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Internationaler Tag des Meeres Mit Recycling-Schiffen gegen die Vermüllung der Ozeane


Mit modernster Technik ausgestattete Schiffe sollen Müll aufbereiten - bevor er im Meer landet. Eine nachhaltige Lösung nicht nur für vermüllte Inselparadiese

Plastik, der formbare Wunderstoff, ist aus unseren Konsumwelten nicht mehr wegzudenken. Doch das vielseitig einsetzbare Erdölprodukt landet in riesigen Mengen in der Natur, auf wilden Mülldeponien, in Flüssen. Und in den Ozeanen. Forscher schätzen, dass rund 140 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren dümpeln. Und jedes Jahr kommen 10 Millionen Tonnen dazu - konzentriert in Müllstrudeln von der Größe Europas. Experten warnen, dass es Mitte des Jahrhunderts schon mehr Plastik in den Meeren geben könnte als Fisch.

Internationaler Tag des Meeres: 140 Millionen Tonnen Müll treiben in den Ozeanen der Erde - der größte Teil davon ist Plastik
140 Millionen Tonnen Müll treiben in den Ozeanen der Erde - der größte Teil davon ist Plastik
© Olenalavrova / shutterstock

Das ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Denn Wale verenden an verschluckten Plastikteilen, Seevögel strangulieren sich mit Netzresten, giftiges Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette. Da Kunststoff bis zu 400 Jahre braucht, um sich zu zersetzen, ist der Meeresmüll ein nachhaltiges Problem.

Das will der Kieler Ingenieur Dirk Lindenau nun an der Wurzel packen. Seine Idee: schwimmende Recycling-Anlagen. Frachtschiffe, die nicht mehr gebraucht werden, will er, statt sie zu verschrotten, zu modernsten Müllaufbereitungsanlagen nach europäischen Standards umbauen. Um mit ihnen Müll einzusammeln und zu sortieren - bevor er ins Meer gelangen kann. Denn 80 Prozent des Mülls in den Meeren werden vom Land ins Meer geweht oder gespült. Etwa von wilden Deponien.

Verbindung von moderner Abfallwirtschaft und nachhaltigem Tourismus

Als idealen Einsatzort stellt sich Lindenau dicht besiedelte Küstenregionen oder kleine Inselstaaten vor. Wie etwa die Malediven oder die Kapverdischen Inseln. Hier gibt es zwar viele Touristen, die für jede Menge Müll sorgen - aber kein effektives Abfallwirtschaftsmanagement. Der Müll wird hier bislang entweder direkt im Meer oder auf wilden Müllkippen "entsorgt". Geht es nach Dirk Lindenau, wird der anfallende Müll zukünftig im Hafen gesammelt und zur Aufbereitung per Container an Bord gehievt.

Weltweit rechnet Lindenau mit einem Bedarf von rund 600 solcher Schiffe - unterstützt von Müllsammelschiffen, die mit Netzen den Müll fischen, der schon ins Meer gelangt ist. An einem solchen Konzept arbeitet der Münchener Unternehmer Günther Bonin.

Internationaler Tag des Meeres: Und so funktioniert's: das Abfall-Recycling-Schiff-Konzept von Dirk Lindenau
Und so funktioniert's: das Abfall-Recycling-Schiff-Konzept von Dirk Lindenau
© Lindenau Maritime Engineering & Projecting

Dirk Lindenau glaubt, dass das Recycling-Schiff-Konzept auch finanziell interessant sein könnte. Denn Abfall ist mittlerweile eine wertvolle Ressource - etwa wegen der enthaltenen hochwertigen Kunststoffe und Metalle. "Aus der Vergärung von organischem Material können wir Biogas erzeugen, und damit Strom. Und mit der Prozesswärme können wir Meerwasser aufbereiten", sagt Lindenau. Trinkwasser und elektrische Energie sind in vielen Inselstaaten kostspielig.

Aus dem Verkauf von Kompost, Gas, Strom und Wertstoffen, glaubt Lindenau, ließe sich ein "erheblicher" Beitrag zur Deckung der Kosten erzielen.

Auf der Woche der Umwelt im Schloss Bellevue hat jüngst die Regierung der Kapverdischen Inseln an dem "maßgeschneiderten, schlüsselfertigen Abfall-Wirtschaft-System nach dem neuesten Stand der Technik" Interesse signalisiert. Und das erste von drei geplanten Schiffen könnte 2019 in Richtung Kapverden in See stechen, sagt Lindenau.

Mehr über das Konzept der Abfall-Recycling-Schiffe (PDF)

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