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Wissenstest Sprachenvielfalt


Prof. Dr. Martin Haspelmath arbeitet als Sprachwissenschaftler am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Der Mitherausgeber des World Atlas of Language Structures erforscht und vergleicht die grammatischen Eigenschaften der Sprachen der Welt und beschäftigt sich hauptsächlich mit Sprachwandel und Sprachmischung

Die Auflösung der Fragen finden Sie unten.

Frage 1 von 8
In welchem Land sind die meisten Sprachen zu Hause?

a) USA

b) Papua-Neuguinea

c) Brasilien

Frage 2 von 8
Welche Schrift verwendet keine Lautzeichen?

a) Japanische Schrift

b) Chinesische Schrift

c) Ägyptische Hieroglyphen

Frage 3 von 8
Welche der folgenden Sprachen gehören zur selben Familie wie das Deutsche?

a) Finnisch und Ungarisch

b) Georgisch und Baskisch

c) Albanisch und Romanes (die Sprache der Roma und Sinti)

Frage 4 von 8
Womit ist die Sprache der afrikanischen Insel Madagaskar am naächsten verwandt?

a) Arabisch

b) Türkisch

c) Suaheli

d) Hawaiianisch

Frage 5 von 8
Welche Sprache wurde am häufigsten verboten?

a) Kurdisch

b) Jiddisch

c) Esperanto

Frage 6 von 8
Das !Kung in Namibia besitzt besonders viele Konsonanten. Wie viele sind es?

a) 53

b) 117

c) 86

Frage 7 von 8
Was ist eine Pidgin­Sprache?

a) Brieftaubenkommunikation – die Vorform eines Telegramms

b) Das rituelle Murmeln bei heidnischen Kulthandlungen

c) Eine Behelfssprache mit rudimentärer Grammatik

Frage 8 von 8
Für welche weitere Leistung ist der Märchen­ sammler Jacob Grimm berühmt?

a) Er beschrieb lautliche Beziehungen des Deutschen zu Latein, Griechisch und zu Sprachen Indiens

b) Er entzifferte die germanische Runenschrift

c) Er entwickelte die Universallautschrift IPA

Achtung Auflösung!

Hier finde Sie die Antworten zur Überprüfung:

Frage 1 von 8
In welchem Land sind die meisten Sprachen zu Hause?

a) USA ❌

b) Papua-Neuguinea ✔️

c) Brasilien ❌

Die größte Sprachenvielfalt gibt es auf der Insel Neuguinea, wo über 1000 Sprachen gesprochen werden. Die USA liegen mit über 300 Sprachen ihrer Bürger auf Platz fünf (hinter Indonesien, Nigeria und Indien), Brasilien erreicht nur Platz 11.

Frage 2 von 8
Welche Schrift verwendet keine Lautzeichen?

a) Japanische Schrift ❌

b) Chinesische Schrift ✔️

c) Ägyptische Hieroglyphen ❌

Die chinesische Schrift ist eine fast reine Wortschrift. Japanisch verwendet viele der chinesischen Zeichen, besitzt aber auch Silbenzeichen. Die Hieroglyphen stehen zuweilen für ganze Wörter, aber die meisten Zeichen symbolisieren Laute (das „Bild“ einer Eule bezeichnet nicht den Vogel, sondern den Laut n).

Frage 3 von 8
Welche der folgenden Sprachen gehören zur selben Familie wie das Deutsche?

a) Finnisch und Ungarisch ❌

b) Georgisch und Baskisch ❌

c) Albanisch und Romanes (die Sprache der Roma und Sinti) ✔️

Finnisch und Ungarisch sind zwar verwandt, aber nicht mit dem Deutschen. Baskisch gilt als Isolat, mit keiner bekannten Verwandtschaft, das Georgische gehört zur kleinen kartvelischen (oder südkaukasischen) Sprachfamilie. Mit den indoeuropäischen Sprachen (Germanisch, Romanisch, Keltisch, Griechisch, Slawisch, Iranisch, Hindi usw.) sind aus unserer Liste nur Albanisch und Romanes verwandt.

