GEO schützt den Regenwald e.V.

Indien Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

„GEO schützt den Regenwald“ und die Karl Kübel Stiftung schaffen in der Randzone eines Schutzgebiets die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier

Über die Region

Assam gehört zu jenen isoliert gelegenen Bundesstaaten im Nordosten Indiens, die nur durch einen schmalen Korridor mit dem Rest des Landes verbunden sind. Im Nordwesten grenzt Assam an Bhutan, im Westen und Süden besitzt es zwei Grenzabschnitte mit Bangladesch. Mit 78.500 Quadratkilometer Fläche ist der Bundesstaat Assam so groß wie Tschechien, hat allerdings mehr als drei Mal so viele Einwohner: 31 Millionen. Der Großteil Assams gehört zum Einzugsgebiet des Brahmaputra - ein mächtiger Fluss, der in Tibet entspringt und nach Durchquerung des Himalaya-Gebirges in die Flussebene in Assam eintritt.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Lage des Manas Nationalparks und des Manas-Tiger-Reservats (grün) im Norden von Assam, an der Grenze zu Bhutan

Hintergrund des Projekts

Der 500 Quadratkilometer große Manas Nationalpark liegt am Fuß des Himalaya-Gebirges. Zusammen mit dem Manas-Wildreservat und den angrenzenden bhutanischen Nationalparks Royal-Manas und Jigme-Singye-Wangchuck ist er Teil einer Schutzfläche von rund 5.000 Quadratkilometern. Der Manas Nationalpark ist Rückzugsgebiet für zahlreiche bedrohte Säugetierarten - darunter Zwergwildschwein, Borstenkaninchen, Goldlangur und Panzernashorn - und auch aufgrund der Vielfalt an Habitaten seit 1985 UNESCO-Weltnaturerbe. Der Park bietet auch Lebensraum für zahlreiche große Raubtiere, beherbergt zum Beispiel eine der größten Königstiger-Populationen Indiens.

 

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Kappenlanguren sind tagaktive Baumbewohner, deren Lebensraum durch Waldrodung stark gefährdet ist

Zwischen 1988 und 1996 wurden die Bewohner und der Park Opfer politischer Unruhen in Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitskampf der Volksgruppe Bodo. 2003 bekam das „Bodoland“ Teilautonomie, 2005 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Die politischen Unruhen wirkten sich verheerend auf die Zahl der Wildtiere aus: Das Gebiet verlor fast alle seine Nashörner, viele Barasinghas (Zackenhirsche) und wilde Wasserbüffel sowie eine große Anzahl Elefanten und Tiger. Von 1992 bis 2011 stand der Park daher auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Seither gehen Wiederaufbau und Stabilisierung der Tierpopulationen langsam voran; im Jahr 2006 wurden so 61 Königstiger gezählt.

Das dicht besiedelte Projektgebiet ist selbst im Vergleich zu anderen Regionen des bitterarmen Bundesstaates Assam sehr schlecht entwickelt. Die Menschen leben als Kleinbauern überwiegend "von der Hand in den Mund". Staatliche Infrastruktur und Dienstleistungen, etwa im Bereich Gesundheitsversorgung, entsprechen bei weitem nicht den Notwendigkeiten. Eine kommunale Selbstverwaltung („Panchayat-System“) gibt es hier nicht und die Gegend ist nur durch wenige, schlechte Nebenstraßen erschlossen.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Lage der acht Projektsiedlungen an der Südgrenze des Manas Nationalparks

Landwirtschaftliche Beratungs- und Veterinärdienste fehlen ebenso wie der Zugang zu Produktionsmitteln wie Betriebskapital und Maschinen. Die Produktionsmethoden sind altertümlich, der Marktzugang ist schlecht. Hinzu kommt, dass die Voraussetzungen für den Zugang zu staatlichen Entwicklungsprogrammen fehlen. Aufgrund dieser Mängel sind die landwirtschaftlichen Erträge gering.

