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Chronologie der Ereignisse im Intag 2015

Januar 2015 - DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla berichtet über den bedeutendsten Waldkauf

Der Wald von Vásquez begann mich zu interessieren als ich mich vor zwei Jahren mithilfe von Google Earth nach weiteren Waldflächen für das Schutzprojekt mit LichtBlick und „Geo schützt den Regenwald“ umschaute. Das Gebiet sah sehr vielversprechend aus, denn es ist von einem der letzten intakten Wälder bedeckt, die sich bis zum Cotacachi Cayapas-Naturreservat hinziehen. Für den Kauf sprach auch, dass wir in der Nähe bereits 130 Hektar Wald erworben hatten, um das Wassereinzugsgebiet der Gemeinde Villaflora zu schützen. Das Besondere am Vásquez-Gebiet ist, dass es nicht so hoch liegt wie viele andere. Da die meisten Wälder in geringer Höhenlage abgeholzt worden sind, um Viehweiden und Anbauflächen zu gewinnen, war DECOIN an diesem Kauf natürlich besonders interessiert.

Stolpersteine erschweren den Kauf gleich am Anfang

Also nahmen wir 2013 Kontakt mit dem Gemeinderat von Villaflora auf, um herauszufinden, ob die Gemeinde ihre Waldschutzflächen erweitern wollte. Als Antwort erhielten wir ein enthusiastisches JA! Armando Almeida kontaktierte daraufhin den Besitzer. Dieser Mann, Lizardo Vásquez, lebte allerdings in den USA. Und so begann ein langer Prozess bis DECOIN-Mitarbeiter ihn über eine Kontaktperson seiner Ehefrau in Ecuador schließlich in den USA erreichen konnten.

Ein riesiges Stück Wald wird verkauft

Armando traf sich schließlich mit Lizardo Vásquez als dieser Ecuador besuchte. Nach vielen persönlichen Treffen und zahlreichen Telefonaten, konnte er ihn dazu überreden, ein riesiges Stück fast intakten Primärwald in den mittleren und höheren Bereichen der Toisan-Gebirgskette zu verkaufen. Insgesamt handelte es sich um mehr als 800 Hektar! Somit hatte Villaflora – nach der Gemeinde Junín – das zweitgrößte Waldschutzgebiet in der Intag-Region.

Das war 2013. Im Verlauf des langen Verhandlungsprozesses hatte sich Armando mit Lizardo angefreundet. Und immer, wenn Lizardo zu Besuch in Ecuador war, telefonierte Armando mit ihm, um herauszufinden, ob er womöglich gewillt wäre noch mehr von seinem wertvollen Wald zu verkaufen. Und jedes Mal versicherte Lizardo mit noch größerer Entschiedenheit, dass er keine seiner restlichen Waldflächen verkaufen würde.

2014 schließt DECOIN seinen bedeutendsten Waldkauf ab

Doch Armando (der vor seiner Arbeit bei DECOIN ein geschickter Vieheinkäufer war), gab niemals auf. So konnte er 2014 Lizardo schließlich überreden, mehrere Hundert Hektar des beeindruckend schönen Waldes zu verkaufen. Diese Waldfläche liegt viel tiefer als die bisher erworbenen und stellt nun eines der am tiefsten gelegenen Gemeindewald-Schutzgebiete in Intag dar. Das bedeutet: Jetzt ist auch das Zuhause von Tier- und Pflanzenarten, die in geringer Höhe leben, gesichert.

In dem neuen Landstück liegen gleich mehrere kleine Wassereinzugsgebiete. Alleine aus dem Grund, dass sauberes Trinkwasser für Villaflora und auch für Nachbargemeinden geschützt werden kann, ist dieser Waldkauf einer der bedeutendsten, die DECOIN je abgewickelt hat.

Dank der LichtBlick-Kunden ist die Gemeinde Villaflora nun in Besitz von über 1000 Hektar Schutzwald, in dem die Artenvielfalt eine der höchsten der gesamten Region ist.

Februar 2015 – Carlos Zorrilla berichtet über den kulinarischen Genuss der Intag-Region

Die regelmäßigen Leser wissen sicher mittlerweile, dass die Intag-Region in Ecuador ein Ort beeindruckend großer biologischer Vielfalt ist. Bis heute habe ich allerdings noch nichts über die Vielfalt unserer landwirtschaftlichen Produkte berichtet, die das Leben im Intag zu einem kulinarischen Genuss machen.

Große Genussvielfalt dank Höhenunterschiede

Die gleichen Faktoren, die allgemein für die Artenvielfalt des Landes verantwortlich sind, fördern auch die landwirtschaftliche Vielfalt: Zum einen die Lage des Intag-Gebiets zwischen 600 und fast 5000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, zum anderen seine Nähe zum Äquator.

Die meisten Nutzflächen im Intag befinden sich unterhalb von 2.200 Meter. Die außergewöhnliche Produktvielfalt wird jedoch durch die großen Höhenunterschiede ermöglicht: Von den Wärme liebenden Bananen, Kakao und Yuca/Maniok bis hin zu den Kälte liebenden Kartoffeln, Mellocos (auch Ollucos, kartoffelähnliche Knolle), Erbsen, Brokkoli, Babacos (Berg-Papaya) und vielen weiteren Früchte- und Gemüsearten, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben. Eine Ausnahme bilden Pflanzen, die es trocken mögen. Denn das Klima im Intag ist den größten Teil des Jahres über feucht.

Ein Wurzelgemüse für den Schokoladenkuchen

Ein besonderes Gemüse aus der Region ist die Zanahoria Blanca (Arracacia xanthorrhiza). Diese in den Anden beheimatete Wurzelknolle, auch Arrakacha genannt, gehört zur Familie der Karotten und ist dem europäischen Sellerie sehr ähnlich. Besonders beliebt ist sie in Ecuador und Kolumbien. Sie ist nicht nur in Suppen, als Ersatz für Kartoffeln sehr lecker, sondern auch bei den Bauern sehr beliebt, da sie widerstandsfähig gegenüber den meisten Schädlingen der Kartoffel ist. Im gekochten Zustand entwickelt sie einen unverwechselbaren Duft und ein Aroma, das als „leckere Mischung von Sellerie, Kohl und gerösteten Kastanien“ beschrieben wird. Zanahoria Blanca ist aufgrund ihrer speziellen Stärke so vielseitig, dass man damit sogar einen einzigartigen Schokoladenkuchen ohne Mehl backen kann. Gut zu wissen für alle, die auf Weizen allergisch reagieren.

Das bekannteste Gericht der Region – die Sancocho-Suppe

Zanahoria Blanca nutzt man im Intag hauptsächlich in Suppen. Gemeinsam mit Maniok, Bohnen, frischem Mais und Kochbannen entsteht das wohl bekannteste Gericht der Region: die so genannte Sancocho-Suppe. Wenn verfügbar, peppen die Einheimischen das Gericht mit Hühner- oder Schweinefleisch auf. Aber auch ohne Fleisch ist die Suppe ein Gedicht. Und sättigend! Ein typischer zweiter Gang ist ein Teller mit Reis und Bohnen (wahlweise auch Erbsen oder Linsen) und Yuca mit Huhn, was enorme Energie verleiht.

Verheirateter “Mote“

Mais wird auf alle nur denkbaren Arten und Weisen zubereitet. „Mote“ ist beispielsweise ein Maisgericht, bei dem der Mais in Wasser eingeweicht wird. Durch das Hinzufügen von Holzasche, löst sich die äußere Hülse der Körner ab, sie werden zart und weich. Danach wird der Mais mehrere Stunden gekocht. Gemischt mit Bohnen, entsteht daraus das traditionelle Gericht „Mote Casado“ – übersetzt: Verheirateter Mote. Aus Mais werden auch gerne Tamales gemacht. Kleine in Maisblätter gewickelte Küchlein, die es in einer salzigen und süßen Variante gibt.

Aji – ein Muss für die ecuadorianische Küche

Die Tamarillo oder Baumtomate (Solanum betaceum) ist eine weitere Frucht aus den Anden, die sowohl roh als auch gekocht sehr gut schmeckt. Sie ist eine Verwandte der Tomate, ist allerdings ein Baum. Häufig wird sie auch für Säfte verwendet und gemischt mit Chili bereichert sie die in Ecuador allgegenwärtige scharfe Soße “Ají“.

