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Walfangqouten: Keine gute Idee!


Lesen Sie hier Stellungnahmen von Umwelt- und Walschutz-Organisationen zu den Vorschlägen von Christopher Costello und seinen Kollegen

Inhaltsverzeichnis

Whale&Dolphin Conservation Society

Die Whale & Dolphin Conservation Society (WCDS) hat vor allem ethische und tierrechtliche Bedenken.

Die WDCS sieht den Vorschlag von Christopher Costello und Kollegen, mit käuflich erwerbbaren Walfang-Quoten die Anzahl der jährlich getöteten Wale zu reduzieren, äußerst kritisch.

Ein Großteil unserer ablehnenden Haltung gegenüber dem Walfang gründet sich weniger auf Zahlen als auf ethische und tierrechtliche Bedenken: Walfang bleibt unmenschlich und Wale sind ungeeignet für eine nachhaltige Nutzung durch den Menschen (Wale sind langlebige und sich langsam reproduzierende Tiere). Es gibt keine humane Art, einen Wal auf hoher See zu töten und die Jagd an sich kann niemals ein fehlerfreier Prozess sein. Deshalb ist ein Konzept von Besitzrechten und ein Handel jener für viele Länder (und den Großteil der Öffentlichkeit) inakzeptabel im Hinblick auf den Schutz von Walen und Delfinen.

Die Begründung im Einzelnen:

1. Handelspraxis würde Walfang-Industrie stärken

Die WDCS begrüßt zwar jedwede Diskussion über die Beendigung des kommerziellen Walfangs, lehnt aber einen solchen Vorschlag strikt ab. Diese Ablehnung gründet sich auf starken ethischen Bedenken (Wale werden nur als Handelsware betrachtet), zum anderen sprechen auch praktische und strategische Gründe gegen den Vorschlag: Unter anderem würde der Kauf des Lebens von Walen dabei helfen, ein aussterbendes Gewerbe am Leben erhalten. Zudem könnte eine solche Praxis andere Länder dazu ermutigen, um ihres Anteils Willen kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen oder damit zu beginnen.

2. Quoten sind oftmals Gegenstand politischen Gerangels

Die Ideen in diesem Artikel sind nicht komplett neu und der Gedanke, Wale von Walfängern “freizukaufen” kam schon in der Vergangenheit auf.

Wenn wir uns zudem die Fischerei-Management-Systeme wie zum Beispiel die Europäische Fischereipolitik ansehen, wissen wir, dass Quoten so manches Mal weniger Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion, sondern mehr Gegenstand politischen Gerangels sind. Je mehr Länder und Unternehmen ein finanzielles Interesse an Walen und Walfang haben, desto mehr könnten auch diese Quoten – wie in der Fischerei – in die Höhe getrieben werden.

Angesichts der aktuellen hohen Preise für einige der langlebigen Fischarten versagt unserer Ansicht nach auch hier der Markt-Mechanismus, um die Quoten zu verringern.

3. Es gibt keine humane Art, Wale zu töten

Dort, wo Länder Besitzrechte auf Wale und Delfine anmelden, wie zum Beispiel im Rahmen der Delfinjagden in Japan, sehen wir massive nicht nachhaltige Jagden, die – mit Abnahme der Populationen - in ihrer Grausamkeit noch zugenommen haben.

4. Auch andere Länder würden Wale töten wollen

Viele weitere Länder würden sich um Quoten bewerben - Länder wie China und Südkorea deuteten an, mit Walfang zu beginnen, wenn es zu einer neuen Quotenvergabe kommen sollte. Und Länder wie Japan wären nicht zögerlich mit Leihgaben von Jagdequipment und – expertise, um das Wachsen einer künstlichen Nachfrage zu unterstützen.

Die deutsche Homepage der Whale & Dolphin Conservation Society (WCDS)

Int. Fund for Animal Welfafare

Ein alter Hut, meint Patrick Ramage vom International Fund for Animal Welfare (IFAW). Und nicht einmal ein guter.

Christopher Costello und seine Kollegen glauben, die Einführung eines "Wal-Schutz-Marktes" könne, wenn man geeignete Fangquoten unterstellt, die Zahl der weltweit unter dem Deckmantel der Wissenschaft erlegten Wale reduzieren.

Neu ist der Vorschlag nicht. Es ist eine aufgewärmte verrückte Idee, die seit den 1960er Jahren kursiert und mit dem Alter nicht besser geworden ist.

Statt dass wir dieser sterbenden und anachronistischen Industrie eine Rettungsleine zuwerfen und ein Kopfgeld auf geschützte Wale ausschreiben, müssen wir Japan, Norwegen und Island, die letzten drei Staaten, die immer noch kommerziellen Walfang betreiben, ermutigen, sich dem im Entstehen begriffenen weltweiten Konsens über Walschutz anzuschließen.

Warum sollte jemand dem Walfang einen kommerziellen Wert beimessen, der einfach nicht existiert? Der International Fund for Animal Welfare glaubt, dass alle Wale vor solchen grausamen und unnötigen Praktiken geschützt werden sollten.

Der IFAW bittet Japan, Norwegen und Island dringend, den Walfang ein- für allemal zu beenden. Verantwortungsvolles whale watching ist ein nachhaltiges und ökonomisch sinnvolles Geschäft, von dem, wie wir gezeigt haben, Wale und Menschen in Küstenregionen gleichermaßen profitieren.