Noch dazu verursachen insbesondere Wildschweine und Elefanten immer wieder erhebliche Schäden in den Kulturen. Diese beeinträchtigen die Ertragssicherheit und sie verringern auch die Motivation der Kleinbauern, ihre Produktion zu intensivieren. Auch Mechanismen zur Entschädigung für die Wildschäden fehlen, was den Konflikt zwischen Tierschutz und Dorfbewohnern verschärft.

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Elefanten in der Randzone des Manas Nationalparks 

Dauer

 Juli 2014 bis Juni 2018 (Verlängerung)

Ziele

Verbesserung der Lebensbedingungen von rund 1.160 mittellosen Familien in acht Dörfern sowie Minderung der Konflikte zwischen Mensch und Tier in der Randzone des Nationalparks Manas

Das Projekt soll bei Bewohner/innen der Randzone des Nationalparks eine höhere Akzeptanz für den Schutz der einzigartigen Artenvielfalt im UNESCO Weltnaturerbe Manas schaffen. Das Vorhaben umfasst neben der Einführung nachhaltiger Produktionsmethoden und Minderung der Konflikte zwischen lokaler Bevölkerung und Wildtieren insbesondere die Unterstützung beim Aufbau von Organisationen, die den Menschen Zugang zu den staatlichen Förderprogrammen für Tiger-Reservate ermöglichen.

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Landschaft in der Randzone des Manas Nationalparks

Aktivitäten

Aufbau und Stärkung von Selbsthilfegruppen

Insgesamt sieht das Projekt 50 Strukturen zur Selbsthilfe vor:

  • 8   so genannte Eco Development Committees, eines je Dorf
  • 12 Bauerngruppen
  • 25 Frauen-Selbsthilfegruppen
  • 5   lokale Naturschutzgruppen

Diese Gruppen sollen den Zugang zu staatlichen Leistungen verbessern, die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte erleichtern, Bewusstseinsförderung und Umweltbildung in den Dörfern sowie die Vernetzung untereinander und mit staatlichen Stellen fördern. Der Aufbau der acht „Eco Development Committees“ ist dabei von besonderer Bedeutung, denn sie sollen eine Art „Fahrplan“ für die nachhaltige Entwicklung der Dörfer („microplans“) erarbeiten und umsetzen und den Dörfern Zugang zu staatlichen Hilfsprogrammen ermöglichen.

Einführung nachhaltiger Produktionsmethoden und Erhöhung des Einkommens

Die Kleinbauern werden in verschiedenen landwirtschaftlichen Methoden geschult, die weniger anfällig gegen Wildschäden sind, darunter Imkerei und Produktion von Speisepilzen. Daneben werden sie durch Schulungen – zu Mischfrucht- und Futteranbau, zur Einführung der SRI-Reisanbaumethode, Tierhaltung und -gesundheit u.a. – durch Frucht- und Futterbaum-Setzlinge und Bereitstellung von Saatgut für Küchengärten, sowie bei der Lagerung und Vermarktung ihrer Produkte unterstützt.

Verringerung von Wildschäden

Zur Bewachung der Felder ist der Bau von 14 Wachtürmen vorgesehen. Zwei Machbarkeits-studien werden erstellt (i) zur Identifizierung wirksamer Maßnahmen zum Schutz der Felder vor Schäden, die durch Wildschweine verursacht werden und (ii) zu einer gemeindebasierten Versicherung gegen Flurschäden durch Wild. Darüber hinaus werden gemeinsam mit den Betroffenen alternative Schutzmaßnahmen getestet.

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Die Dorfentwicklungspläne werden von den Bewohner/innen der Dörfer in einem partizipativen Prozess erarbeitet