Kaffee und Berg-Papaya – das Leben könnte nicht süßer sein

Dagegen spielen Nachspeisen im Intag kaum eine Rolle. Obwohl es eine Fülle von köstlichen Früchten gibt, wie zum Beispiel die Berg-Papaya (Carica pentagona). Sie ist eine direkte Verwandte der Papaya und wächst in bis zu 3.000 Meter Höhe. Kocht man sie 15 Minuten in Zuckersirup und gibt eine Prise Zimt hinzu, ist das die reinste Gaumenfreude. Verwendet man die Berg-Papaya zusammen mit oder anstatt Äpfeln in einem Kuchen, entsteht daraus ein außergewöhnliches Dessert. Trinkt man danach eine Tasse guten Intag-Kaffee, könnte das Leben nicht süßer sein!

So viele leckere Gerichte und so wenig Platz, um sie alle bekannt zu machen. Aber vielleicht haben Sie nun zumindest eine kleine Vorstellung von Intags anderer, unbekannterer Vielfalt bekommen und haben Lust, in Ihrer Küche mal etwas Neues auszuprobieren.

März 2015 - Carlos Zorrilla berichtet über eine neue, spannende Projektinitiative im Bereich Bildung

Umweltthemen in Radio Intag

Dank der Weihnachtsspende 2014 von Lichtblick widmet sich DECOIN derzeit wieder verstärkt seinem Umweltbildungsprogramm. Dabei geht es um die Produktion einer Serie von Radioprogrammen, die die wichtigsten Umweltthemen der Region aufgreifen. Folgende Themen wurden identifiziert:

Nebelwälder, Artenvielfalt, Gemeindeschutzgebiete, Landwirtschaft, Wasser, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Nachhaltige Entwicklung, Gefährdete Arten im Intag sowie deren Bedrohungen und die wichtigsten Umweltthemen aus der Sicht der Befragten.

Für das Projekt erhielt die Leiterin des Projekts, Esperanza Torres, ein Training - als Vorbereitung für ihre neuen Aufgaben, zu denen auch Interviews mit Bewohnern der Region gehören. Die schlagfertige, redegewandte Naturschützerin und Mutter eines Sohnes ist die Idealbesetzung für diese Arbeit, sie lebt noch dazu in der kleinen Ortschaft Peñaherrera, wo der Sitz des Radiosenders ist. Bei den Befragungen sollen vor allem Schüler von weiterführenden Schulen sowie Grundschulen zu Wort kommen. Aufgabe von Esperanza ist es zudem, die Aussagen ihrer Interviewpartner durch zusätzliche Informationen zu ergänzen und auf diese Weise Sachverhalte genauer zu erklären.

Im Anschluss an die Interviews – bis zu 12 pro Umweltthema – werden gemeinsam mit den Mitarbeitern von Radio Intag die besten ausgesucht, geschnitten und dann in eine Radiosendung eingebaut. Dies ermöglicht es den jungen Leuten, die bei Radio Intag arbeiten, Erfahrung in der Produktion von Radioprogrammen und im Schnitt von Tondokumenten zu sammeln.

Vor zwei Wochen sind die ersten beiden Programme im Radio ausgestrahlt worden – die Einführung in das Programm sowie das Thema „Artenvielfalt“. Ursprünglich war vorgesehen, kurze Radiobotschaften zu produzieren und diese “Clips” von bis zu 45 Sekunden Länge zwei Mal täglich auszustrahlen. Doch der Besitzer des kleinen Privatsenders Radio Intag fand die Programmidee so gut, dass er den Themen jeweils 30 Minuten Länge zugesteht und die Programme vier Mal pro Woche ausstrahlen lässt.

Um die Reaktion der Hörer abzuschätzen, ist noch etwas zu früh. Schließlich dauert es eine Weile bis ein Radioprogramm bekannt wird und die Menschen zum Beispiel wissen, wann genau die Sendezeiten sind. Aber wir sehen für diese Initiative schon jetzt eine große Zukunft, denn sie wird die „normale“ Naturschutzarbeit, die wir mit Unterstützung von LichtBlick machen, verstärken.

April 2015 - Carlos Zorrilla, der Direktor von DECOIN schreibt über Tourismusangebote im Intag

Eingebettet in die artenreiche Vielfalt der Westflanken der Andenflanken in Ecuador liegt – nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt von dem weltberühmten indianischen Markt von Otavalo – eines der bestgehüteten Geheimnisse für Reisende in Südamerika: Intag.

Was Sie in Intag erwartet

Sie suchen einen Ort, an dem Sie sich komplett oder teilweise erneuern können, oder wollen einfach für eine Weile dem Lärm und der Hektik der Städte entkommen? Sie wünschen sich in eine Region mit herrlichen Ausblicken, kleinen Dörfern, sauberen Flüssen, atemberaubenden Wäldern, mit authentischen Menschen, bunten Vögeln und Orchideen in Hülle und Fülle? Sie sind ein bisschen abenteuerlustig und sind naturverbunden? Dann ist Intag genau das richtige Reiseziel für Sie!

Die nach dem Intag-Fluss benannte ruhige, ländliche Region befindet sich in einer Umwandlungsphase: Früher wurde sie ausschließlich landwirtschaftlich genutzt, doch nun entwickelt sich Intag in ein auch für Touristen interessantes Gebiet. Der Schwerpunkt liegt auf ländlichem Tourismus in all seinen Formen, insbesondere auf ökologischem - und Gemeinde-Tourismus.

Die geografische Nähe zu Otavalo und der schönen Kolonialstadt Cotacachi - zwei bis drei Stunden entfernt -, ist ein großes Plus. Doch die Hauptattraktionen im Intag sind die biologische und kulturelle Vielfalt der Region: saubere Flüsse, wunderschöne Nebelwälder und die Begegnung mit offenen, warmherzigen Menschen.

Anreise

Wenn Sie Ihre Reise mit dem Auto in Cotacachi oder Otavalo beginnen, sehen Sie sich unbedingt den Cuicocha-See an; der See füllt den rund drei Kilometer großen Krater des aktiven 4939 Meter hohen Vulkans Cotacachi. Auch Busse fahren vom Busbahnhof von Otavalo aus nach Intag, nur halten sie nicht am Cuicocha. Nach dem See windet sich die Straße hinauf ins Páramo-Ökosystem bis auf rund 3.500 Meter Höhe. Dann geht es vorbei an unberührten Nebelwäldern hinab ins Intag-Tal. Das Dörfchen Santa Rosa, das „Tor zum Intag“, liegt in etwa eineinhalb Stunden mit Auto oder Bus Entfernung von Otavalo.

Entspannende Tage im Nebelwald

Auf 2000 Meter Höhe finden sich um Santa Rosa die am leichtesten zugänglichen Nebelwälder der Intag-Region. In Santa Rosa gibt es einige Ökotourismus-Herbergen im Nebelwald, insbesondere Hobby-Ornithologen und Orchideenliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Außerdem sind hier zwei Frauengruppen ansässig, die Taschen und Ähnliches aus der Naturfaser Sisal herstellen.

Einige Kilometer weiter erreichen Sie das Dorf Pucará, wo Sie sich bei einer heimischen Familien einmieten können, während Sie in der Gemeindeschule Spanisch lernen.

Etwa 15 Minuten dauert die Busfahrt von Pucará bis in die Kleinstadt Apuela auf 1600 Meter Höhe, das Handelszentrum des Intag-Tals.

Kaffee pflücken um Apuela

In Apuela erwarten Sie an den Sonntagen Einblicke in einen „nicht-touristischen“ Wochenmarkt. Apuela ist auch der Ort, in dem Sie eine Kaffee-Tour bei und mit

dem „Río Intag-Kaffeeverband AACRI“ buchen können. Fragen Sie einfach irgendjemanden, wo sich das Aacri-Büro befindet. Wenn Sie immer schon mal wissen wollten wie und wo Kaffee wächst, können Sie auch bei einer Kaffeebauern-Familie unterkommen und sie bei der Ernte unterstützen (Haupterntezeit zwischen April und Juli). Falls Sie Interesse an Naturschutzfragen haben, schauen Sie auch bei uns im DECOIN-Büro vorbei (nur sonntags geöffnet).

Baden in heißen Quellen und Wasserfällen

Sicher sind die Thermalbecken des Nangulví in etwa 20 Minuten Entfernung von Apuela eine der größten Attraktionen der Region. Der Komplex wird von einer Gruppe von Gemeinden bewirtschaftet und ist ein Muss für jeden Intag-Besucher. Dort warten sechs Wasserbecken mit unterschiedlichen Temperaturen, in denen Ihre Sorgen verfliegen werden. Unter der Woche ist an den Quellen nur wenig Betrieb, am Wochenende und an Feiertagen kann es dagegen voll werden. Neben diesen heißen, entspannenden Wasserbecken direkt am Intag-Fluss ist der wohl beste Standort für ein Restaurant. Vollpension gibt es dort um zehn Dollar pro Person und Tag. Die Unterkunft in einer der Cabañas (Häuschen für bis zu vier Personen) kostet etwa 20 Dollar pro Person.

Bei Nangulví finden Sie auch die Büros des Ökotourismus-Netzwerks von Intag, auch bekannt als „REI“. Die Organisation wird von Eigentümern und Verwaltern privater und gemeinnütziger Unternehmen geführt und steuert verschiedene Tourismusattraktionen an. Das Angebot umfasst auch Ausflüge zu Pferd sowie Rafting auf dem Intag-Fluss an (nur in der Trockenzeit von Juni/Juli - September). Auf der REI-Webseite können Sie verschiedene Ausflüge buchen, darunter einen Aufenthalt bei der „Frauengruppe Rosal“. Gemeinsam mit den Frauen können Sie Naturseife und Shampoo herstellen und an einem nahegelegenen Wasserfall baden.

Natur erkunden und schützen

Die etwa eine Stunde von Nangulví entfernte „Junín Ökolodge“ bietet ein spektakuläres Bambushaus, das Mitglieder der Gemeinde erbaut haben. Außerdem gibt es ein Gemeindewald-Schutzgebiet, das reich an Orchideen, Vögeln und Wasserfällen ist. Seit 20 Jahren kämpft die Gemeinde gegen die Pläne an, hier Kupfer im Tagebau zu gewinnen. Tourismus ist einer der Hauptgründe, warum sie so erfolgreich ist. Unterkunft und drei Mahlzeiten erhalten Sie in Junín für 45 Dollar pro Person. Sehr empfehlenswert für Abenteuerlustige.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das schöne Städtchen Cuellaje, die archäologische Stätte Wariman (in Peñaherrera) sowie das Ökologische Reservat „Los Cedros“ (nicht leicht zu erreichen, aber gut zum Vögel beobachten). Weiter unten, in tieferer Höhenlage finden sich die „Talleres del Gran Valle bei Magdalena“, ein Handwerks- und Bauernverband und schließlich der „Grüne Himmel“ („Cielo Verde“) sowie der atemberaubende Río Manduriyacu. Auch Trekking-Optionen werden angeboten: Machen Sie eine geführte Wanderung durch Ackerland, Bäche und Wälder, um am Ende eine der kleinen Städte oder den mehr als 3000 Meter hoch gelegenen See von Piñán mitten im Naturreservat Cotacachi-Cayapas zu erreichen.

Allgemeine Hinweise

Die Intag-Region ist eine der sichersten für Touristen in ganz Ecuador. Englisch wird nur von wenigen Menschen gesprochen, Deutsch fast gar nicht. Die Temperaturen schwanken das ganze Jahr über zwischen 12 und 33 Grad Celsius – je nach Höhenlage. Malaria ist im Intag-Tal praktisch unbekannt, insbesondere nicht über 1500 Meter Höhe. Trockenzeit ist in der Regel von September bis Juni, Regenzeit von Oktober bis Ende Mai – aber lassen Sie sich nicht durch die Regenfälle abschrecken!

Kontakte

Weitere Informationen finden Sie unter www.intagtours.com

Telefonnummern und E-Mails:

REI
Tel. +593 6 3016 135
intagturismo@gmail.com

Pucara Spanish School (sowie Bed & Breakfast)
Tel. +593 99 521 6673
info@casainteram.org

Nangulví Thermalquellen
Tel. +593 6 3052 024
termas.nangulvi@gmail.com

Junín Ökolodge
Tel. +593 9 888 71860
ecojunin@yahoo.es

Mai 2015 - Carlos Zorrilla berichtet über ein Thema, das die Intag-Region seit langem beschäftigt

Bergbaupläne - sie kommen und sie gehen

20 Jahre ist es bereits her, dass der Widerstand gegen Kupfer-Bergbauvorhaben im Intag begann. Zwei Jahrzehnte – fast eine Generation. Während dieser Zeit organisierten sich die Gemeinden der Region und schafften es, mit Unterstützung von Organisationen und der lokalen Regierung zwei transnationale Bergbauunternehmen aus dem Land zu vertreiben. Parallel dazu wurden nachhaltige wirtschaftliche Alternativen entwickelt. So begann etwa der Ökotourismus und die Produktion von Kaffee, von handgemachten Seifen und Shampoos sowie von Kunsthandwerk aus Sisal.

Wie alles begann

1997 musste „Bishimetals“, ein Tochterunternehmen von Mitsubishi, Ecuador verlassen, noch bevor es die Erz-Exploration vor Ort abgeschlossen hatte - wir glaubten den Kampf gewonnen zu haben. Doch so war es nicht. Sieben Jahre später versuchte ein kanadisches Bergbauunternehmen, Ascendant Copper, dort weiterzumachen, wo Bishimetals aufgehört hatte. Doch sie schafften es nicht einmal, mit der Exploration zu beginnen.

Der Widerstand organisiert sich

Der Widerstand gegen die Ausbeutung der Bodenressourcen lief viel organisierter ab als in den Jahren zuvor. Und das, obwohl Ascendant Copper Millionen von Dollar investierte, um die Bergbaugegner umzustimmen oder die Bevölkerung einzuschüchtern und unter Druck zu setzen. Bis auch die Kanadier das Handtuch warfen, vergingen vier Jahre. Damals glaubten wir, den Kampf ein für alle Mal gewonnen zu haben. Was für ein Trugschluss - erneut!

Der ecuadorianische Staat mischt mit im Bergbau

Im Jahr 2012 verband sich Ecuadors staatseigenes Bergbauunternehmen ENAMI mit CODELCO aus Chile – einem der größten Kupferproduzenten der Welt. Sie wollten das Vorhaben neu beleben und verwendeten dafür ähnliche Strategien wie zuvor die Kanadier. Doch diesmal förderte der ecuadorianische Staat selbst das Projekt mit all seinen Institutionen, einschließlich Polizei und Gericht. Im April 2014 inhaftierte die Polizei Javier Ramirez, damals Präsident der Gemeinde Junín. Sie beschuldigten ihn, nachweislich zu Unrecht während einer Konfrontation zwischen Gemeindemitgliedern und ENAMI-Angestellten, einen Mitarbeiter des Unternehmens geschlagen zu haben. Gemeinsam mit seinem Bruder Victor Hugo wurde Javier Ramirez des Aufstands beschuldigt. Javier wurde ins Gefängnis gesperrt; sein Bruder wird bis heute polizeilich gesucht. Trotz gegensätzlicher Beweise, befand das Gericht die Aussagen der Regierung gegen Javier für wahr. Javier verbrachte bis zum Gerichtsentscheid zehn Monate in einem überfüllten Gefängnis. Im Februar 2015, am gleichen Tag als das Urteil fiel, ließ man ihn endlich frei. Er ist jetzt wieder zuhause bei seiner Frau und den vier kleinen Kindern. Nach Protesten von ENAMI verkündete eine höhere Gerichtsinstanz , dass er noch zwei weitere Monate in Haft verbringen müsse; Dagegen hat der Anwalt von Javier im April Widerspruch eingelegt. Amnesty International , die Internationale Föderation für Menschenrechte sowie weitere Organisationen, haben diesen Fall scharf verurteilt.

Warum wurde Javier Ramirez inhaftiert?

Die meisten Intag-Bewohner nahmen an, dass man durch die Verhaftung von Javier einen der aktivsten Bergbaugegner ausschalten und gleichzeitig ein Klima der Angst und Einschüchterung schaffen wollte. Diese Auffassung erhärtete sich, als einen Monat später einige Hundert Spezialeinsatzkräfte der Polizei in die Region stürmten und sich Zugang zum Bergbaugebiet erzwangen. Es wird vermutet, dass sie eine Handvoll Techniker begleiten sollten, die Proben entnahmen und die Umweltverträglichkeitsstudie fertig stellten. Diese Studie enthält eine Fülle von Falschinformationen und Lücken. Mithilfe von Experten konnten wir jedoch auf Dutzende von Fehlern hinweisen und die Studie ablehnen. Es war jedoch der ecuadorianische Staat, der diese Studie in Auftrag gegeben hatte, und es war der Staat, der sie trotz aller Fehler und Mängel guthieß.

