Medizin: Sehen mit Algenaugen

Defekte Lichtrezeptoren der Netzhaut können mithilfe von Algen-Genen repariert werden

Alle Mäuse waren blind gewesen - unfähig, in dem Versuchskäfig den Hebel zu entdecken, den sie drücken mussten, um aus einem Labyrinth zu gelangen. Doch nach einer neuartigen Therapie schaffte es eine Gruppe von ehemals blinden Mäusen schließlich doch - und orientierte sich an dem Lichtstrahl, der auf den Hebel schien.

Wie war das möglich? Ein Forscherteam um Alan Horsager vom Institut für genetische Medizin der Universität von Southern California hatte den Tieren Algen-Gene gespritzt. Ein "gezähmtes" Virus transportierte die Erbinformation zu Rezeptorzellen der Mäusenetzhaut und regte dort die Produktion lichtempfindlicher Proteine an - Algen verfügen ebenfalls über entsprechende Photosensoren, um auf Sonnenlicht reagieren zu können.

Schon in zwei Jahren, so hoffen die Forscher, könnten klinische Versuche an blinden Menschen mit Makula-Degeneration und ähnlichen Augenkrankheiten beginnen. Wie gut ihr Sehvermögen dann allerdings sein wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen.