Fischerei "Wir haben eine gesunde Größe erreicht"

Uwe Richter, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Hochseefischereien, erklärt im Interview, wie es der Branche geht, was die EU-Fischereireform für sie bedeutet - und wie nachhaltig die Fischerei aus seiner Sicht schon ist

Herr Richter, wie geht es den deutschen Hochseefischern?

Die Hochseefischer haben durch die Umstellung auf eine nachhaltige und transparente Fischerei einen Konsolidierungsprozess hinter sich. Die Deutsche Flotte wurde in den letzten 30 Jahren kontinuierlich verkleinert, so dass wir nun eine gesunde Größe haben - für uns als Fischer und natürlich für die Fische.

Welche Trends gibt es?

Mehr als 60 Prozent der deutschen Anlandungen sind bereits öko-zertifiziert beziehungsweise befinden sich im Zertifizierungsprozess. In Zukunft planen wir, den Anteil der MSC-zertifizierten Fische noch auszubauen. Trotzdem hält sich leider in der Debatte immer noch hartnäckig der Mythos der "leergefischten" Meere. Anstatt die Fischerei weiter an den Pranger zu stellen, brauchen wir eine konstruktive Debatte, wie wir die Reichweite der erfolgreichen europäischen Regeln vergrößern können. Ein Instrument hierfür könnten die Abkommen mit Drittstaaten sein, die sowohl unsere eigenen Fischereiinteressen als auch klar definierte entwicklungspolitische Ziele berücksichtigen.

Sie spielen auf kritische Berichte und Studien zur Lage der europäischen Fischerei an, die sich mit der EU-Fischereireform verbessern soll. Wie bewerten Sie die Reform?

Die EU-Fischereireform wird dazu beitragen, dass sich die Bestände weiter erholen und dadurch zukünftig mehr Fisch gefangen werden kann. Der Trend wird auch von der EU-Kommission und unabhängigen Wissenschaftler bestätigt. Schon heute werden mehr als die Hälfte der Fischbestände im Nordost-Atlantik einschließlich Nord- und Ostsee nachhaltig bewirtschaftet und nach dem Prinzip des höchstmöglichen Dauerertrages (MSY) befischt.

Es tut sich was - auch wenn umstritten ist, welche Kriterien für "Nachhaltigkeit" gelten sollen. Wie bewerten Sie denn grundsätzlich die Datenlage zu den Fängen?

Die Erforschung der Bestände muss weiterentwickelt werden, damit der Anteil von Beständen, die als "data poor" eingestuft sind, reduziert werden kann. Wir wünschen uns auch, dass hierzulande mehr Geld in die fangtechnische Forschung investiert wird, um die Vermeidung von unerwünschten Beifängen weiter voranzutreiben. In Deutschland findet derzeit leider keine ausreichende fangtechnische Forschung statt.

"Wir haben eine gesunde Größe erreicht"

"Nachhaltige und transparente Fischerei": Dr. Uwe Richter, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Hochseefischereien