Elektromobilität 3000 Kilometer mit der Kraft der Sonne

Einmal in Nord-Süd-Richtung durch den Kontinent: Bei der Weltmeisterschaft der Solarmobile in Australien belegte ein deutsches Studententeam von der Hochschule Bochum den zweiten Platz. Wir sprachen mit dem Projektleiter, Melvin Otte

GEO.de: Herr Otte, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz in der Cruiserklasse! Hat ja ein bisschen gedauert, bis Sie wussten, auf welchem Platz Sie gelandet waren ...

Melvin Otte: Wir waren auch nach der Ankunft in Adelaide lange unsicher, ob wir nun auf Platz 2 oder 3 gelandet waren. Denn in dieser neuen Klasse gewinnt nicht einfach der Schnellste. In das Endergebnis fließen mehrere Faktoren ein: gefahrene Zeit, Energieverbrauch, Personenzahl an Bord pro gefahrenem Kilometer, Praktikabilität. Die Konkurrenz aus Eindhoven zum Beispiel hat mit ihrem Viersitzer auf Personenkilometer gesetzt, die Australier auf Schnelligkeit. Wir haben auf einen Mix aus beidem gesetzt - und auf Energieeffizienz. Bei der Siegerehrung wurden wir dann als Runner-up vorgestellt. Dass das den zweiten Platz bedeutet, war uns nicht sofort klar ...

3000 Kilometer mit der Kraft der Sonne

Projektleiter des SunCruiser-Teams aus Bochum: Mechatronik-Student Melvin Otte (m.)

3000 Kilometer mit der Kraft der Sonne

Auf der Ziellinie - fängt das Rechnen an. Denn über die Platzierung entscheidet am Ende nicht nur die gefahrene Zeit

Was war die größte Herausforderung auf der 3000 Kilometer langen Strecke?

Die Spannung zu halten. Man fährt halt acht Stunden hinter einem Fahrzeug her, das die Strecke sichert. Wir hatten unterwegs keine Ausfälle, keine technischen Pannen. Das ist natürlich gut. Aber so schleicht sich auch schnell Langeweile ein. Dabei muss der Fahrer immer hoch konzentriert bleiben. Er darf keine Schlangenlinien fahren, muss Schlaglöchern und totgefahrenen Tieren ausweichen. Auch die Roadtrains, die einem entgegenkommen, sind eine Herausforderung. Die fahren mit 130 Kilometern die Stunde, wiegen 160 Tonnen und schieben eine unheimliche Windmasse vor sich her. Da muss man das Fahrzeug in der Spur halten. An einem Tag hatten wir starken Seitenwind, wurden fast von der Straße gedrückt.

Was war Ihre Aufgabe?

Ich saß hinten im dritten Fahrzeug mit dem Chefmechaniker und Chefelektriker. Wir waren für die Strategie verantwortlich. Ich habe den Ladungszustand der Batterie im Auge behalten und die jeweils ideale Geschwindigkeit errechnet.

Sind Sie nur mit selbst produzierter Sonnenenergie gefahren?

In unserer Klasse konnten wir an drei Punkten unterwegs nachts Strom aus dem Netz laden. Wir fuhren also mit einer Mischung aus Energie aus dem öffentlichen Netz und der Sonnenenergie, die wir auf dem Autodach erzeugen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass unsere alltagstauglichen Fahrzeuge mehr Energie verbrauchen als die aerodynamischen Spezialisten aus der Challenger Class, in der es nur um Geschwindigkeit geht.

Deutschland hat weniger Sonnenstunden als Australien. Sind Solarmobile in Deutschland realistisch?

Wir kommen mit unserer Batterie ungefähr 600 Kilometer weit. Und wenn das Auto mal einen oder zwei Sonnentage steht, dann ist sie auch rappelvoll. An verregneten Herbsttagen sieht das natürlich anders aus.

Geht der SunCruiser aus Bochum demnächst in Serie?

Alltagstaugliche Solarfahrzeuge aus Serienproduktion wird es in naher Zukunft auf unseren Straßen wohl nicht geben. Denn die Solarzellen sind teuer und empfindlich - nicht zuletzt wegen der speziellen Laminatschichten, die den Einfallswinkel der Sonnenstrahlen optimieren. Man könnte damit also nicht in die Waschanlage. Bei uns stand im Fokus, ein hocheffizientes Elektrofahrzeug zu bauen, das Solarzellen nutzt - und alltagstauglich ist. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir die 3000 Kilometer ohne Probleme geschafft haben.

3000 Kilometer mit der Kraft der Sonne

Der Bochumer SunCruiser unterwegs im Outback - ohne Pannen

Die Webseiten des Bochumer SunCruiser-Teams: www.hochschule-bochum.de/solarcar

Die Homepage des Word Solar Challenge 2013: www.worldsolarchallenge.org

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