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Seegras-Wiesen "Feenkreise" am Meeresboden haben eine alamierende Ursache

Baleareninsel Mallorca: Aus der Luft zeigen sich in der Bucht von Pollença "Feenkreise" aus Seegras
Baleareninsel Mallorca: Aus der Luft zeigen sich in der Bucht von Pollença "Feenkreise" aus Seegras
© https://ifisc.uib-csic.es/en/news/traveling-patterns-seagrass-meadows
Eine neue Studie zeigt: Die "bezaubernden", aus Seegras gebildeten Strukturen am Meeresboden vor der Küste Spaniens könnten ein Warnsignal sein

Kreisförmige Strukturen aus dem Reich der Pflanzen haben ein großes Mystery-Potenzial. Hierzulande haben schon vor Jahrhunderten Pilze, die ringförmig aus dem Waldboden schießen, so genannte Hexenkreise, die Fantasie der Menschen angeregt. Aus der Wüste Namib sind kreisförmig wachsende Gräser bekannt – bekannt auch unter dem Namen Feenkreise. Ein ähnliches Phänomen ist auch vom Grund des Mittelmeers bekannt.

Die "Feenkreise" vor der spanischen Küste sind nichts anderes als gewöhnliches Seegras (Posidonia oceanica) – das allerdings, wie Luftaufnahmen zeigen, in fast kreisrunden Strukturen wächst. Eine plausible Erklärung für das Phänomen fehlte bislang.

Wie ein Forschungsteam um Daniel Ruiz-Reynés und Damià Gomila nun in einer aktuellen Studie zeigt, ist die Ursache des Phänomens keinesfalls mystisch – sondern in der Chemie des Meeresbodens zu suchen. Demnach könnten hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff im Porenwasser des Sediments für das kreisförmige Wachstum verantwortlich sein.

Giftiger Schwefelwasserstoff tötet das Seegras

Den Forschenden zufolge führt die Anhäufung von Biomasse in Seegraswiesen zu einer starken Vermehrung von anaeroben, Schwefel abbauenden Bakterien. Die Einzeller bilden Schwefelwasserstoff – der für das Seegras giftig ist. Wo das Gras abgestorben ist, hinterlässt es kahlen Meeresboden. Sobald der Schwefelwasserstoff im Boden wieder abgebaut ist, beginnt das Wachstum erneut.

Die Luftaufnahme zeigt komplexe, runde Strukturen, entstanden durch die Anreicherung und den Abbau von Schwefelwasserstoff
Die Luftaufnahme zeigt komplexe, runde Strukturen, entstanden durch die Anreicherung und den Abbau von Schwefelwasserstoff
© https://ifisc.uib-csic.es/en/news/traveling-patterns-seagrass-meadows

Auf diese Weise entstehen, aus der Luft betrachtet, komplexe, ring- oder bogenförmige Strukturen. Die im Lauf der Zeit auch ineinander wachsen und sich sogar gegenseitig auslöschen können.

Um ihre These zu untermauern, stützen sich die Forschenden neben Messungen auch auf Luftaufnahmen, die bis ins Jahr 1973 zurückreichen. Zudem entwickelten sie ein mathematisches Modell, mit dem sich die Muster erstaunlich präzise simulieren und vorhersagen lassen.

Seegraswiesen stehen möglicherweise vor dem Kollaps

Weniger bezaubernd ist, dass die Feenkreise als ein Hinweis darauf verstanden werden können, dass die Seegraswiesen vor dem endgültigen Zusammenbruch stehen. Steigende Wassertemperaturen und der Eintrag von organischem Material könne dazu führen, dass die Schwefelwasserstoffproduktion steigt – und damit die Sterblichkeit des Seegrases.

Für die Küste wäre das katastrophal. Denn Seegraswiesen sind weltweit wichtige Bestandteile küstennaher Ökosysteme und bedeutende Kohlenstoffspeicher. Also Klimaschützer.

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