Fortschritte

2014
Die Projektmitarbeiter des lokalen Partners ATREE führen in den acht Dörfern Veranstaltungen durch, um die Bevölkerung mit den Zielen und Aktivitäten des Neuvorhabens vertraut zu machen. Das Konzept und Fragebögen für die Datenerhebung werden erstellt und in zwei Dörfern getestet; die Daten sollen als Vergleichsbasis für die spätere Projektevaluierung dienen. Die beobachtete „Umfragemüdigkeit“ geht auf vorangegangene Studien zurück, auf die keine Projekte folgten. Daher muss das ATREE-Team viel Zeit aufwenden, um Vertrauen aufzubauen. Im Dorf Katajhar formiert sich eine erste, 12-köpfige Frauen-Selbsthilfegruppe (SHG). Sie wird Einkommen schaffende Aktivitäten mit Anschubfinanzierung durch staatliche Programme initiieren und etwa zur Bewusstseinsbildung über Frauen-, Kinder- und Bürgerrechte beitragen. In Kooperation mit der Agrarbehörde werden zwei Gruppen, in denen 46 Kleinbauern organisiert sind, gegründet; sie sollen von den Agrar-Maßnahmen des Projekts profitieren. In zwei Dörfern finden Veranstaltungen über nachhaltige Landwirtschaft mit mehr als 100 Teilnehmern statt. Gemeinsam mit der Parkverwaltung und anderen NROs führt ATREE auch eine viertägige Schulung für künftige Naturführer durch; fünf junge Erwachsene aus dem Projektgebiet nehmen daran teil. Im Rahmen der „Nationalen Wildschutzwoche 2014“ informiert das Projektteam über die Bedeutung von Schutz und Bewahrung des Manas Nationalparks und organisiert einen Malwettbewerb für 130 Schüler.

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Mitglieder der Frauen-Selbsthilfegruppe von Katajhar im Mai 2015

2015
Im zweiten Projektjahr werden fast alle geplanten Maßnahmen umgesetzt und Ziele erreicht. Lediglich die Erarbeitung der Dorfentwicklungspläne verzögert sich, da diese mit dem Direktor des Manas Nationalparks abgestimmt werden müssen; dessen Stelle ist jedoch für Monate vakant. Erstmalig finden Aktivitäten zur Intensivierung des Reisanbaus (System of Rice Intensification, SRI) und Mischfruchtanbau statt. Zwei Bauerngruppen und eine Frauen-SHG legen sechs Demonstrationsflächen für verbesserten Reisanbau von zusammen zwei Hektar an. Wildtiere (Elefanten, Wildschweine und Vögel) schädigen allerdings die neu angelegten Flächen - eine von ihnen wird durch Wildschweine sogar völlig zerstört! Dieser Rückschlag zu Beginn des Projekts verdeutlicht einmal mehr, wie dringend nachhaltige Methoden Wildschäden gefunden werden müssen. Drei stabile Wachtürme mit Stahlbetonkonstruktion werden fertiggestellt, von denen die Bauern rund 100 Hektar Anbauflächen überwachen können. In zwei Dörfern beginnen erste Versuche mit neuen Agraraktivitäten. So finden Schulungen für Pilzzucht, Zitrus-Kulturen und Imkerei statt. Zitronenbäume wachsen nicht nur schnell, sie werden auch von Wildtieren gemieden! Mehr als 4.000 Zitrus-Setzlinge werden verteilt und von interessierten Bauern auf einer sieben Hektar großen Fläche gepflanzt; die Überlebensrate der jungen Bäume liegt bei mehr als 90 Prozent. Zur Versorgung mit Futter für die Nutztiere werden 3.300 Setzlinge von „Futter-Baumarten“ gepflanzt. Daneben wird der Mischfruchtanbau mit Schulungen und Saatgut unterstützt – etwa Mischkulturen von Reis + Linsen oder von Kürbis + Ingwer + Bohnen. 25 Menschen nehmen an einer zweiwöchigen Imkerei-Schulung teil, erhalten eine Erstausstattung (Bienenkästen; Schutzausrüstung) und beginnen mit der Bienenhaltung. In diesem Jahr untersagt das staatliche Veterinäramt die Ausbildung von Paraveterinären, die auch im Projekt unterstützt werden sollte. Zur Verbesserung der Haltung und Gesundheit von Milchkühen, Schweinen und Hühnern führt ATREE stattdessen ein neues Schulungssystem bestehend aus drei Modulen ein; an der ersten Schulung nehmen 25 Teilnehmer/innen aus allen acht Projektdörfern teil.

