Solarenergie Immer der Sonne nach

Die Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg wollen in fünf Etappen Amerika überqueren - ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff. Nur das Sonnenlicht treibt sie an. Ihr Spezialflugzeug ist mit hocheffizienten Solarzellen gepflastert, hat die Spannweite eines Jumbojets und wiegt weniger als ein Kleintransporter. Mehr als die Hälfte der Tour haben die beiden Piloten bereits geschafft. GEO.de sprach mit Bertrand Piccard unterwegs über Sinn und Zweck der "Solar Impulse Mission" - und über das größte Problem: das Wetter

GEO.de: Herr Piccard, wozu braucht die Welt ein Projekt wie die "Solar Impulse"-Mission?

Piccard: Wenn wir über grünen Strom, Energiesparen und Solarzellen reden, klingt das meistens sehr langweilig. Wir denken immer, all das beschränke nur unseren Lebensstil, unsere Mobilität, unser Wachstum. Wir aber wollen zeigen, dass saubere Technologien aufregend sind. Dass wir damit schon heute unglaubliche Ziele erreichen können. Sie verbessern unser Leben, sie kurbeln die Wirtschaft an. Wir wollen die Leute dazu inspirieren, diese Möglichkeiten zu sehen und weiter zu entwickeln. Und wir wollen ihnen vermitteln: Solange man bereit ist, sich auf das Unbekannte einzulassen, kann man scheinbar unmögliche Träume verwirklichen.

Warum wollen sie dafür gerade die USA überqueren?

Wir haben das Flugzeug ja vorher in Europa und auf einem Flug über das Mittelmeer bis nach Afrika getestet. Der nächste Level war jetzt Amerika: Hier hat der Pioniergeist der Luft- und Raumfahrt ja Tradition. Und es ist auch ein wichtiger Test für uns, ob wir weit entfernt von unserem Kontrollzentrum in der Schweiz arbeiten können.

Was war bislang das größte Problem?

Das Wetter. Wir legen manchmal Strecken von mehr als 1500 Kilometer zurück, fliegen also von einem Wettersystem in ein anderes. Das bringt immer wieder Überraschungen. Bei der Ankunft in Dallas zum Beispiel wehte so starker Wind, dass er das Flugzeug fast völlig ausgebremst hat. 30 Knoten von vorne. André musste mit Seitenwind landen, hatte dafür aber bloß einen Versuch.

Können Sie den Flug trotzdem genießen?

Ja sicher, es ist fantastisch. Ein Privileg. Wir sitzen im einzigen Flugzeug der Welt, das mehr Energie aufnimmt, wenn es fliegt, als wenn es nicht fliegt. Während des Flugs ist es vollkommen ruhig. Man muss sich niemals um die Treibstoffreserven Gedanken machen, dafür aber andauernd steuern. Ich kann nie auf Autopiloten umstellen. Und die Flüge sind lang. Das ist schon merkwürdig, wenn du nach zehn Stunden in der Luft auf die Uhr schaust und dir bewusst wird: Bis zur Landung muss du noch zehn Stunden durchhalten. Aber ich genieße es.

Das Projekt hat Millionen verschlungen. Hätte man das Geld nicht besser in die Entwicklung von effizienteren Solarzellen oder von Treibstoffeinsparungen bei Linienflugzeugen investieren können?

Nein, denn das Geld kommt aus dem Werbebudget von großen Firmen, die uns unterstützen. Wäre es nicht in das „Solar Impulse Projekt“ gegangen, hätte die Unternehmen davon Anzeigekampagnen, Golfturniere oder Konzerte finanziert. Durch uns aber kommt es der Erforschung von erneuerbaren Energien zugute. Deshalb glauben wir: Dies ist das Beste, was man damit hätte machen können. Das Gesamtbudget umfasst 120 Millionen Euro über 13 Jahre – das ist ungefähr vier bis fünf Prozent vom Jahresbudget eines großen Formel-Eins-Teams.

Wohin wird das Projekt führen?

Hoffentlich dazu, dass Millionen von Menschen sich mehr für erneuerbare Energiequellen begeistern. Und dass wir im Jahr 2015 mit unserem Flugzeug einmal die Welt umrunden. Das aber wird auf jeden Fall sehr, sehr schwierig.

Immer der Sonne nach

Pionier im Solarflugzeug: Bertrand Piccard