Im Banne der Glut

Feuerberge, die Lava speien, Asche, Felsen und Schwefel in die Luft katapultieren: Magnetisch ziehen sie den Fotografen Olivier Grunewald an. Seit Jahren ist er überall auf der Welt unterwegs, um die Schönheit der Vulkane aus der Nähe festzuhalten, so wie hier auf dem Tavurvur in Papua-Neuguinea. Eine gefahrvolle Leidenschaft

Perfekter Kegel unter Eis: Parinacota, Chile

Mehr als 6000 Meter über dem Meeresspiegel ragt der Vulkan in die Wolken über der Atacama-Wüste. Ein schlafender Riese mit weißer Haube, der nur hin und wieder mit Rauchzeichen daran erinnert, dass es tief in seinem Innern noch brodelt. Seine Flanken mit ihren Asche- und Lavaablagerungen sowie die Lagunen am Fuße des Kegels erzählen indes von aktiveren Zeiten. Entstanden ist die heutige Form des Schichtvulkans, wie auch die seines benachbarten Zwillings, nach dem katastrophalen Kollaps eines gemeinsamen Vorgängers vor ungefähr 10.000 Jahren

Teufelskessel: Nyiragongo, Demokratische Republik Kongo

Seit 2002 quillt stetig Magma im Krater des Nyiragongo auf; 1215 Grad Celsius haben Forscher hier gemessen. Damit ist der größte Lavasee auf der Erde zugleich auch einer ihrer heißesten natürlichen Orte. An der Luft erstarrt die Seeoberfläche und zerreißt zu schwarzen Basaltkrusten, zwischen denen flammendrote Lava wabert, gelegentlich auch bis zu 20 Meter hoch aufspritzt. Ein Spektakel wie bei der Geburt der Kontinente

Skulpturen der Urgewalt: Svartifoss, Island

Schwarze Bienenwaben? So vielgestaltig wie ihre geochemische Zusammensetzung ist auch die Formenwelt, zu der flüssige Lava auf der Erdoberfläche erstarrt. Am Svartifoss sind aus basaltischer, kieselsäurearmer Lava beim Abkühlen sechseckige Säulen entstanden

Skulpturen der Urgewalt: Island Krafka, Island

Am Krafka-Vulkan hat sich die Lava zu luftigen Knäueln aus Silizium, Aluminium, Titan, Magnesium und weiteren Stoffen vermischt

Farbenpracht aus der Unterwelt: Morning Glory Pool, USA

Im Yellowstone-Nationalpark lassen hitzeresistente Algen und andere Mikroorganismen das Tiefenwasser leuchten

Farbenpracht aus der Unterwelt: Dallol-Salzdom, Äthiopien

Heiße Quellen färben ihre irdische Umgebung häufig in grellbunte Töne - auf ganz unterschiedliche Weise. In der äthiopischen Danakil-Wüste befördert Thermalwasser schimmernde Minerale an die Oberfläche, die es auf seinem Weg durch eine zwei Kilometer dicke Salzschicht aufgenommen hat

Lichter-Zauber: Ol Doinyo Lengai, Tansania

Unter dem funkelnden Sternenhimmel Ostafrikas beleuchtet der Vollmond den Vulkankrater, schimmernde Lava setzt sein nahezu symmetrisches Profil in Szene - und schließlich explodiert über dem Gipfel auch noch eine hellgrüne Gasflamme. Verständlich, dass die Massai diesen Schichtvulkan, der sich fast zwei Kilometer über eine Hochebene im Rift Valley erhebt, "Berg des göttlichen Schöpfers" getauft haben

Sprengkraft aus der Tiefe: Ätna, Italien

Explosionen, krachend wie Kanonenschüsse, begleiteten im Sommer 2001 die fast drei Wochen dauernde Eruption an Europas aktivstem Vulkan. Verdampfendes Regenwasser hatte in der Magmakammer einen Überdruck aufgebaut, der zunächst die Lava zu riesigen Aschewolken pulverisierte und schließlich mit ungeheurer Wucht ganze Felsblöcke in die Luft katapultierte. Der jüngste Ausbruch des Ätna im März 2007 dauerte nur eine Stunde

Charakterfalten: Big Island, Hawaii

Edel wie Seide glänzt dieses nur wenige Stunden alte Vulkangestein, als sich der blaue Himmel über Hawaii in ihm spiegelt. Seine glatte Oberfläche hat sich unter dem Druck des inneren, wärmeren Schmelzflusses gedehnt und Falten aufgeworfen. "Pahoehoe", wie Vulkanologen diese besonders gasarme und basische Lava nennen, ist allerdings so fragil, dass sie nach kurzer Zeit zu Staub zerfällt

Höllenschlund: Erta Ale, Äthiopien

Einen direkten Blick ins Erdinnere scheint die Caldera des "Rauchenden Berges" in der Danakil-Senke zu eröffnen: 80 Meter reicht der Einsturzbrunnen hinab, darin brodelt seit Jahrzehnten ein 8000 Quadratmeter großer Lavasee - ohne jemals überzuschwappen. Das Vulkangestein bleibt aufgrund immenser Tiefenhitze flüssig; erhärtet lediglich an der Oberfläche zu dünnen Basaltflößen, zwischen denen regelmäßig Gasblasen explodieren und glühende Fontänen aufschießen

Feuerwerk der Natur: Tavurvur, Papua-Neuguinea

Fontänen, Bomben, Blitze: Bei Nacht bieten die Eruptionen des Tavurvur den Bewohnern der nahen Provinzhauptstadt Rabaul ein pyrotechnisches Schauspiel erster Klasse. Weil Partikel in der Explosionswolke aneinanderreiben, baut sich in der Luft ein elektrisches Spannungsfeld auf und bildet schöne, aber gefährliche Vulkanblitze: Schon mehrere Bewunderer wurden von ihnen erschlagen. Bei Tag allerdings sieht man außer grauen Aschewolken nichts

Verwandlung: Ol Doinyo Lengai, Tansania

Wie ein Gebirgsbach stürzt die Lava des Ol Doinyo Lengai den Krater hinab. Ihr Substrat - von Geologen Karbonatit genannt - kommt weltweit so nur dort vor. Es ist extrem flüssig und ändert seine Farbe nach Luftkontakt innerhalb weniger Stunden von flammendem Rot über Orange, Braun und Gelb zu staubigem Weiß

Aktuelle GEO-Magazine
<< zurück >> vor
nach oben