Innovative Ideen und neue, kreative Ansätze für die "Whale Wars" [Titel einer TV-Doku über die Aktivitäten von Sea Shepherd, einer Walschutz-Organisation] werden dringend gebraucht, um die weltweiten Bemühungen zu unterstützen, den illegalen Walfang zu beenden. Doch Costellos Vorschlag passt eher in eine Stammtischrunde unter Wirtschafts-Studienanfängern.

Die deutsche Homepage des International Fund for Animal Welfare (IFAW)

Greenpeace

Greenpeace wendet sich gegen die Kommerzialisierung des Walfangs.

Greenpeace lehnt jede Form von kommerziellem Walfang ab; wir sehen keine Rechtfertigung dafür, eine Idee zu verfolgen, die einer unprofitablen Industrie wieder auf die Beine helfen könnte. Wie der Autor in seinem Artikel selbst eingesteht, beläuft sich das Geschäft mit dem Walfang weltweit auf etwa 30 Millionen US-Dollar. Das ist wenig im Vergleich zum zwei Milliarden Dollar schweren Geschäft mit dem Whale Watching.

Die Hoffnung, die Internationale Walfangkommission (IWC) - eine Organisation, die von der Walfang-Industrie gegründet wurde - könne nachhaltige Walfangquoten entwickeln oder verwalten, wird nicht durch die Erfahrungen der Vergangenheit gestützt. Die Geschichte des Walmanagements durch das IWC ist eine Serie von Katastrophen. Eine Population nach der anderen wurde bis zur Auslöschung bejagt. Diese Entwicklung konnte nur durch das Moratorium des kommerziellen Walfangs gestoppt werden.

Die Einführung von handelbaren Quoten ist nicht notwendig und würde nur dazu dienen, kommerziellen Walfang zu legalisieren. Was wir wirklich brauchen, ist ein sofortiger Stopp des "wissenschaftlichen" Walfangs in den Schutzgebieten im südlichen Ozean und einen kurzfristigen Ausstieg der einzigen drei Nationen, die immer noch kommerziellen Walfang betreiben: Island, Japan und Norwegen.

Die deutsche Homepage von Greenpeace

Welttierschutzgesellschaft

Die Welttierschutzgesellschaft WSPA verurteilt "Walfang-Optionen".

Der Artikel "Conversation Science: A market approach to saving the whales" in der aktuellsten Ausgabe des Magazins "Nature" sorgte für große Aufregung. Darin schlagen drei Wissenschaftler ein System vor, bei dem sogenannte "Walfangoptionen" an Länder verteilt werden. Interessensgruppen sollen dann um diese Optionen handeln.

Dies hätte zur Folge, dass die Interessentengruppen, zum Beispiel Regierungen, Walfänger, Tierschützer und alle, die in den Walfang involviert sind, Fangoptionen auf die Wale erwerben können. Das System sieht vor, dass diese Optionen von der Walfangkommission IWC ausgegeben werden. Auf diese Weise, so die Wissenschaftler, würden die Walbestände nicht gefährdet.

Die drei Wissenschaftler Christopher Costello und Steven Gaines von der University of California und Leah Gerber von der Arizona State University sind von dem System überzeugt. Sie haben, nach eigenen Angaben, bereits positive Resonanzen von der Walfangindustrie und von Umweltschützern erhalten.

Die Forscher schätzen, dass der Walfang jährlich ungefähr 31 Millionen US-Dollar einbringt. Umweltgruppen hingegen investierten jährlich 25 Millionen US-Dollar in ihre Antiwalfang-Kampagnen. Dieses Geld wäre besser investiert, wenn sie die Umweltschützer gleich Fangoptionen kaufen würden. Diese ständen den anderen Interessensgruppen folglich dann nicht mehr zur Verfügung, argumentieren Costello und seine Kollegen. Sie kalkulieren die Preise für Wale zwischen 13.000 US-Dollar für einen Zwergwal und bis zu 85.000 US-Dollar für einen Finnwal.

Wale sind fühlende Wesen, keine Handelsgüter

Die WSPA kritisiert jedoch das System, weil dabei eine fundamentale Tatsache missachtet wird: Wale sind intelligente Tiere. Sie erleiden einen langsamen, qualvollen Tod, wenn sie von Walfängern harpuniert werden. Auf hoher See ist es nicht möglich, den schnellen und schmerzfreien Tod der Wale zu garantieren.

Claire Bass, WSPA-Kampagnenleiterin für Ozeane, betont: "Der Vorschlag beruht auf der überholten Annahme, dass Wale Handelsgüter seien wie Reis oder Getreide. Doch Walfang ist grausam, veraltet und unnötig. Diese Tiere sind gefährdet und brauchen Schutz. Wir brauchen keine Initiative, um die Walfang-Industrie wiederzubeleben und sogar noch Länder zu ermutigen, mit Walfang Geld zu verdienen. Stattdessen muss das bestehende internationale Walfangverbot endlich durchgesetzt werden."

Größerer Nutzen aus Walbeobachtungen

Aus wirtschaftlicher Perspektive ist die Walbeobachtungsindustrie ohnehin am lukrativsten. Sie ist der humanste und rentabelste "Nutzen", den die Menschen im 21. Jahrhundert aus dem "Geschäft" mit den Walen ziehen können. Und diese Industrie wächst stetig.

"Forscher, Umweltschützer und Regierungen würden viel mehr davon profitieren, wenn sie sich endlich auf Projekte konzentrieren würden, die Wale schützen und den Walbestand erhalten", erklärt Bass.

Die deutsche Homepage der WSPA Welttierschutzgesellschaft e.V.


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