Die aktuelle Lage

Nach Genehmigung der Studie im Januar 2015 besetzten ENAMI und CODELCO unrechtmäßig Teile des Gemeindeschutzwaldes von Junín und sie stellten eine jahrzehntelang stillgelegte Straße wieder her, um schweres Gerät für Bohrarbeiten in den Primärregenwald transportieren zu können. Der Tourismus brach ein. Der Wald ist nicht nur das Zuhause vieler vom Aussterben bedrohter Tiere sondern er schützt auch unzählige, unberührte Flüsse. Angesichts der biologischen, geologischen und meteorologischen Bedingungen kann dieses in der Tat eines der verheerendsten Bergbauprojekte der Welt werden. Im Mai begannen Probebohrungen, die drei bis vier Jahre dauern könnten. Falls die Ergebnisse der Untersuchungen die Existenz eines ertragreichen Kupfervorkommens bestätigen sollten, und falls die Gemeinden den Abbau erlauben sollten, so wird die nächste Phase die Ausbeutung sein. Doch wir haben im Intag schon mehrfach gezeigt, wie stark wir gemeinsam sind und, dass wir uns wehren.

Juni 2015 - Carlos Zorrilla berichtet von einer außergewöhnlichen Tiergruppe - den Nachtfaltern

Die faszinierende Welt der Motten

Nachtfalter – die umgangssprachlich auch als „Motten“ bezeichnet werden – sind ebenso weit verbreitet wie geheimnisvoll. Ihre Artenzahl übertrifft die der Schmetterlinge um etwa das zehnfache und dennoch wissen die meisten Menschen kaum etwas über sie. Nachtfalter bilden eine riesige Tiergruppe, doch selbst Insektenforscher wissen nicht einmal annähernd, wie viele Arten es gibt. Die neueste Zahl der weltweit identifizierten Spezies beträgt rund 180.000. Allerdings glauben manche Fachleute, dass es bis zu 500.000 sein könnten. Mit anderen Worten: Die Mehrheit der Nachtfalter wartet noch darauf, entdeckt zu werden. Dagegen beläuft sich die Gesamtzahl der bekannten Schmetterlingsarten auf nur rund 17.500 Arten.

Wie unterscheiden sich Motten und Schmetterlinge?

Wie die Schmetterlinge gehören Nachtfalter innerhalb der Klasse der Insekten zur Ordnung der Lepidoptera. Es gibt lediglich geringe Unterschiede zwischen Schmetterlingen und Nachtfaltern. Schmetterlinge sind tagaktiv und Nachtfalter nur nachts unterwegs – so einfach ist die Unterscheidung dann doch nicht. Denn es gibt durchaus am Tag aktive Nachtfalter und in der Nacht aktive Schmetterlinge. Am besten kann man die beiden Gruppen anhand ihrer Fühler unterscheiden. Schmetterlinge haben fadenförmige Fühler, die am Ende eine Verdickung aufweisen. Nachtfalter hingegen besitzen, wenn man genau hinschaut, Fühler, die Federn ähnlich sehen. Auf ihnen befinden sich spezielle Sinneszellen, mit denen sie chemische Stoffe wahrnehmen können. Diese so genannten „Chemorezeptoren“ ermöglichen es den männlichen Nachtfaltern, bestimmte Botenstoffe (Pheromone) wahrzunehmen, die von Weibchen produziert werden - ein Hilfsmittel, das notwendig für die Kommunikation im Dunkeln ist. Einige Nachtfalter haben derart sensible Fühler, dass sie ein einzelnes Pheromon-Molekül aus einigen Kilometern Entfernung wahrnehmen können!

Dass Nachtfalter nicht immer düster in ihrer Färbung sein müssen, zeigt eines der schönsten Insekten überhaupt: Die Schmetterlingsmotte oder auch Sonnenuntergangs-Motte (lateinischer Name: Chrysiridia rhipheus). Trotzdem stimmt es, dass die meisten Arten nicht gerade farbenfroh sind. Der Grund für die graue oder braune Färbung vieler Nachtfalter ist denkbar einfach: es ist ein Schutz vor Fressfeinden. Viele Arten imitieren die Färbung des Untergrunds, etwa die Rinde von Bäumen, um nicht von Räubern entdeckt zu werden. In der Nacht schützen sich Nachtfalter auf andere Weise. Für sie sind die Ultraschallwellen, die Fledermäuse, ihr größter Fressfeind, zur Echoortung aussenden, „sichtbar“. Lange bevor der Mensch die Ultraschalltechnologie entwickelte, entwickelte eine bestimmte Gruppe von Nachtfaltern, die Tiger-Motten, ein ähnliches System. Motten imitieren den Ultraschall der Fledermäuse und bewahren sich so davor, gefressen zu werden, denn Fledermäuse nehmen an, es mit einer anderen Fledermaus zu tun zu haben.

Warum fliegen Motten ins Licht?

Die Wahrheit ist: Niemand weiß es. Die gängigste Erklärung ist, dass Nachtfalter das Licht des Mondes zur Orientierung nutzen und sich dabei von einer zusätzlichen, künstlichen Lichtquelle irritieren lassen. Das ist nur eine der vielen Theorien, die sich als unbefriedigend erwiesen haben. Nach all den Jahren, in denen ich hier in der Intag-Region Lichtfallen aufstelle, bin auch ich nicht davon überzeugt. Mein Sohn Martín, der Insekten liebt, sagte mal im Scherz: „Der wahre Grund ist, dass sie sich einfach im Dunkeln fürchten!“. Auf jeden Fall bietet dieses Phänomen eine großartige Gelegenheit, diese Insekten genauer kennenzulernen.

Weshalb sind Nachtfalter so faszinierend?

Obwohl ich bereits seit 20 Jahren „Nachtfalter-Schwärmer“ bin, entdecke ich in den meisten Nächten, in denen ich eine Lichtfalle aufstelle, immer noch neue Arten. Viele von ihnen habe ich nur ein einziges Mal gesehen. Angesichts der vielen im Nordwesten von Ecuador heimischen Arten und der wenigen Erforschung von Nebelwäldern, würde es mich nicht wundern, wenn die eine oder andere dieser Mottenarten der Wissenschaft noch nicht bekannt war.

Eine Sache, die mich wirklich verzaubert, ist die Vielfalt ihrer Flügelformen, Schuppen und spektakulären Musterungen sowie die unterschiedliche Tarnung der Motten! Da können Schmetterlinge nicht mithalten. Es gibt Nachtfalter, die Wespen nachahmen, einige von ihnen sind so klein, dass man ein Vergrößerungsglas benötigt, um ihre unglaubliche Schönheit würdigen zu können. Andere wiederum wie etwa die "Atlasmotte" mit einer Flügelspannweite von 30 Zentimetern, sind größer als viele Vögel. Einige schweben in der Luft wie Kolibris oder sehen aus wie Gestalten aus einem Science-Fiction- oder Horror-Film.

Worauf warten Sie? Werden Sie auch ein Nachtfalter-Schwärmer! Suchen Sie sich eine dunkle Nacht aus, in der Sie Ihre eigene Lichtfalle aufstellen. Nehmen Sie eine Taschenlampe und installieren diese hinter einem weißen Blatt oder Tuch. Machen Sie sich einen Tee oder Kaffee, nehmen Sie Ihren Fotoapparat zur Hand und laden Sie Ihre Familie ein. Zusammen können Sie dann die biologischen Schätze der Nacht entdecken. Ich garantiere Ihnen, dass es eine unvergessliche Nacht wird!

Juli 2015 - Eva Danulat, die Geschäftsführerin von LichtBlick-Projektpartner „GEO schützt den Regenwald e.V.“, berichtet von ihrem Besuch in der Intag-Region (Teil I)

Besuch im Regenwald – immer wieder ein faszinierendes Erlebnis

In diesem Jahr bin ich in der zweiten Juni-Hälfte zu Besuch im Intag-Gebiet, 14 Tage später als sonst. Die Trockenzeit hat bereits begonnen. Es ist deutlich wärmer als bei meinen acht früheren Aufenthalten und es fällt seltener und weniger Regen als Ende Mai. Wie immer steht zu Beginn meines Intag-Besuchs eine ausgedehnte Teambesprechung zur Evaluierung unseres LichtBlick-Projekts und weitere Planungen auf der Agenda.

