GEO schützt den Regenwald e.V.

Indien Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

„GEO schützt den Regenwald“ und die Karl Kübel Stiftung schaffen in der Randzone eines Schutzgebiets die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier

Über die Region

Assam gehört zu jenen isoliert gelegenen Bundesstaaten im Nordosten Indiens, die nur durch einen schmalen Korridor mit dem Rest des Landes verbunden sind. Im Nordwesten grenzt Assam an Bhutan, im Westen und Süden besitzt es zwei Grenzabschnitte zu Bangladesch. Mit 78.500 Quadratkilometer Fläche ist der Bundesstaat Assam so groß wie Tschechien, hat allerdings mehr als drei Mal so viele Einwohner: 31 Millionen. Der Großteil Assams gehört zum Einzugsgebiet des Brahmaputra. Der mächtige Fluss entspringt in Tibet und tritt nach Durchquerung des Himalaya-Gebirges in die Flussebene in Assam ein.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Lage des Nationalparks Manas im Norden von Assam

Hintergrund des Projekts

Der 500 Quadratkilometer große Nationalpark Manas liegt am Fuß des Himalaya-Gebirges. Zusammen mit dem Manas-Wildreservat und den angrenzenden bhutanischen Nationalparks Royal-Manas und Jigme-Singye-Wangchuck ist er Teil einer Schutzfläche von rund 5.000 Quadratkilometern. Der Nationalpark Manas ist Rückzugsgebiet für zahlreiche bedrohte Säugetierarten - darunter Zwergwildschwein, Borstenkaninchen, Goldlangur und Panzernashorn - und der Vielfalt an Habitaten seit 1985 UNESCO-Weltnaturerbe. Der Park bietet auch Lebensraum für zahlreiche große Raubtiere, beherbergt zum Beispiel eine der größten Königstiger-Populationen Indiens.

 

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Kappenlanguren sind tagaktive Baumbewohner, deren Lebensraum durch Waldrodung stark gefährdet ist

Zwischen 1988 und 1996 wurden Bewohner und Park Opfer politischer Unruhen in Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitskampf der Volksgruppe Bodo. 2003 bekam das „Bodoland“ Teilautonomie, 2005 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Die politischen Unruhen wirkten sich verheerend auf die Zahl der Wildtiere aus: Das Gebiet verlor fast alle seine Nashörner, viele Barasinghas (Zackenhirsche) und wilde Wasserbüffel sowie eine große Anzahl Elefanten und Tiger. Von 1992 bis 2011 stand der Park auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Seither gehen Wiederaufbau und Stabilisierung der Tierpopulationen langsam voran, so wurden 61 Königstiger im Jahr 2006 gezählt.

Das dicht besiedelte Projektgebiet ist selbst im Vergleich zu anderen Regionen des bitterarmen Bundesstaates Assam sehr schlecht entwickelt. Die Menschen leben überwiegend als Kleinbauern, "von der Hand in den Mund". Staatliche Infrastruktur und Dienstleistungen etwa im Bereich Gesundheitsversorgung, entsprechen bei weitem nicht den Notwendigkeiten. Eine kommunale Selbstverwaltung („Panchayat-System“) gibt es hier nicht. Die Gegend ist nur durch wenige schlechte Nebenstraßen erschlossen.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Lage der acht Projektsiedlungen südlich des Nationalparks Manas

Landwirtschaftliche Beratungs- und Veterinärdienste fehlen ebenso wie der Zugang zu Produktionsmitteln wie Betriebskapital und Maschinen. Die Produktionsmethoden sind altertümlich, der Marktzugang ist schlecht. Die Voraussetzungen für den Zugang zu staatlichen Entwicklungsprogrammen fehlen. Aufgrund dieser Mängel sind die landwirtschaftlichen Erträge gering.

Noch dazu verursachen insbesondere Wildschweine und Elefanten immer wieder erhebliche Schäden in den Kulturen. Diese beeinträchtigen die Ertragssicherheit und sie verringern auch die Motivation der Kleinbauern, ihre Produktion zu intensivieren. Mechanismen zur Entschädigung für die Wildschäden fehlen, was den Konflikt zwischen Tierschutz und Dorfbewohnern verschärft.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Elefanten im Manas Nationalpark

Dauer

 Juli 2014 bis Juni 2018 (Verlängerung)

Ziele

Die Verbesserung der Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung von acht Dörfern in der Randzone des Nationalparks Manas trägt langfristig zu deren Schutz bei.

