Antibiotika Zu viele Wunderdrogen

Der Antibiotika-Konsum steigt rasant an, weltweit und in Europa. Gleichzeitig sind immer mehr Krankheitserreger gegen alle gängigen Wirkstoffe resistent
Zu viele Wunderdrogen

In Griechenland verschreiben Ärzte fast dreimal so viele Antibiotika (definierte Tagesdosen je 1000 Einwohner) wie in den Niederlanden

Die Zukunft der Medizin: Sie könnte aussehen wie die Vergangenheit, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Eine Zeit, in der Halsentzündungen oder kleine Wunden tödlich sein können, weil Medikamente nichts nützen gegen die Bakterien. Weil Antibiotika, die Wunderdrogen, wirkungslos geworden sind. 700 000 Menschen jährlich sterben gegenwärtig an antibiotikaresistenten Mikroben. Bis 2050 könnte die Zahl auf zehn Millionen anwachsen, schätzt eine Studie im Auftrag der britischen Regierung. Dass immer mehr Erreger gegen verfügbare Wirkstoffe resistent sind, liegt auch daran, dass Antibiotika weltweit zu häufig eingesetzt werden. Ein Großteil des Gesamtverbrauchs entfällt auf die Massentierhaltung – in den USA sind es rund 80 Prozent.

76 % des starken Anstiegs beim weltweiten Antibiotika-Verbrauch entfallen auf nur fünf Schwellenländer

Allein zwischen 2000 und 2010 ist der globale Verbrauch um 36 Prozent gestiegen. Mehr als drei Viertel dieses Anstiegs entfielen auf nur fünf Länder: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Auch in Europa gibt es große Unterschiede: In Griechenland verschreiben Ärzte fast dreimal so viele Antibiotika (definierte Tagesdosen je 1000 Einwohner) wie in den Niederlanden, in Italien mehr als doppelt so viele wie in Schweden. Um die Resistenzen einzudämmen, muss der Einsatz der Wirkstoffe begrenzt werden – und es müssen neue gefunden werden. Die Forschung von Pharmaunternehmen konzentriert sich stattdessen auf chronische Erkrankungen. Die bislang letzte komplett neue Klasse von Antibiotika, die Marktreife erreichte, wurde vor fast 30 Jahren entdeckt.

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