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Neu errichteter Wachturm zum Schutz vor Ernteschäden durch Wildtiere in Lahoripara

2016
Eine Reihe von äußeren Faktoren erschwert die Umsetzung: Wegen der Abhaltung von Wahlen im Bundesstaat Assam müssen die Aktivitäten für einige Wochen unterbrochen werden. Die ad hoc-Abschaffung der 500- und 1000 Rupien-Scheine durch die indische Regierung führt zu einem Geldengpass bei den Banken; im Projekt vorgesehene Beschaffungen müssen verschoben werden. Wie auch im Vorjahr führen Überschwem-mungen in Folge schwerer Unwetter zu Rückschlägen bei einigen landwirtschaftlichen Aktivitäten, etwa der Überlebensrate von Jungbäumen. Zur Verbesserung der Haltung und Gesundheit von Nutztieren (Schweine, Hühner, Kühe) findet eine Weiterbildung für 16 Teilnehmer mit Grundausbildung statt, die in Zusammenarbeit mit einem Veterinäramt durchgeführt wird. Die acht EDCs vernetzen sich stärker, schließen sich zur „Bansbari EDC Föderation“ zusammen. Somit sind sie in der Lage, ihre Interessen und Verhandlungspositionen gegenüber der Parkverwaltung vereint und stärker zu vertreten. Für das gemeindebasierte Monitoring und Entschädigung von Wildschäden richten die EDCs für die vier am stärksten betroffenen Gemeinden Untergruppen ein, die das Monitoring übernehmen und alle Wildschäden sowie Ernteverluste in einem standardisierten Format in einer Datenbank erfassen. Zusammen mit den Geschädigten informieren diese die Parkverwaltung und machen Forderungen zur Entschädigung geltend. Auf diesem Weg erhalten 57 Familien Entschädigungen für ihre Verluste in Höhe von umgerechnet 3.100 Euro. Außerdem stattet die Parkverwaltung die EDCs mit starken Solar-Taschenlampen aus, die zur Verhinderung weiterer Wildschäden dienen.

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Zitronenbaum-Kultur beim Projektdorf Barengabari

2017
Vertreter von mittlerweile elf Bauerngruppen werden weiter in neuen Anbaumethoden geschult. Die Wurmkompostanlagen sind bei den Kleinbauern sehr nachgefragt; im ersten Quartal produzieren sie 365 kg Kompost, der auf den Feldern eingesetzt wird. Die in den Vorjahren ausgebildeten „Modell-Bauern“ („Master Trainer“) sind aktiv und werden besonders beim intensivierten Reisanbau von den Kleinbauern konsultiert. Zwei weitere SRI-Demonstrationsflächen (4.5 ha) werden angelegt; diese erhöhen den Ertrag an Reis auf 3,2 Tonnen pro Hektar. Damit sind insgesamt 10 Hektar Demonstrationsflächen angelegt, an denen fünf Gruppen aktiv mitarbeiten. Nach verschiedenen Schulungen im Mischfruchtanbau bauen 256 Kleinbauern mit Erfolg verschiedene Mischfruchtkulturen an, so Reis mit Linsen oder Gemüse und Gewürze an. Pilzzucht ist in der Region eine wirtschaftlich interessante Kultur-Option, bei der keine Wildschäden zu befürchten sind. Der Anbau und Verzehr von Speisepilzen war für die Zielgruppe bei Projektbeginn unbekannt. Elf im Vorjahr geschulte Kleinbauern beginnen mit der Pilzzucht und ernten Pilze im Wert von umgerechnet 5 bis 25 Euro. Die meisten Haushalte verfügen mittlerweile über 3 bis 4 Gemüsesorten für den Eigenverbrauch in ihren Küchengärten. In diesem Jahr werden die Bauern insbesondere zum Anbau von Kurkuma beraten. Das Interesse an der Kultur von Zitrus-Bäumen ist ungebremst. Die Bevölkerung pflanzt weitere Setzlinge als Barriere zwischen Reisfeldern und Parkgrenze. Wieder zeigen die Bäume eine hohe Überlebensrate. Die in den Vorjahren gepflanzten Bäume tragen zusammen bereits mehr als 59.000 Früchte! In vier Dörfern wird nach wie vor Bienenhaltung betrieben. Im Juni 2017 sind 29 der 85 ausgesetzten Bienenkästen besetzt. 29 Kilogramm Honig werden produziert – bis zur kommerziellen Imkerei ist es also noch ein weiter Weg.

