GEO schützt den Regenwald e.V.

Anke Sparmann zum Hintergrund des Projekts

Im Juli 2007 geriet Virunga weltweit in die Schlagzeilen: Damals wurde die Hälfte einer Gorillafamilie niedergeschossen, darunter der Silberrücken der Gruppe. Auch die folgenden Jahre waren hart für Virunga. Während eines Bürgerkriegs – des dritten Kriegs im Ostkongo seit 1996 – wurde das Hauptquartier des Parks zerstört. Und mehr als 140 Ranger starben in den vergangenen 15 Jahren im Dienst, elf allein in 2011. Wahrscheinlich fließt für den Schutz der Natur nirgendwo sonst auf der Welt so viel Blut wie in Virunga. Gleichzeitig habe ich noch an keinem Ort Menschen erlebt, die sich mit so großem Idealismus oder vergleichbarer Hingabe für die Natur einsetzen. Dies gilt für den Parkdirektor Emmanuel de Merode, für seine Mitarbeiter in der Verwaltung und für die 274 Ranger des Nationalparks.

Noch zu Beginn des Jahres 2012 sah es so aus, als hätte sich das Blatt gewendet und das Leben sei endlich auf der Seite von Virunga. Vor allem mit Mitteln der Europäischen Union ist das Hauptquartier des Parks restauriert worden, eine hinreißende Lodge für Touristen ist entstanden, eine Krankenstation, Schulen wurden errichtet. Dann aber, im Frühjahr 2012, hat Soco International, ein Mineralölunternehmen mit Sitz in London, angekündigt, im Park nach Öl suchen zu wollen. Insgesamt liegen Konzessionen auf 85 Prozent der Parkfläche. Das Ausbeuten von Rohstoffen in einem Nationalpark ist nach kongolesischem Gesetz illegal. Unvereinbar ist es zudem mit dem Status von Virunga als Weltnaturerbe der UNESCO. Es scheint, auf den ersten Blick, ein Konflikt zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen zu sein. Schlimm genug – und doch nur die halbe Wahrheit. Der Park ist mittlerweile der größte Arbeitgeber in der Region. Er ist ein Modell dafür, wie eine nachhaltige Wirtschaft im Kongo aussehen kann. Erdöl dagegen, so sagte mir der Botschafter der EU im Kongo, schafft keine Jobs; das mit dem Rohstoff verdiente Geld bleibt nicht vor Ort.

Woran fehlt es Virunga?

Rund 2,8 Millionen Euro braucht der Park im Jahr, um seinen laufenden Haushalt zu finanzieren – vor allem Löhne für die Ranger, ihre Essensrationen, Treibstoff. Etwa ein Fünftel davon kann Virunga bereits durch Einnahmen aus Tourismus decken. Der große Rest kommt von Gebern oder durch Spenden rein. Im Jahr 2012 fehlten etwa 700 000 Euro im Budget. Außerdem mangelt es an Geld, um neue Ranger auszubilden, die der Park dringend benötigt. Neben Spenden gibt es noch eine zweite Möglichkeit, Virunga zu helfen: hinfahren - sofern das Auswärtige Amt keine Reisewarnung ausspricht. Je mehr Touristen den Nationalpark besuchen, umso aussichtsreicher, dass er durch sein Wirtschaftsmodell Erfolg hat und seine wichtige Arbeit weiterführen kann.