Plastikmüll auf dem Rhein Ein Surfer folgt dem Weg des Plastikmülls - und wagt einen radikalen Trip

Der Niederländer Merijn Tinga zeigt als "Plastiksuppen-Surfer", wie nah uns das Plastikproblem wirklich ist. Auf einem Brett aus Plastikmüll folgte er dem Weg der Verschmutzung 28 Tage lang auf dem Rhein. Sein nächstes Projekt ist jedoch das bislang mutigste
Plastic Soup Surfer

Merijn, warum nennst du dich "The Plastic Soup Sufer", also Plastik-Suppen-Surfer?

Weil ich auf Brettern surfe, die aus dem gemacht sind, was so in der "Plastiksuppe" schwimmt, also Plastikmüll, der an Stränden herumliegt und im Wasser treibt.

Mein erstes Board baute ich aus Plastikmüll, den ich an meinem Heimatstrand fand. Dieses Surfbrett wurde zu einem Statement, es besteht aus dem Müll, der jeden Monat auf 250 Metern an einem typischen niederländischen Strandabschnitt angespült wird. Um auf die Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen, surfte ich auf diesem 15-Kilo-Brett die gesamte niederländische Küste von Belgien nach Deutschland entlang, das hatte zuvor noch niemand gemacht. 1300 Bretter könnte man monatlich aus dem dort angespülten Plastikmüll fertigen.

Hast du dich vorher schon mit künstlerischem Recycling befasst?

Aus Deckeln von Plastikflaschen baute ich eine klassische griechische Statue nach, einen Diskuswerfer. Kleine PET-Flaschen verarbeitete ich zu einem Kitesurfboard und segelte damit durch die Nordsee von Scheveningen nach England, durch hohe Wellen und starken Wind.

Für dein aktuelles Projekt bist du 28 Tage lang den Rhein hinuntergepaddelt. Worum geht's?

Ich möchte zeigen, dass das Plastikproblem in Meeren und Flüssen nicht nur auf fernen Ozeanen besteht, sondern schon hier, in unmittelbarer Nähe seinen Lauf nimmt. Bis zu 20 Prozent des jährlich anfallenden Plastikmülls in den Meeren gelangen über die Binnenflüsse dorthin. Diesem Weg wollte ich folgen, von der Quelle bis zur Mündung.

Wie viel Plastikmüll hast du auf dem Rhein gefunden?

Einige Dutzend Tonnen Plastik fließen jährlich durch den Rhein. Das konnte ich natürlich nicht alles einsammeln. Deswegen griff ich einzelne Müllstücke heraus, die ich offiziell an die CEOs der zuständigen Firmen schicken werde. An diesem Projekt kann sich übrigens jeder über meine Webseite beteiligen.

Welchen Widrigkeiten warst du auf deiner Rheinfahrt ausgesetzt?

Das Paddeln wird auf Dauer ganz schön zermürbend, Gegenwind, Wellen und Nässe plagen einen physisch und psychisch. Man muss einen inneren Schalter umlegen und einfach weitermachen, trotz wunder Hände und Füße, die bei der Tortur nicht heilen. Vorher trainierte ich ausgiebig. Genügend Essen und Trinken ist essenziell. Aber das Feedback und die Unterstützung, die ich unterwegs erfuhr, waren es mehr als wert. Wir können wirklich etwas verändern!

Planst du schon die nächste Expedition?

Es gibt da schon einige Ideen, aber als nächstes wollen wir die Firmenchefs mit dem Plastikmüll konfrontieren, den ihre Unternehmen verursachen. Das könnte ein ähnlicher Höllenritt werden wie auf den Wellen des Rheins.

Mehr Infos über Merijn Tingas Engagement gibt es auf seiner Webseite, zum Videotagebuch seiner Rhein-Paddeltour geht es hier.

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