Teambesprechung im Wald

Unser erstes Treffen findet mitten im Wald in der Finca von DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla bei Santa Rosa statt. Die perfekte Gelegenheit, noch bevor das offizielle Programm beginnt, auf Erkundungstour zu gehen. Carlos und sein Hund Monte begleiten mich auf dem Weg zum Wasserfall, zu dem es mich bei jedem Besuch aufs Neue hinzieht. Faszinierend wie sehr sich die leichte Verschiebung der Reisezeit im Bergnebelwald bemerkbar macht: Er blüht! Obwohl es in den Tropen keine Jahreszeiten wie in Mitteleuropa gibt, ist der Beginn der Trockenzeit hier im Nordwesten Ecuadors wohl am ehesten mit unserem Spätfrühling vergleichbar. Ob in der dichten Vegetation entlang des Pfades oder im Geäst über mir, überall entdecke ich Blüten und Früchte, die bei keinem meiner vorigen Besuche je zu entdecken waren. Eine dunkelrote etwa 60 Zentimeter lange Heliconien-Blüte hängt von einer Staude herab, filigrane Orchideen in weiß mit violett finden sich auf einem bemoosten Stamm, zarte lilafarbene Röhrenblüten hängen von einem Ast. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben ist beeindruckend.

Seltener Blick in die Baumkrone

Als wir am Wasserfall ankommen, sehen wir, dass bei einem Erdrutsch vor einigen Tagen ein Baum entwurzelt wurde und vom Steilhang herabgestürzt ist. Glück für uns, denn dies gibt uns Gelegenheit, uns die ungewöhnlichen Blüten näher anzusehen, die aus der Baumkrone heraus wachsen. Die roten, etwa zehn Zentimeter langen Blütenstände, vermutlich von einer Aufsitzerpflanze, sind selbst Carlos unbekannt. Kein Wunder, denn wäre die Krone nicht auf der Erde zum Liegen gekommen, hätte wohl kaum ein Mensch diese Schönheiten je zu Gesicht bekommen.

Ein Zwergfrosch kreuzt den Weg

Auf dem Rückweg zur Finca geht sogar noch einer meiner Wunschträume in Erfüllung: Als ich mich gerade nach einer Waldfrucht bücke, springt etwas vor mir hoch, landet einen halben Meter von mir entfernt auf einem zarten Blatt. Wild gestikuliert Carlos‘ Zeigefinger. Ich traue meinen Augen nicht, doch beim genauen Hinsehen entpuppt sich das „Etwas“ tatsächlich als ein Zwergfrosch! Unzählige Arten von Zwergfröschen haben im Nebelwald ihr Zuhause; sie sind noch nicht einmal selten, allerdings treten sie im Wald dank ihrer Maße und perfekten Tarnung kaum in Erscheinung. Seit vor drei Jahren spielende Kinder die Miniaturfrösche im Wald von Santa Rosa zufällig aufgespürt haben, habe ich mir bei jedem einzelnen Besuch inständig gewünscht, selbst mal einen mit eigenen Augen zu sehen. Heute ist das Glück endlich auf meiner Seite! Der grün-braune Winzling vor mir – kaum größer als mein Daumennagel – ist von perfekter Schönheit. Ich bin dankbar, dass er mir eine halbe Minute Zeit lässt, um ihn zu bewundern, bevor er mit einem Riesensprung ins Unterholz entschwindet.

Neue Waldflächen werden geschützt

Auch diese Stunden im Bergregenwald haben mir gezeigt, weshalb er unbedingt erhalten werden muss. Umso mehr freue ich mich, dass bei unserer Teamsitzung die Präsidentin von DECOIN, Silvia Quilumbango, gute Nachrichten hat: Ein Waldkauf steht kurz vor dem Abschluss, durch den weitere 100 Hektar Bergnebelwald dauerhaft geschützt werden können. Auf den Flächen aus dem Besitz von Luis Cabezas im Bezirk Cuellaje wurden nie Bäume gefällt, es handelt sich also um wertvollen Primärwald. Armando Almeida berichtet, dass er das Gebiet bereits vollständig vermessen und die für den Verkauf erforderliche Karte erstellt hat. Durch den jüngsten Kauf werden die Gemeindewaldflächen von Cuellaje auf insgesamt 3.169 Hektar erweitert.

August 2015 - Eva Danulat, die Geschäftsführerin von LichtBlick-Projektpartner „GEO schützt den Regenwald e.V.“, berichtet von ihrem Besuch in der Intag-Region (Teil 2)

Besuch im Regenwald – Unternehmerischer Geist in der Intag-Region

Auch bei meinem achten Intag-Aufenthalt gerate ich immer wieder ins Staunen – nicht nur über die Natur, sondern auch über die Menschen. Auf dieser Reise habe ich mir vorgenommen, mehr darüber zu erfahren, wie die Bewohner der abgeschiedenen Region ein Einkommen erwirtschaften können.

Prominenter Zuwanderer in Vacas Galindo

Bei den heißen Quellen von Nangulví stellt mir DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla einen Bekannten vor, José Jijón, den er, wie die meisten hier, nur "Pepe" nennt. Dessen Einladung zu einer Führung über seine 15 Hektar große Kaffee-Finca „Soledad“ (auf Deutsch: „Einsamkeit“) nehme ich gerne an. Von der Kaffeeproduktion, für die die Intag-Region landesweit bekannt ist, habe ich bislang viel zu wenig gesehen und erfahren. Bevor es am nächsten Morgen so weit ist, klärt mich Carlos über Pepes spannende Vergangenheit auf: Der heute 40-jährige Ecuadorianer war früher professioneller Bergsteiger, hat als jüngster Lateinamerikaner die höchsten Gipfel aller Kontinente im Alleingang bezwungen – Mount Everest inklusive! Seit fünf Jahren lebt Pepe nun ganzjährig nahe der kleinen Ortschaft Vacas Galindo, beweist seinen Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, aber auch ganz neue Talente, als Kaffeefarmer. Von dem selbst entworfenen Haus am Berghang – ein Traum aus Bambus und Glas – hat er einen großartigen Blick über das Intag-Tal. Ich kann beim Anblick der erst drei Jahre alten Plantage nur staunen. Die Erntezeit hat begonnen. Die im Schatten junger Bäume wachsenden Kaffeepflanzen strotzen nur so vor Kraft, hängen voll mit roten, reifen Kirschen. Verschiedenste Baumarten mit ausufernden Kronen sorgen dafür, dass die Arabica-Pflanzen nicht unter zu starker Sonneneinstrahlung leiden. Stolz erzählt der Kaffeebauer, sein Arabica-Kaffee, den er unter der Marke "Instinto" (auf Deutsch: "Instinkt") selbst vertreibt, sei gerade als bester der ganzen Provinz Imbabura prämiert worden, landesweit habe er Platz 11 erreicht! In den nächsten drei Jahren plant der Gipfelstürmer, seine Finca komplett auf biologischen Anbau umzustellen. „Ich habe im ersten Jahr versucht, ganz ohne Chemie auszukommen, doch dazu hat es mir dann doch an Erfahrung gefehlt“, erzählt er; „es war zu viel auf einmal, erstmal mussten wir mit den Herausforderungen von Boden und Klima klarkommen“. Und obwohl Pepe offensichtlich auch die Kaffeevermarktung im Alleingang meistern kann, will er seine ausgezeichneten Bohnen künftig über die Assoziation der Kaffeebauern im Intag, AACRI, vermarkten – um diese lokale Bauernorganisation zu stärken.

Pfiffige Unternehmerinnen in El Rosal

Zusammen mit Silvia Quilumbango, einer Mitarbeiterin der Organisation DECOIN, fahre ich in die abgelegene Bergsiedlung El Rosal im Bezirk García Moreno, um endlich die Frauengruppe kennenzulernen, von der ich schon viel gehört habe. In einem kleinen Flachbau mitten im Ort berichten Germania Haro und Carmen Ruiz, zwei der Gründungsmitglieder, vom Werdegang und Ansinnen der Fraueninitiative. „Wir wollten unter Beweis stellen, dass es auch in einem abgeschiedenen kleinen Dorf wie unserem möglich ist, eine alternative Einkommensquelle für Frauen zu erschließen!“ Auf diese Weise wehren sie sich auch gegen die seit zwei Jahrzehnten immer wieder aufflammenden Bergbaupläne, die die Natur und den sozialen Frieden in der idyllischen Region gleichermaßen bedrohen. Die Anfänge der Gruppe gehen auf das Jahr 2004 zurück. Damals schenkte ihnen die Organisation „Ayuda en Acción“ 10.000 Setzlinge von Aloepflanzen, die sie in ihren Gärten auspflanzten. Während die Aloe heranwuchs, betrieben sie Marktforschung und nahmen an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Schnell war das Ziel ins Auge gefasst: Sie wollten Kosmetikprodukte mit regionalen Pflanzenextrakten herstellen und vermarkten.