Zwei weitere Wachtürme werden fertiggestellt; die Bauern können nun 195 Hektar Agrarflächen bewachen. In einem Dorf an der Parkgrenze haben die Bewohner/innen eine 800 Meter lange Christdornhecke gepflanzt, in einem zweiten Dorf werden weitere Stecklinge der Pflanze gezogen. Da Christdorn zu stacheligen, dichten Hecken heranwächst, halten die Pflanzungen Wildschweine und Elefanten davon ab, auf den dahinter liegenden Anbauflächen zu wildern. Im August findet ein Workshop zum Thema "Überwachung und Eindämmung von Schäden durch Wildtiere" statt, organisiert durch die Nationalparkbehörde und ATREE.  Bürger der acht Projektgemeinden, Dorfälteste, Vertreter diverser Behörden, des Nationalparks und zwei NROs diskutieren ein gemeindebasiertes System zur Kompensation von Wildschäden. Gibt es Ernteverluste oder, falls Wildtiere außerhalb des Parks Bewohner/innen verletzen oder gar töten sollten, werden die EDCs die betroffenen Dorfbewohner/innen künftig bei der Beantragung von Entschädigungen unterstützen. So können die Schadensfälle ordnungsgemäß erfasst werden und die Parkbehörde kann Ausgleichszahlungen leisten.

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Nach einem 15-tägigen Training in traditionellen Holzarbeiten zeigen diese acht freiwilligen Naturschützer stolz ihre Handwerkskunst

2018
Das ATREE-Team evaluiert die Ergebnisse der Maßnahmen und erstellt den Abschluss-bericht des Projekts. Bei einigen Aktivitäten bleiben die Erfolge hinter den Erwartungen zurück, so beim Reisanbau nach der SRI-Methode. Obwohl auf den bewirtschafteten SRI-Demonstrationsflächen vor Ort zwei- bis dreimal so hohe Reiserträge (bis 3,2 Tonnen pro Hektar) erzielt werden wie mit der traditionellen Kulturmethode, kommt die neue Anbaumethode nicht über das „Versuchsstadium“ hinaus, denn bei Projektende wenden lediglich fünf Gruppen und neun Einzelbauern die SRI-Methode erfolgreich an – vorgesehen waren 200 Nutzer. Andere Aktivitäten erweisen sich dagegen als sehr erfolgreich, darunter die Pflanzung von Zitronenbäumen. Diese haben eine hohe Überlebensrate (im Mittel: 77%), wachsen schnell, liefern gute Erträge und sind zudem vor Wildverbiss geschützt. Beim mittleren Ertrag von 120 Zitronen pro Baum und 21.321 Zitronenbäumen beträgt die jährliche Gesamteinnahme umgerechnet rund 59.000 Euro. Die in diesem Bereich engagierten 480 Frauen und Kleinbauern erwirtschaften mit Zitronen durchschnittlich Einnahmen von umgerechnet 120 Euro pro Jahr. Von diversen Einkommen schaffenden Maßnahmen, etwa Schulungen zum Naturschutzführer, Holzarbeiten, Catering-Service, profitierten auch Freiwillige des United Forest Conservation Network. Auch die sehr erfolgreiche Arbeit der gegründeten ECDs und die Vernetzung der Gruppen zahlt sich aus: Vor Projektende hat die Manas Forest Development Agency (MFDA) umgerechnet 100.400 Euro Fördermittel zur Unterstützung der Entwicklungspläne für die acht Projektdörfer zugesagt. Viele der Maßnahmen dieser „microplans“ sind bei Projektende bereits umgesetzt.

Die Gesamtbilanz ist positiv. Trotz aller Herausforderungen für die Umsetzung in dem schwierigen politischen und sozio-ökonomischen Umfeld im Randgebiet des Manas Nationalparks werden die Projektmaßnahmen insgesamt als relevant und wirksam bewertet. Der Projektansatz war auf die lokalen Umweltbedingungen und die Situation der Zielgruppe angepasst. Die Einbeziehung der Stammesgemeinschaft der Bodo in die Planung, Umsetzung und Überwachung des Programms hat deren Eigenverantwortung gestärkt und lässt ermutigende Zeichen für die künftige Entwicklung erkennen.

