Greenwashing Greenwashing: Grünes Mäntelchen für schwarze Schafe

Eigentlich eine gute Sache: Umweltschutz wird immer mehr Menschen wichtiger. Sie greifen vermehrt zu Produkten, die als klimafreundlich angepriesen werden. Doch viele sind nicht so grün, wie sie behaupten - ein klarer Fall von Greenwashing

Ein freundlich lächelnder grüner Riese stapft munter durch die Landschaft. Zu beschwingter Musik pflanzt er Blumen und pustet graue Wolken beiseite. Der Riese ist auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit bedacht: er setzt Windräder in die Landschaft, baut Gezeitenkraftwerke, hilft Braunkohle abzubauen und rollt auf den ehemaligen Abbauflächen Rasen aus. Doch der "Energieriese" ist nur eine Erfindung - in jeder Hinsicht. Er kümmert sich nicht nur um die Umwelt, sondern auch darum dem Stromkonzern RWE ein grüneres Image zu verpassen. Ist dem Unternehmen Greenwashing vorzuwerfen?

Greenwashing bezeichnet fragwürdige Werbung und PR eines Unternehmens, das umweltfreundliche Leistungen, Aktivitäten oder Produkte öffentlich hervorhebt. Einzelne Aussagen über ein umweltfreundliches Verfahren des Unternehmens sind meist für sich genommen korrekt, betreffen aber nur einen geringen Teil der Unternehmensaktivitäten. Dass das Kerngeschäft eben nicht so "grün" ist, wird verschwiegen.

Klimaschonende Produkte sind ein wichtiger Marktfaktor geworden: Vermehrt greifen Verbraucher zu Produkten, die der Umwelt weniger schaden. Auch die Unternehmen haben das bemerkt und so wird das Thema Nachhaltigkeit immer häufiger für das Produkt- und Firmenmarketing eingesetzt. Sich und seine Produkte in der Öffentlichkeit grüner darzustellen als man wirklich ist, ist bei vielen großen Firmen beliebter denn je. Und Verbraucher fallen reihenweise auf die grüne Masche der Unternehmen rein.

Doch wie kann man zwischen Schein und Sein unterscheiden? Wo hört ehrliche Werbung auf und wo beginnt Verbrauchertäuschung? Das sind zwei kaum zu beantwortende Fragen, sogar für Experten, wie Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Greenwashing ist schwer zu erkennen, nicht alles ist Lug und Trug. Aber natürlich gibt es überall ein paar schwarze Schafe".

Der Verbraucher ist also in jedem Fall selbst angehalten sich vor dem Kauf genauer zu informieren: "Man sollte Aussagen wie "klimaneutral", "umweltfreundlich" und "klimaschonend" nicht unbedingt trauen. Der Verbraucher muss sehr genau hinschauen und auch Angebote vergleichen".

Greenwashing: Grünes Mäntelchen für schwarze Schafe

Die bundesweite Klima-Kampagne "für dich. für mich. fürs Klima" versuchte Verbraucher mit verschiedenen Aktionen für den Klimaschutz zu sensibilisieren

Greenwashing: Grünes Mäntelchen für schwarze Schafe

Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg

Die bundesweite Klima-Kampagne der Verbraucherzentralen "für mich. für dich. fürs Klima" im letzten Jahr hatte es sich zum Ziel gemacht, den Verbraucher in seinem Bemühen um ein klimafreundliches Verhalten zu stärken und für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Im Zuge dessen führten alle 16 Verbraucherzentralen eine Anbieterkontrolle hinsichtlich der Klimafreundlichkeit durch, bei der es weniger um die Imagewerbung, als um die Produktwerbung ging. Das klare Ergebnis: Produkte werden in der Werbung häufig grüner dargestellt, als sie in Wirklichkeit sind. Die Folge waren circa 350 Verfahren wegen unlauterer Werbung, aber auch wegen Verstößen gegen diverse EU-Kennzeichnungsverordnungen von Elektrogeräten. Diese hohe Zahl kann Verbraucherschützer Terborg einfach erklären: "Einige Unternehmen hatten einfach nur fahrlässig gehandelt und die Effizienzklassen für ihre Elektrogeräte nicht geändert". Bei diesen Unternehmen ist nicht unbedingt eine unlautere Intention ersichtlich.

Bei vielen anderen Unternehmen konnte man aber eine klare Absicht erkennen. Abgemahnt wurden unter anderem Edeka, Karstadt, Media Markt, Real oder Rewe. Der Großteil der Firmen gab prompt eine Unterlassungserklärung ab, gegen einige Grünfärber laufen allerdings bis heute Klagen. Doch die Erfolgsquote ist mit acht von neun in erster Instanz gewonnenen Verfahren in Hamburg erfreulich gut.

Greenwashing: Grünes Mäntelchen für schwarze Schafe

Immer häufiger versuchen Firmen ihr Image und ihre Produkte "grün zu waschen"

Auch wenn die Klima-Kampagne mittlerweile beendet ist, setzen sich die Verbraucherzentralen weiterhin für bessere Rahmenbedingungen ein, damit Verbraucher ihren Teil zum Klimaschutz leichter beitragen können. Vor allem sollen neue Gesetze für Werbung mit "grünen" Botschaften angestrebt werden. "Bis jetzt ist das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb eher schwammig im Wortlaut. Im Bereich Umweltwerbung gibt es überhaupt keine Regelung", bemängelt Immo Terborg.

Dieser Missstand erschwert die Arbeit der Verbraucherschützer erheblich, die sich durch die Einleitung von juristischen Verfahren erhoffen, dass die angerufenen Gerichte durch Urteile Standards für die Umweltwerbung setzen.

Natürlich können auch Konsumenten etwas tun und Fälle von Greenwashing direkt bei der zuständigen Verbraucherzentrale melden. Zudem sollten sich Unsichere beispielsweise vor dem Einkauf von Elektrogeräten auf einschlägigen Seiten im Internet, wie dem Öko-Institut, informieren. "Das Ökoinstitut macht seine Ergebnisse jedes Mal der Öffentlichkeit zugänglich, um die Verbraucher für diese Themen zu sensibilisieren und ihnen eine Hilfestellung bei der Kaufentscheidung zu bieten". Die Ergebnisse gehen mit Einkaufs-Tipps und Hinweisen auf entsprechende Ranking-Listen einher.

Dass RWE mit seiner Geschichte vom Energieriesen Greenwashing betrieben hat, ist unstrittig. Der Konzern wirkt durch die Kampagne umweltbewusst und grün, tatsächlich lag der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion im Jahr 2010 aber bei gerade einmal 4,0 Prozent. Doch auch wenn die Kampagne Wellen schlug, juristisch vorgehen kann man bis jetzt nur gegen konkrete Produktwerbung. Sich in der Öffentlichkeit ein grünes Mäntelchen umzuhängen bleibt den Firmen bis auf Weiteres erlaubt.

Portal der Verbraucherzentralen in Deutschland

Die EcoTopTen des Öko-Instituts

Klima-Kampagne "für mich. für dich. fürs Klima"