In den ersten Jahren scheiterten zahllose Versuche, doch die Frauen gaben nicht auf, bis irgendwann die Rezepturen und Prozesse dann ausgereift waren. Die jetzt vierköpfige Gruppe nutzt Aloe und andere Naturprodukte der Region inzwischen zur Herstellung von Seifen, Shampoos und Cremes. Ist die Auftragslage gut, so beschäftigen sie weitere Frauen von El Rosal in der Produktion. Zudem fließt immer ein Teil des Gewinns in Gemeindeprojekte wie ein neues Telefonkabel, eine Dorffeier oder Straßenreparaturen. Wie man ein Aloe-Seifenstück in reiner Handarbeit herstellt, führen mir die beiden Kleinunternehmerinnen dann vor. Carmen kappt die Blattränder von Aloeblättern, löst dann das glibberige Blattinnere heraus und schneidet es in kleine Quader. Der Aloe-Blattsaft wird beim Passieren durch ein Sieb zu zähen Fäden. Germania erhitzt die Masse dann in einem großen Topf und vermischt sie unter ständigem Rühren mit den übrigen Seifenzutaten. Nach kaum einer Stunde ist es soweit: Die flüssige Mischung wird zum Aushärten in rechteckige Formen von der Größe des späteren Seifenstücks gegossen. Schon vor meinem Besuch war ich Fan der tollen, hautverträglichen Seifen, jetzt bin ich zusätzlich beeindruckt von ihrer schlichten, aber pfiffigen Herstellung!

September 2015 - Carlos Zorrilla berichtet über eine einzigartige Arzneipflanze aus den Bergnebelwäldern der Anden: „Cinchona“, der Chinarindenbaum

Vor einer Weile habe ich über die Heilkräfte des Drachenblutbaumes „Sangre de Drago“ geschrieben, der bei uns in der Intag-Region heimisch ist. Heute stelle ich den Chinarindenbaum, eine weitere außergewöhnliche Pflanze vor.

Wunderbaum benannt nach einer Gräfin

Der Chinarindenbaum ist im Bergnebelwald von Costa Rica bis Bolivien heimisch. Fast vier Jahrhunderte lang war Chinin – eine Substanz, die aus der Rinde des Baumes gewonnen wird – das einzige Mittel zur wirksamen Behandlung von Malaria. Die botanische Bezeichnung der Baumgattung Cinchona geht laut Überlieferung auf eine Wunderheilung zurück, die der Gattin des spanischen Vizekönigs von Peru im Jahr 1638: Demnach litt die Gräfin von Chinchon

an hohem Fieber, ein Jesuitenpater verabreichte ihr einen Extrakt des Chinarindenbaums – und rettete ihr so Leben. Die Arznei aus dem kleinen Baum aus der Familie der Rötegewächse war den Ureinwohnern Südamerikas mindestens seit Beginn des 17. Jahrhunderts bekannt; sie behandelten damit nicht nur Malaria, sondern auch andere Arten von Fieber. Bereits um 1650 wurde die heilende Rinde auch von Jesuiten in Europa eingesetzt und der Chinarindenbaum erhielt seinen Platz in der Geschichte der Menschheit.

Unbehandelt verläuft Malaria oft tödlich

Obwohl Malaria-Behandlungsmethoden schon lange bekannt sind, erkranken weiterhin laut Weltgesundheitsorganisation weltweit pro Jahr noch immer 243 Millionen Menschen an der Krankheit. Malaria wird durch den Stich von Anopheles-Stechmücken verbreitet: Dabei gelangen die winzigen Krankheitserreger, so genannte Plasmodien, ins Blut, verursachen hohes Fieber und schädigen den Körper. Ohne Behandlung ist Malaria oft sogar tödlich; noch heute sterben jährlich bis zu 1,3 Millionen der Malaria-Kranken, die meisten von ihnen Kleinkinder unter fünf Jahren.

Chinin, Hilfsmittel für Eroberer und Soldaten

Malaria war in den vergangenen Jahrhunderten so weit verbreitet und kostete so vielen Menschen , dass Historiker die Meinung vertreten, ohne den Chinarindenbaum wäre es etwa Großbritannien im 19. Jahrhundert nicht gelungen sein Kolonialreich aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Denn beim Vorstoß in tropische Gebiete hing das Überleben der britischen Soldaten von der vorbeugenden Einnahme von Chinabaumrindenpulver ab. Schon im 19. Jahrhundert begannen die Briten deshalb in ihren Kolonien Plantagen der Heilpflanze anzulegen, doch die Aufzucht der Bäume stellte sich als schwierig heraus. Noch während des Zweiten Weltkriegs war Chinabaumrinde ein Arzneimittel von großer Bedeutung. Japanern und Deutschen gelang es, den Zugang zu den wichtigsten Vorkommen von Cinchona-Bäumen zu kontrollieren. Daraufhin begann ein gewaltiger Wettlauf, um den Baum mit der heilenden Rinde in anderen Regionen aufzustöbern. Bis der Baum in der freien Natur immer seltener wurde. Auch Intag gehörte zu den stark betroffenen Regionen. Selbst in den 1970er Jahren, zu einer Zeit als die Ausbeutung der Vorkommen und die Entwicklung neuer Heilmethoden das Ernten wirtschaftlich unrentabel machte, wurden hier noch viele Cinchona-Bäume eingeschlagen. Tatsächlich stuft die Weltnaturschutzunion einige der 23 Arten der Gattung Cinchona als gefährdet oder bedroht ein.

Moderne Ersatzstoffe, so gut wie das Heilmittel aus der Natur?

Pharmaunternehmen haben inzwischen künstliche Produkte als Ersatz für das natürliche Heilmittel entwickelt. Allerdings sind in einigen Regionen der Welt die Parasiten resistent gegen die modernen Wirkstoffe geworden, so dass die Verwendung des natürlichen Chinins wieder an Bedeutung gewinnt. Nicht nur gegen Malaria birgt der Chinarindenbaum ein wirkungsvolles Heilmittel. Mit Chinidin, einem weiteren Stoff, der in der Rinde entdeckt wurde, behandelt man heute Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Das bitter schmeckende Chinin wird auch Getränken wie Bitter Lemon oder Tonic Water zugesetzt.

Der bescheidene Baum – der auch der Nationalbaum Ecuadors ist – hat viele Millionen Leben gerettet und im Verlauf seiner Geschichte etliche Pharmaunternehmen und ihre Besitzer reich gemacht. Sicher sind unzählige weitere Heilpflanzen im Bergnebelwald heimisch, einem der weltweit am wenigsten erforschten und am meisten bedrohten Landökosysteme.

Oktober 2015 - Carlos Zorrilla, der Direktor der Naturschutzorganisation DECOIN in unserer Projektregion Intag, ist besorgt über das Artensterben

Schwere Zeiten für den Artenschutz

Es ist leicht zu verstehen, dass die Menschen in diesen Tagen die Krise um den Erhalt der biologischen Vielfalt vergessen. Zu viele andere Themen und Krisen beschäftigen uns: Der Irrsinn des Islamischen Staats, tragische Flüchtlingskrisen, die Aggressionspolitik im Nahen Osten, der wirtschaftliche Kollaps in Griechenland… Abgesehen von lokalen Umweltthemen scheint sich unser Augenmerk auf die sterbenden Ozeane und den Klimawandel zu beschränken. Dies gaukelt uns vor, dass sie die einzigen Themen sind, die für Lebewesen auf unserem Planeten relevant sind. Die Artenvielfalt findet kaum Beachtung. Doch das Problem ist so groß, dass manche Experten davon sprechen, dass wir ein neues Zeitalter der Menschheitsgeschichte eingeläutet haben: das Anthropozän.

Beginn eines neuen Zeitalters?

