konkurrenz für mindere Qualitäten des natürlichen Produkts dar. Generell hängen die Möglichkeiten der internationalen Vermarktung vor allem davon ab, wie hochwertig die Qualität des Endprodukts ist; der Gehalt an Vanillin, dem Hauptaromastoff, ist ein wichtiges Kriterium. Inzwischen sind rund 80 Prozent der Anbauflächen der bei Kallari organisierten Kleinproduzenten zertifiziert, so dass neben dem Kakao auch Vanille in Bio-Qualität (EU-Biosiegel) produziert wird. Der Markt für Gewürzvanille ist vielfältig: Vanilleschoten finden im Kallari-Café in Quito sehr guten Absatz bei Touristen und Einheimischen; das Gewürz wird auch für die eigene Schokoladen-Produktion von Kallari benötigt. Die Kooperative hat zudem bereits Bestellungen für Vanille aus dem Ausland erhalten, die sie bisher allerdings nicht bedienen kann.

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Auf der "Mesa del Cacao" in Tena schnuppern die Schokoladen-Königinnen auch an der Vanille von Kallari

Produktion, Tests und Studien
Es gibt weltweit um 110 Vanille-Arten. Vor Ort gibt es mehrere Arten oder Varianten, die sich äußerlich in der Form der Blätter unterscheiden. Laut Auskunft des Herbariums in Quito handelt es sich bei der ausgewählten Pflanze um die Gewürzvanille mit dem lateinischen Namen Vanilla planifolia. Die Bestätigung der Art durch eine auf Vanille spezialisierte Institution steht noch aus. Für weitere Untersuchungen war es notwendig, große Probenmengen zu produzieren. Zwischen 2012 und 2013 wurden hierzu im Gewächshaus von Kallari 15.000 Vanillepflanzen aus Stecklingen gezogen. Rund 290 Kallari-Kleinproduzenten haben die Setzlinge auf ihren Chakras mit Erfolg ausgepflanzt.Proben der Schoten wurden in spezialisierten Labors in Ecuador getestet. Ende 2012 standen genug getrocknete, fermentierte Schoten zur Verfügung, um erste, wichtige Qualitätstests in Auftrag zu geben. Ergebnis: Das Aroma der Gewürzvanille von Kallari ist sehr vielversprechend, das Produkt hat großes Potenzial, im Wettbewerb mit der internationalen Spitzenklasse zu bestehen. Das fermentierte Endprodukt unterscheidet sich von der traditionell auf dem Gourmetmarkt verkauften Vanille aus Madagaskar: Die Schoten der Vanille vom Río Napo sind deutlich länger und schwerer als die aus Madagaskar; ihre Oberfläche bedecken feine, weiße Kristalle von Vanillin. Ab 2013 durchgeführte Labortests ergaben, dass der Gehalt an diesem Aromastoff außergewöhnlich hoch ist – bis zu 48 mg Vanillin enthält ein Gramm Schote!

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Team-Mitglied mit Vanillepflanzen im Kallari-Gewächshaus beim Projektbesuch von Eva Danulat im Jahr 2016

Verarbeitung der Schoten
Weder in der Region noch auf nationaler Ebene lagen Erfahrungen hinsichtlich der Produktion und Verarbeitung dieser Gewürzpflanze vor. Die Schoten müssen zur Vermarktung einen Transformationsprozess durchlaufen, von dem fast geruchlosen grünen Rohprodukt zur braunen verkaufsfertigen Schote.  Hierzu müssen die Schoten fermentiert und getrocknet werden – so viel war klar. Doch wie wird am besten fermentiert? Bei welcher Temperatur muss getrocknet werden, und wie lange? Die Verarbeitungsprozesse und – bedingungen variieren, sie sind stark abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Die optimalen Bedingungen zu ergründen, die einzelnen Verarbeitungsschritte genau zu definieren sowie eine gleichbleibend hohe Qualität des Endprodukts zu sichern waren die größten Herausforderungen des Projektteams.

Infrastruktur
In zehn Kilometer Entfernung von Tena im so genannten Bio-Zentrum von Kallari sind - neben dem Rohbau des künftigen Kakaolagers von Kallari (der aus Staatsmitteln gefördert worden ist) -, mit finanzieller Unterstützung des Projekts Trocknungsflächen sowie mehrere Räume zur optimalen Verarbeitung, Trocknung, Fermentierung und Lagerung der Vanilleschoten entstanden. 2016/17 erhielt Kallari die entsprechenden behördlichen Genehmigungen (Hygiene, Arbeitsschutz) und nahm die Räume in in Betrieb.

Fazit
Obwohl sich das Vorhaben zunächst langsam entwickelte, haben die Ergebnisse am Ende alle Erwartungen übertroffen.A ls einzige Organisation in Ecuador verfügt Kallari Ende 2017 über wesentliche Voraussetzungen, um Gewürzvanille erfolgreich auf dem internationalen Spezialitätenmarkt zu verankern. Die Chancen des Kallari-Produkts dauerhaft auf dem extrem volatilen Vanille-Weltmarkt zu bestehen, beruhen auf seiner sehr hohen Qualität und der Herkunft der Vanille aus biozertifizierten Chakras von Kichwa-Kleinproduzenten der Napo Region. Das spezielle, natürliche Aroma der Grand Cru-Vanille von Kallari ist ausgezeichnet. Wie durch Vanille-Experten bestätigt, ist auch die Verarbeitungsqualität der „Gourmet-Schoten“ bereits annähernd optimal.  Einzig und allein die Produktionsmengen sind zu gering für eine erfolgreiche Markteinführung. Im Rahmen eines Neuvorhabens von 2018 bis 2021 soll sich dies ändern.

Unsere Partner

Die Kooperation wurde bis Ende 2015 durch die ecuadorianische Zweigstelle der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt und implementiert. Ab 2016 kooperierte "GEO schützt den Regenwald e.V." direkt mit Kallari.

Waldschutz und Einkommensförderung am Río Napo

Hier erfahren Sie mehr über Kallari

Die Gewürzvanille auf dem Weg zum Erfolg?
Die Gewürzvanille auf dem Weg zum Erfolg?
Wie Vanille wächst und wie sie aussieht zeigen die nachfolgenden Bilder aus dem Projektgebiet am Río Napo in Ecuador.

Spenden Sie jetzt für unsere Projekte

Letzte Aktualisierung: September 2018