  • Aufbau von Selbsthilfestrukturen
  • Verbesserung der Einkommensgrundlage von 1.160 mittellosen Familien aus acht Dörfern an der Grenze zum Nationalpark Manas durch nachhaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion
  • Verringerung von Wildschäden

Das Projekt soll dazu beigetragen, eine höhere Akzeptanz der Bewohner in der Park-Randzone für den Schutz der einzigartigen Artenvielfalt im UNESCO Weltnaturerbe Manas zu schaffen. Es beschränkt sich jedoch nicht auf die Einführung nachhaltiger Produktionsmethoden und die Begrenzung der Konflikte zwischen lokaler Bevölkerung und Wildtieren. Wichtig ist insbesondere die Unterstützung beim Aufbau von Organisationen, die den Zugang zu staatlichen Förderprogrammen für Tiger-Reservate ermöglichen.

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Grasebene mit jungen Bäumen

Aktivitäten

Aufbau von Selbsthilfegruppen

Insgesamt sind 50 Strukturen zur Selbsthilfe geplant: Acht so genannte Eco Development Committees, zwölf Bauerngruppen, fünf lokale Naturschutzgruppen und 25 Frauen-Selbsthilfegruppen. Die Gruppen werden den Zugang zu staatlichen Leistungen verbessern und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte erleichtern. In diesem Zusammenhang sind der Aufbau von „Eco Development Committees“ und die Ausarbeitung von „Micro Plans“ besonders wichtig, damit die Bevölkerung Zugang zu den von der indischen Regierung bereitgestellten „Tiger-Reservate-Mitteln“ erhält.

Anwendung nachhaltiger Produktionsmethoden

Die Bauern werden in verschiedenen landwirtschaftlichen Methoden geschult, die weniger anfällig gegen Wildschäden sind, etwa Imkerei, Produktion von Speisepilzen und Futteranbau. Daneben werden sie etwa durch Saat- und Pflanzgut und den Bau von fünf Lagerräumen zur besseren Vermarktung der Produkte unterstützt.

Verringerung von Wildschäden

Zur Bewachung der Felder vor allem gegen Elefanten werden 14 Türme gebaut. Zwei Machbarkeitsstudien werden erstellt (i) zur Identifizierung wirksamer Maßnahmen zum Schutz der Felder vor durch Wildschweine verursachte Schäden und (ii) zu einer gemeindebasierten Versicherung gegen Flurschäden durch Wild. Zudem werden gemeinsam mit den Betroffenen verschiedene Schutzmaßnahmen getestet.

Fortschritte

In der zweiten Jahreshälfte 2014 führen die lokalen Mitarbeiter des ATREE-Projektteams in allen acht Dörfern Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durch, um die Ziele und Aktivitäten des neuen Vorhabens vorzustellen. Das Konzept und Fragebögen für die Datenerhebung werden erstellt und in zwei Dörfern getestet; die Daten sollen als Vergleichsbasis für die spätere Projektevaluierung dienen. Eine gewisse „Umfragemüdigkeit“ geht auf vorangegangene Studien zurück, auf die keine Projekte folgten. Daher muss das ATREE-Team zunächst Vertrauen aufbauen und interessierte Dorfbewohner als Befrager mobilisieren.

Im Dorf Katajhar formiert sich eine erste, zwölfköpfige Frauen-Selbsthilfegruppe (SHG). Sie soll Einkommen schaffende Aktivitäten mit Anschubfinanzierung durch staatliche Programme initiieren und klassische Selbsthilfegruppen-Aktivitäten durchführen wie Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung über Frauen-, Kinder- und Bürgerrechte. In Kooperation mit der Agrarbehörde werden zwei Gruppen, in denen 46 Kleinbauern organisiert sind, gegründet, die die landwirtschaftlichen Maßnahmen des Projekts umsetzen sollen. In zwei Dörfern finden Informationsveranstaltungen zu nachhaltiger Landwirtschaft mit mehr als 100 Teilnehmern statt. Gemeinsam mit der Parkverwaltung und anderen NRO führt der lokale Projektträger eine 4-tägige Schulung für künftige Naturführer durch. Fünf junge Erwachsene aus dem Projektgebiet nehmen daran teil. Im Rahmen der „Nationalen Wildschutzwoche 2014“ findet ein Malwettbewerb für 130 Schüler statt. Parallel hierzu informiert das Projektteam die Teilnehmer über die Bedeutung von Schutz und Bewahrung des Manas Nationalparks.