Das Anthropozän ist definiert als jene erdgeschichtliche Epoche, in welcher der Mensch zum dauerhaften Nachteil in die Geschicke und Regulierungssysteme der Natur eingreift. Der enorme Verlust an biologischer Vielfalt unter dem Einfluss des Menschen ist eines der Hauptmerkmale des Anthropozäns und wird als „Sechstes Massensterben“ bezeichnet. Und all dies passiert unter dem Einfluss des denkenden, des weisen Menschen, Homo sapiens – einer der Widersprüche unserer Zeit!

Der Verlust unzähliger Arten, deren Entwicklung Millionen Jahre in Anspruch genommen hat, ist nicht nur unvorstellbar tragisch. Das Artensterben schwächt auch die Widerstandsfähigkeit unseres Planeten, schwächt dessen Kraft, die Angriffe des Menschen abzuwehren. Vergegenwärtigen Sie sich, wie sehr der Waldschwund den Klimawandel vorantreibt. Die Vielfalt ist nicht zufällig entstanden. Erstens ist sie auf der Erde Grundlage für die Schaffung und den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts. Die Diversität ist nicht nur wichtig für die Herausbildung neuer Arten, sondern sie erlaubt es ihnen auch, sich weiterzuentwickeln und erfolgreich zu vermehren. Um es kurz zu sagen: Uns Menschen gibt es nur, weil unser Planet eine solch große Artenvielfalt aufweist!

Artenvielfalt und Politik in Ecuador

Und was hat das alles mit der Intag-Region zu tun? Jede Menge. Entsprechend einer 2014 durchgeführten Gemeinschaftsstudie verschiedener Organisationen steht das Land Ecuador auf der Liste der Länder mit dem größten Artenschwund an erster Stelle – obwohl die Fläche Ecuadors gerade mal 0,18 Prozent der Landmasse weltweit ausmacht! Von den 21.386 Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind, finden sich 2.301 in Ecuador – doppelt so viele wie in Brasilien. Einer der Gründe hierfür ist, dass Ecuador eine herausragend hohe Vielfalt pro Flächeneinheit aufweist. Wer hier einen Wald rodet, vernichtet also pro Hektar mehr Arten als in Brasilien oder Deutschland. Mitschuld am großen Artensterben ist die Kurzsichtigkeit der Regierungspolitik. Ein Beispiel dafür ist das Interesse der ecuadorianischen Regierung, großflächigen Bergbau voranzutreiben – ohne Rücksicht auf den Naturschutz und die Bedrohung der Artenvielfalt. Die Wälder im Intag gehören zu den biologischen Juwelen, in denen mehr Arten Gefahr laufen zu verschwinden als in manch einem ganzen Land. Die wenigen verbleibenden Wälder im Nordwesten Ecuadors - wozu Intag gehört - sind Teil des Gebiets „Tropische Anden“. Es handelt sich dabei um denjenigen der 36 biologischen Hotspots weltweit, der die höchste biologische Vielfalt aufweist. In nie abgeholzten Bergnebelwäldern – so genannten Primärwäldern – leben Dutzende von seltenen Pflanzen und Tieren. Und genau hier plant die Regierung des Landes großflächigen Kupfertagebau!

Gefährdung der biologischen Vielfalt im Intag

Zu den in Intag bedrohten Säugetieren zählen Jaguar, Brillenbär und Ozelot; auch der vom Aussterben bedrohte Braunkopfklammeraffe findet sich auf dieser entsetzlich langen Liste wieder. Verschiedene Vogelarten sind ebenfalls gefährdet, darunter der „Chocó Vireo“ (lateinischer Name: Vireo masteri), der erst 1996 beschrieben worden ist. Ein berühmter Kolibri, das Schwarzbrust-Schneehöschen (Eriocnemis nigrivestis), kommt nur in zwei kleinen Nebelwaldflecken vor – einer davon liegt im Intag-Gebiet. Auf der „Rote Liste gefährdeter Arten“ finden sich zudem mehrere Baumarten, etwa der Ameisenbaum Cecropia maxima und der Chinarindenbaum.

Hinsichtlich der Zahl der gefährdeten Amphibien (Lurche) gibt es zu wenige wissenschaftliche Untersuchungen, um die Gefährdung zu beziffern. Doch nur ein paar Kilometer entfernt von dem anvisierten Bergbauzentrum Junín haben Amphibienforscher kürzlich den Tandayapa-Frosch wiederentdeckt, eine Art, von der man angenommen hatte, sie sei ausgestorben. Im Jahr 2012 wurde an anderer Stelle im Bergnebelwald der Intag-Region der spektakuläre Prince Charles Frosch entdeckt und als neue Art beschrieben. In einem Bergnebelwaldgebiet ganz in der Nähe, wurde 2013 der Olinguito, ein Kleinbär, entdeckt – das erste zu den Fleischfressern zählende Tier, das seit fast 40 Jahren neu beschrieben worden ist!

Höchste Zeit aktiv zu werden!

Uns ist klar, dass die Abholzung von Wäldern massenhaftes Artensterben in Gang setzt. Ebenso ist uns ist die Rolle der Artenvielfalt für die Bewahrung eines gesunden Planeten bewusst. Wenn wir also unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen möchten und das Überleben an sich garantieren möchten, muss sich unsere Generation gegen die Politik der Regierung stellen – und wir dürfen in dieser Hinsicht kein bisschen Zeit verlieren!

November 2015 - Carlos Zorrilla, Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über den Zusammenhang zwischen tropischen Regenwäldern und Klimawandel

Tropenwälder sind Kohlenstoffspeicher

So viel vorweg: Wer versucht, die Rolle der Tropenwälder für den Klimawandel umfassend zu ergründen, der muss darauf gefasst sein, frustriert aufzugeben. Fest steht allerdings: die jüngsten Daten der NASA bestätigen, dass die Tropenwälder tatsächlich enorme „Kohlenstoffspeicher“ sind, also Kohlenstoff auf der Erde binden. Für viele Klimaforscher liegt die Bedeutung der Wälder für das Klima darin, dass sie Milliarden Tonnen Kohlenstoff in der Vegetation speichern. Im Allgemeinen speichern die Wälder der feucht-gemäßigten Regionen, etwa in Kanada, pro Hektar mehr Kohlenstoff als tropischer Regenwald. Dennoch sind die Zahlen beeindruckend: “Die untersuchten tropischen Länder speichern 247 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Zum Vergleich: Zehn Milliarden Tonnen Kohlenstoff werden jährlich durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen und veränderte Landnutzung in die Atmosphäre entlassen“. Die Wälder Mittel- und Südamerikas spielen im globalen Kohlenstoffkreislauf eine große Rolle: Sie speichern 49 Prozent des gesamten Kohlenstoffs tropischer Wälder weltweit.

Wo genau speichern Wälder Kohlenstoff?

Wie alle grünen Pflanzen, nehmen die Bäume in den Tropen tagsüber bei der Photosynthese Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid aus der Luft auf und geben Sauerstoff ab. Nachts produzieren die Bäume auch Kohlendioxid und geben es ab, aber in geringerem Umfang als sie das Gas bei der Photosynthese aufnehmen. Den Anteil, den die Bäume nicht in die Luft abgeben, speichern sie; es ist dieser Anteil, der es ihnen erlaubt zu wachsen. In den Tropen wird etwa die Hälfte des Kohlendioxids über und auf dem Boden gespeichert – in Stamm, Ästen und Blättern sowie in verrottendem Material und Totholz; die andere Hälfte wird im Boden selbst eingelagert, der aus zersetztem Pflanzenmaterial, aus Humus, besteht.

Was passiert, wenn Wälder verschwinden?

Wenn die Tropenwälder abgeholzt oder stark geschädigt werden, können sie künftig gar keinen Kohlenstoff mehr, oder weniger davon, binden. Schlimmstenfalls, wenn die Waldflächen abgebrannt werden oder die Baumstämme auf dem Boden zurückgelassen werden und dort verrotten, gelangen hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid zurück in die Atmosphäre und verschlimmern das Klimadebakel, das wir gerade erleben.

Je nachdem welcher Quelle man Glauben schenkt, machen allein das Abbrennen bzw. die Abholzung tropischer Wälder 10 bis 15 Prozent der Kohlendioxid-Menge aus, die weltweit in die Atmosphäre entlassen wird, und das ist mehr als der Kohlendioxid-Anteil, der durch Transport und Verkehr – ob per Auto, Flugzeug, Zug oder Schiff – frei wird!

