Ozeanografie 200 Meter hohe Welle rollt durch das Südchinesische Meer

In der Luzonstraße türmt sich täglich eine Welle auf, die sogar vom Weltraum aus zu sehen ist. Wie das Ungetüm entsteht und warum kaum jemand je davon gehört hat
200 Meter hohe Welle rollt durch das Südchinesische Meer

Interne Wellen im Ozean: über 200 Meter hoch und sogar vom Weltall aus zu erblicken

Die verheerenden Tsunamis, deren lange, schnelle Wellen sich nach Seebeben im seichten Küstenbereich bis über 50 Meter auftürmen; oder andere Monsterwellen, die sich auf hoher See bilden und dort selbst gigantische Containerschiffe versenken können: Sie alle sind nichts gegen das Mega-Ungetüm, das täglich durch das Südchinesische Meer rollt. Von diesem Wellenmonster berichtete kürzlich ein internationales Forscherteam um Matthew Alford vom kalifornischen Scripps-Institut für Ozeanografie: Über 200 Meter hoch und 200 Kilometer lang ist die Welle, die in der Luzonstraße zwischen Taiwan und den Philippinen entsteht. Dass wohl kaum jemand je gehört hat von dieser weltweit kraftvollsten Welle, hat einen einfachen Grund: Diese internen Wellen ereignen sich nicht auf der Meeresoberfläche, sondern nur in den Tiefen des Ozeans, angetrieben durch Wind und Gezeitenstrom.

Interne Wellen sind wichtig für das Ökosystem

Dort erfüllen sie eine wichtige Funktion für Klima und Ökosystem. Denn durch die Verwirbelungen gelangen große Mengen warmen Wassers in die Tiefe und kaltes nach oben. Sehr zum Vorteil aller Organismen, die im Ozean leben, weil dabei abgesunkene Nährstoffe wieder in die oberflächennahen Wasserschichten hinaufbefördert werden. Die Riesenwelle entsteht, weil hier 1000 Meter unter dem Meeresspiegel, wo warme und kalte Wasserschichten aufeinandertreffen, Wassermassen über zwei Berggrate gedrückt werden. Es bilden sich Wirbel, kaltes, schwereres Tiefenwasser wird nach oben gerissen, sackt wieder ab und verdrängt weitere Wassermassen. Daraus entwickelt sich eine steile Welle, die sich dann in Richtung des asiatischen Festlandes fortpflanzt. An der Oberfläche macht die Megawelle den Meeresspiegel nur etwas rauer und erzeugt viele niedrige Wellen, was als Muster auf Satellitenbildern sichtbar ist.

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