Ökologie: Raps lenkt ab

Die weiten, gelb leuchtenden Felder der Energiepflanze ziehen viele Insekten an - die dann anderswo fehlen

Die Anbauflächen von Raps sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - aus der Pflanze wird "Biodiesel" gewonnen. Das hat einen unerwarteten Nebeneffekt auf naturnahe Lebensräume, wie Forscher vom Bio-Zentrum der Universität Würzburg herausgefunden haben: In der Umgebung der leuchtend gelb blühenden und intensiv duftenden Kulturpflanzen fällt die Bestäubung von Wildpflanzen geringer aus.

Ein Beispiel: "Die echte Schlüsselblume, die in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht, produziert rund 20 Prozent weniger Samen, weil die Hummeln sie nicht mehr so gut bestäuben wie noch vor einigen Jahren", bilanziert die Biologin Andrea Holzschuh. Das grelle Gelb lenke die Aufmerksamkeit der Insekten ab - auch wenn die Rapsflächen lediglich 15 Prozent der umgebenden Landschaft ausmachen, so das Ergebnis der Studie auf 67 Flächen in der Region um Göttingen.

In einem EU-Projekt soll nun erforscht werden, mit welchen Maßnahmen man die Bestäubung von gefährdeten und geschützten Wildpflanzen in der Nähe von Rapsfeldern sichern kann. Unter Umständen könnten sie von der Rapsblüte sogar profitieren. Wenn sich etwa Wildbienen bevorzugt neben Rapsfeldern ansiedeln, könnten Wildpflanzen, die erst nach der Rapsblüte in der Nähe von Rapsfeldern blühen, vielleicht sogar besser bestäubt werden, als wenn kein Rapsfeld in der Nähe wäre. Schlechter sieht es aber vor allem für gleichzeitig blühende Arten aus. Sie sind im Konkurrenzkampf um die "Dienstleistung der Bestäuber" chancenlos: "In den blühenden Rapsfeldern finden die Insekten deutlich mehr Pollen und Nektar", so Holzschuh.

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