In Zusammenhang mit dem Klimawandel ist also leicht zu verstehen, warum der Schutz der Tropenwälder so wichtig ist. Aus diesem Grund leiten die Regierungen einiger Länder Maßnahmen ein, um die Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren, Aufforstungsprogramme werden ins Leben gerufen und Schutzmaßnahmen für die verbleibenden Wälder ergriffen.

Der Wert der Tropenwälder

Der wirkliche Wert der tropischen Regenwälder besteht darin, dass sie einen Großteil der Tier- und Pflanzenarten unseres Planeten beherbergen. Sie sind darüber hinaus Heimat, Garten, sowie Quelle für Nahrung, Baumaterial, Farbstoffe und Medizin für hunderte Millionen Menschen weltweit. Sie schützen Flüsse und Bäche, sind von enormer Bedeutung für den Wasserkreislauf. Ein Zusammenhang zwischen der Artenvielfalt und der Fähigkeit eines Waldes, Kohlenstoff zu speichern, ist nicht gefunden worden. Würde man alle tropischen Wälder weltweit abholzen und die Flächen mit schnell wachsenden Baumarten bepflanzen, so könnten die entstehenden Plantagen vielleicht sogar mehr Kohlenstoff speichern als es die ursprünglichen Wälder heute tun. Doch die biologische Vielfalt ginge in diesem Fall verloren, und welche Auswirkungen das haben würde, weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand.

Wir brauchen ein neues Entwicklungsmodell!

Zweifellos müssen wir den Ausstoß von Kohlendioxid verringern, und zwar drastischer als es bislang vorgeschlagen wird. Wir müssen auch mehr Bäume pflanzen. Doch es reicht nicht, nur diese Lösungen hinsichtlich des Klimawandels zu diskutieren. Unendlich schwieriger als Bäume zu pflanzen oder den Kohlebergbau zu stoppen ist es, unseren eigenen zerstörerischen Lebensstil zu verändern, der so sehr von fossilen Brennstoffen und anderen nicht-erneuerbaren Ressourcen abhängt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Viele sehen den Wechsel zu Elektroautos als eine effektive Maßnahme den Klimawandel zu stoppen. Doch für die Herstellung von mit elektrischem Strom betriebenen Fahrzeugen benötigt man drei Mal so viel Kupfer wie für konventionelle Autos! Hinzu kommen weitere Probleme: Woher kommen die Minerale, die zur Speicherung von Energie benötigt werden? Wie soll der hohe Metallverbrauch für die Produktion von Windrädern gedeckt werden? Ein wachsender Teil dieser Erze stammt aus tropischen Waldgebieten – sie müssten gerodet werden, verschwinden, um den Erzabbau zu ermöglichen. Deswegen macht es nicht wirklich Sinn, auf Elektroautos umzusteigen. Deutlich mehr Sinn macht es, den Betrieb von Privatfahrzeugen einzuschränken und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr zu fördern! Und sollte auf der Klimakonferenz in Paris nicht über eine Abkehr von dem jetzigen Wachstumsmodell nachgedacht werden, dann würden all die kleinen vorgeschlagenen Veränderungen den Leuten vorgaukeln, wir hätten den Klimawandel im Griff. Nichts ist weiter entfernt von der Wahrheit.

Dezember 2015 - Carlos Zorrilla, Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, blickt auf das Projektjahr 2015 zurück

Elf Jahre erfolgreiche Kooperation

Dieses Jahr 2015 ist das elfte Jahr der Langzeitkooperation zwischen LichtBlick, „GEO schützt den Regenwald e.V.“ und DECOIN. Eine Kooperation, die eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben hat für den Schutz einiger der artenreichsten Wälder der Erde. Die bisher bereits vollständig abgewickelten Waldkäufe belaufen sich inzwischen auf 6.007 Hektar – ein wirklich großartiges Ergebnis für eine Waldschutzinitiative! Einige weitere Besitzer von Waldflächen sind in jüngster Zeit an DECOIN herangetreten, haben ihr Interesse bekundet diese Flächen zu Schutzzwecken an die lokalen Gemeinden oder Bezirksregierungen zu verkaufen. Dabei zeigen die Mitglieder der Bezirksregierung Cuellaje besonders großes Interesse daran, ihre vorhandenen Schutzwaldflächen zu erweitern, und das motiviert uns zusätzlich für diese Arbeit.

Wälder unter dem Schutz von Gemeinden

Rund 90 Prozent der neuen „Gemeindeschutzwälder“ sind nun in Besitz der vier Intag-Bezirke Cuellaje, Apuela, Peñaherrera und García Moreno; der Hauptvorteil liegt darin, dass in diesem Fall die Gemeinden keine Steuern für die Flächen bezahlen müssen. Doch in Wirklichkeit sind es die Gemeinden, die die Verantwortung übernehmen die Wälder zu bewahren. Sie sind es auch, die am meisten von deren Existenz profitieren – schließlich dienen die Wälder als Refugium für Tiere und Pflanzen, zur Sicherung der lokalen Trinkwasserversorgung und für Naturtourismus. Das Fällen von Bäumen, Sammeln von Waldprodukten, Beweiden durch Vieh sind dagegen dauerhaft verboten, gleiches gilt auch für Jagd, Fischfang und für den Bau von Straßen oder Gebäuden. Ein Teil der gekauften Waldflächen grenzt zudem an das Cotacachi-Cayapas Naturreservat, bildet eine „Pufferzone“ zu Siedlungen und Agrarflächen. Dieses Naturreservat ist von großer Bedeutung: Laut einer 2014 veröffentlichten Studie landete es auf Platz 161 der biologisch unersetzbaren Gebiete – ausgewählt unter insgesamt 171.461 Schutzgebieten!

Umweltbildung auf dem Vormarsch

Vor einigen Jahren machten sich amerikanische Studenten, die die Intag-Region besuchten, ein Sprichwort zu Eigen: “Am Ende bewahren wir nur das, was wir lieben; wir lieben nur das, was wir kennen; und wir kennen nur das, was man uns beigebracht hat.” Das ist auch so eine Art Leitgedanke bei unserer wichtigen Arbeit im LichtBlick-Projekt, Menschen den Regenwaldschutz nahe zu bringen. Wenn die Menschen, die um Schutzgebiete herum leben, nicht wissen, warum diese Gebiete geschützt werden müssen, fehlt jegliche Garantie, dass der Schutz gewahrt bleibt. In diesem Jahr haben wir unsere Umweltbildungsaktivitäten erweitert; wir erreichen damit jetzt 255 Schulkinder an acht Grundschulen und 202 Schüler einer Oberschule. Diese Arbeit beinhaltet auch die Gelegenheit, ein Waldgebiet kennenzulernen – viele Schüler und Lehrer haben es bis dahin oft nur aus Entfernung gesehen! Einige sehen bei ihrem Besuch des Gemeindewalds zum ersten Mal, wo ihr Trinkwasser herkommt. Mit Unterstützung von LichtBlick ist es uns auch geglückt, das Programm mit dem lokalen Sender „Radio Intag“ auszubauen. Wir konnten mehrere Stunden Sendezeit kaufen, um Umweltbotschaften an die Bevölkerung der Intag-Region auszustrahlen. Der umweltbezogene Unterricht an den Schulen ist erbärmlich, über die Wälder im Intag gibt es so gut wie keine Informationen. Unser Programm ist sehr wichtig, denn es hilft, die Projekterfolge dauerhaft zu erhalten.

Ausblick

Das Interesse der hiesigen Gemeinden und Bezirke an diesem Kooperationsprojekt ist ungebrochen. Das ist leicht zu verstehen, wenn man bedenkt, wie wichtig etwa die Trinkwasserversorgung für die Menschen ist oder die Möglichkeiten, die der Nebelwald für Naturtourismus bietet. Trotzdem war die Arbeit in 2015 nicht leicht. Das liegt an diversen Änderungen hinsichtlich der Bodenbesitzstruktur und neuen Verwaltungsvorgaben bei der Übertragung von Landbesitz auf lokale Regierungen. Wir hoffen daher, dass die Kreisregierung noch in diesem Jahr einige Erlasse auf den Weg bringt, die es uns ein wenig leichter machen werden, die großartigen Wälder dieser Region zu bewahren.

Vielen Dank für Ihre anhaltende Unterstützung für unsere Arbeit!

Ich wünsche Ihnen eine gute, besinnliche Zeit zum Jahreswechsel.


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