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Teilnehmerinnen der Frauen-Selbsthilfegruppe in Katajhar, Mai 2015

Im Jahr 2015 werden fast alle geplanten Maßnahmen umgesetzt und Ziele erreicht. Nur die Erarbeitung der Dorfentwicklungspläne ist verzögert, da diese vom Direktor des Manas NP mitbestimmt werden, dessen Stelle jedoch über Monate vakant ist. Erstmalig finden 2015 Aktivitäten zur Intensivierung des Reisanbaus (System of Rice Intensification: SRI) und Mischfruchtanbau statt. Zwei Bauerngruppen und eine Frauen-SHG legen sechs Demonstrationsflächen für verbesserten Reisanbau von insgesamt zwei Hektar an. Wildtiere, darunter Elefanten, Wildschweine und Vögel, schädigen daraufhin die neu angelegten Flächen; eine von ihnen wird durch Wildschweine sogar vollständig zerstört. Dies verdeutlicht, wie dringlich nachhaltige Lösungen für Wildschäden gefunden werden müssen. Drei Wachtürme werden fertiggestellt, ein vierter ist im Bau; von jedem kann ein Gebiet von rund 100 Hektar überwacht werden. In zwei Dörfern beginnen erste Versuche „neuer“ Agraraktivitäten, die weniger von Wildschäden bedroht sind; es finden Schulungen für den Anbau von Pilzen, Zitrusplantagen und Imkerei statt. Zitronenbäume sind schnellwachsend und werden von Wildtieren gemieden. Mehr als 4000 Zitrussetzlinge werden verteilt und auf einer knapp sieben Hektar großen Fläche gepflanzt; die Überlebensrate liegt bei mehr als 90 Prozent. Weitere 3300 Bäume werden für die Nutzung als „Futter-Baum“ gepflanzt. Mit Projektmitteln wird auch der Mischanbau von Kürbissen, Ingwer und Bohnen unterstützt. 25 Interessierte nehmen an einer 2-wöchigen Imkereischulung teil, erhalten danach eine Erstausstattung – Bienenkasten und Schutzausrüstung – und beginnen mit der Imkerei. Zur Verbesserung von Tierhaltung und –gesundheit führt ATREE Schulungen zur Haltung von Milchkühen, Schweinen und Hühnern mit 25 Teilnehmern aus allen acht Dörfern durch.

Unsere Partner

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Implementiert wird das Projekt durch den „Ashoka Trust for Research in Ecology and Environment” (ATREE). Diese 1996 gegründete gemeinnützige Stiftung fördert sozial gerechten Naturschutz und nachhaltige Entwicklung durch Generierung und Verbreitung von Wissen sowie den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik. Das Regionalbüro in Gangtok, Sikim, ist für die Projekte in Nordostindien zuständig. Die umfangreichen Aktivitäten zur Umsetzung von Forschungsergebnissen in Projekte zum Naturschutz und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, die in Biodiversitäts-Hotspots leben, sind ein wichtiges Betätigungsfeld von ATREE. Laut einer Studie der University of Pennsylvania über die wichtigsten Think Tanks für Naturschutz und Entwicklung belegt ATREE in Asien Platz eins und weltweit Platz 19.

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„GEO schützt den Regenwald e.V.“ arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS) zusammen. Die KKS ist eine Stiftung mit Sitz in Bensheim, Hessen; sie wurde 1972 durch den Unternehmer Karl Kübel gegründet. Die Stiftung leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit, setzt sich für benachteiligte Familien ein und bietet flexible Hilfe in Notsituationen.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

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Mehr über die Partnerorganisationen

Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ist eine Stiftung mit Sitz in Bensheim (Hessen). Sie wurde 1972 durch den Unternehmer Karl Kübel gegründet und leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit, setzt sich für benachteiligte Familien ein und bietet flexible Hilfe in Notsituationen.

ATREE is a research institution in the areas of biodiversity conservation and sustainable development. We focus on applied science through research, education and action that influence policy and practice on conservation of nature, management of natural resources, and sustainable development.

Letzte Aktualisierung: Mai 2016