Frage 4 von 8
Womit ist die Sprache der afrikanischen Insel Madagaskar am naächsten verwandt?

a) Arabisch ❌

b) Türkisch ❌

c) Suaheli ❌

d) Hawaiianisch ✔️

Die aus dem heutigen Indonesien kommenden Siedler, die etwa vor 1500 Jahren nach Madagaskar kamen, hatten keinerlei schriftliche Zeugnisse oder Spuren hinterlassen. Erst Linguisten entdeckten die Verwandtschaft des Madagassischen zu der Sprachfamilie, zu der außer dem Indonesischen und Malaiischen auch polynesische Sprachen wie das Hawaiianisch gehören. Zum Arabischen oder zum Suaheli besteht keine Sprachverwandtschaft, obwohl das Madagassische etliche Wörter aus dem Arabischen und afrikanischen Sprachen übernommen hat.

Frage 5 von 8
Welche Sprache wurde am häufigsten verboten?

a) Kurdisch ❌

b) Jiddisch ❌

c) Esperanto ✔️

Das Esperanto, 1887 von dem polnischen Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof als künstliche Welthilfssprache entwickelt, wurde in den Jahrzehnten danach in vielen Ländern besonders von internationalistisch und pazifistisch gesinnten Menschen gelernt und verwendet. Diese Haltung war vielen Regierungen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg suspekt, und das Esperanto war deshalb nicht nur in Nazideutschland verboten, sondern auch in der stalinistischen Sowjetunion, im Spanien der Franco-Zeit, in China und anderswo. Auch in den USA wurde das Esperanto in der McCarthy-Ära mit Argwohn betrachtet.

Frage 6 von 8
Das !Kung in Namibia besitzt besonders viele Konsonanten. Wie viele sind es?

a) 53 ❌

b) 117 ✔️

c) 86 ❌

Das !Kung ist eine Sprache der kleinen Kx’a-Familie im südwestlichen Afrika und berühmt dafür, dass es die meisten unterschiedlichen Konsonanten besitzt. Wie andere Sprachen der Region hat es viele Schnalzlaute (wie den mit !k bezeichneten Laut). Solche Laute werden zwar auch von Sprechern des Deutschen verwendet – etwa um ein Pferd in Trab zu bringen. In den Sprachen Südwestafrikas werden sie aber auch in normalen Wörtern verwendet und mit Vokalen kombiniert. Probieren Sie es – sehr kompliziert!

Frage 7 von 8
Was ist eine Pidgin­Sprache?

a) Brieftaubenkommunikation – die Vorform eines Telegramms ❌

b) Das rituelle Murmeln bei heidnischen Kulthandlungen ❌

c) Eine Behelfssprache mit rudimentärer Grammatik ✔️

Der Ausdruck Pidgin wurde zuerst für das Pidgin-Englisch (entstanden aus business English) in Südchina verwendet, das dort im 19. Jahrhundert für Handelszwecke gesprochen wurde. Unter ähnlichen Bedingungen bildeten sich etliche solcher Behelfssprachen mit allenfalls rudimentärer Grammatik, ähnlich dem Ausländerdeutsch. Im Tok Pisin Neuguineas etwa heißen „die drei Schweinchen“ tripela liklik pik, was eigentlich dem Englischen three fellow little pig entstammt. Aber pela (aus fellow, „Kerl“, entstanden) ist heute eine grammatische Endung, die Zahlen und Adjektive kennzeichnet.

Frage 8 von 8
Für welche weitere Leistung ist der Märchen­ sammler Jacob Grimm berühmt?

a) Er beschrieb lautliche Beziehungen des Deutschen zu Latein, Griechisch und zu Sprachen Indiens ✔️

b) Er entzifferte die germanische Runenschrift ❌

c) Er entwickelte die Universallautschrift IPA ❌

Jacob Grimm beschrieb ausführlich die regelhaften Lautbeziehungen zwischen verwandten Wörtern des Germanischen und den anderen indoeuropäischen Sprachen: den Wandel von p zu f (Sanskrit pitr, Latein pater, Griechisch pateras p Englisch father, Deutsch „Vater“), von t zu th (Latein tres p Englisch three) und von k zu h (Latein cor p Deutsch „Herz“). Diese sogenannte germanische Lautverschiebung wird auch Grimmsches Gesetz genannt.

GEO Nr. 07/13 - Gesellschaft: Einfach besser leben

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