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Tanzvorführung auf der Feier am „Tag des Welterbes“ am 18. April 2018

Bei Abschluss des Vorhabens profitieren die in der Randzone des Manas Nationalparks siedelnden Menschen und der Naturschutz durch

  • Aufbau, Erneuerung, Stärkung und Vernetzung einer Fülle von lokalen Institutionen und Selbsthilfestrukturen, die sicherstellen, dass lokale Initiativen auch nach Projektabschluss von den Institutionen und Selbsthilfegruppen Unterstützung erhalten
  • erfolgreiche Zusammenarbeit mit diversen Regierungsstellen, Ämtern und Finanzdienstleistern, die auf eine dauerhafte Finanzierung der lokalen Organisationen und ausreichenden Zugang zu öffentlicher Förderung hoffen lässt 
  • Einführung von nachhaltigen Produktionsmethoden und gesteigerte Vielfalt bei den landwirtschaftlichen Aktivitäten
    - Einführung des Mischfruchtanbaus durch Schulungen für 334 Bauern
    - Förderung des Gemüse- und Gewürzanbaus in den Küchengärten durch Schulungen und Saatgut für 15 Gruppen und mehr als 400 Einzelbauern
    - Einführung von Wurmkompost
    - Futterbaum-Pflanzungen unterstützen die lokale Viehhaltung und schonen die Ressourcen auf dem Nationalparkgelände
    - 30 Hektar Zitronenbaum-Pflanzungen
  • verbesserte Ernährungssituation in den Familien
  • deutliche Steigerung des Einkommens der Kleinbauern, etwa durch den Verkauf von Zitronen und Gewürzen, sowie Einkommen fördernde Maßnahmen für Mitglieder von Naturschutz-Organisationen 
  • die Einführung von effektiven Maßnahmen zum Schutz der Agrarflächen und Kleinbauern vor Wildtieren      
    - 12 stabile Wachtürme, verteilt über sechs Kilometer Parkgrenze, ermöglichen der Bevölkerung 214 Hektar Agrarflächen zu überwachen, Wildtiere frühzeitig zu sichten und durch Lärm zu verjagen
    - dichte, stachelige Christdorn-Hecken von 800 Meter Länge bieten wirksamen Schutz vor Zerstörung von Agrarflächen durch Wildschweine und Elefanten
  • erfolgreiche Inanspruchnahme staatlicher Ausgleichszahlungen bei Wildtierschäden durch die Betroffenen
  • Ausbleiben von Vergeltungstötungen von Wildtieren durch die Parkanwohner

Unsere Partner

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

Umgesetzt wird das Projekt durch den „Ashoka Trust for Research in Ecology and Environment” (ATREE). Diese 1996 gegründete gemein-nützige Stiftung fördert sozial gerechten Naturschutz und nachhaltige Entwicklung durch Generierung und Verbreitung von Wissen sowie den Aus-tausch zwischen Wissenschaft und Politik. Das Regionalbüro in Gangtok, im Bundesstaat Sikkim, ist für Vorhaben in Nordostindien zuständig. Aktivitäten zur Umsetzung von Forschungsergebnissen in Projekten zum Schutz der Natur und zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen, die in Hotspots der Arten-vielfalt leben, sind ein besonderer Schwerpunkt von ATREE. Laut einer Studie der University of Pennsylvania über bedeutende „Think Tanks“ für Naturschutz und Entwicklung belegt ATREE in Asien Platz 1 und weltweit Platz 19. Weitere Informationen: ATREE

Verbesserung der Lebensbedingungen um den Nationalpark Manas

„GEO schützt den Regenwald e.V.“ arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS) zusammen. Die KKS ist eine Stiftung mit Sitz in Bens-heim, Hessen; sie wurde 1972 durch den Unternehmer Karl Kübel gegründet. Die Stiftung leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit, setzt sich für benachteiligte Familien ein und bietet flexible Hilfe in Notsituationen. Weitere Informationen: Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

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Letzte Aktualisierung: August 2020