Ein Wall durch Afrika Das ambitionierteste Umweltprojekt der Welt: Fast zwölf Milliarden Euro für eine grüne Mauer

Die Idee, die Ausbreitung der Sahara mit Wald zu stoppen, ist Jahrzehnte alt. Nun könnte sie Wirklichkeit werden
Bäume in der Sahara

Bäume sollten die Ausbreitung der Sahara nach Süden stoppen

Zum Abschluss des „One Planet Summit“ in Paris machten die über 100 Teilnehmerstaaten kürzlich eine gewichtige Zusage: Die Regierungen wollen bis 2025 umgerechnet 11,8 Milliarden Euro zur Verfügung stellen – um eine Mauer zu bauen. Quer durch Afrika.

Die Idee der Great Green Wall („Große grüne Mauer“): Ein fast 8000 Kilometer langer und 15 Kilometer breiter Streifen aus Bäumen, der die Ausbreitung der Sahara in Richtung Süden stoppen soll. Zwischen Dakar an der West- und Dschibuti an der Ostküste des Kontinents soll ein grüner Flickenteppich aus Wäldern und Grünland mit lockerem Baumbestand entstehen. Denn Bäume verringern die Verdunstung von Bodenfeuchtigkeit und verbessern die Bodenfruchtbarkeit.

"Die große, grüne Mauer ist ein inspirierender und ehrgeiziger Versuch, eine dringende Lösung für zwei der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu finden, nämlich die Wüstenbildung und den Verlust fruchtbarer Böden", sagte die Klimawandel-Expertin Janani Vivekananda der Deutschen Welle.

Das Umweltprojekt ist das wohl ambitionierteste der Gegenwart. Das grüne Band am Rand der Wüste soll sich durch elf Länder schlängeln. Innerhalb der kommenden zehn Jahre sollen 100 Millionen Hektar unfruchtbar gewordenes Land wiederhergestellt, 250 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Holz und Boden gebunden und zehn Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden.

Auch erste Erfolge gibt es schon: So wurden in Äthiopien 5,5 Milliarden Setzlinge gepflanzt und 151.000 Hektar Fläche wieder aufgeforstet. In Nigeria wurden fünf Millionen Land wiederhergestellt; im Zusammenhang mit den Maßnahmen entstanden 20.000 Jobs. Und in Senegal wurden elf Millionen Bäume gepflanzt und 25.000 Hektar Land wiederhergestellt.

Die Idee stammt aus den 1980er-Jahren

Die Anfänge des Projekts reichen bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Doch für die Verwirklichung des Projekts fehlte es bislang nicht nur am politischen Willen – sondern auch an Geld. Mit den nun zugesagten Mitteln könnte der nötige Schwung in die Umsetzung kommen. Mit dem Beschluss, sagte der Präsident der früheren Kolonialmacht Frankreich, Emmanuel Macron, bereite man „das Afrika von 2030“ vor.

Great Green Wall

An der größten Pflanzaktion der Menschheitsgeschichte sollen sich Menschen vor Ort beteiligen - und davon profitieren

Und das ist bitter nötig. Denn die Sahelzone ist besonders von den Folgen der Klimaerwärmung betroffen. Bis zum Ende des Jahrhunderts, prognostizieren Experten, könnte sich die ohnehin trockene Region südlich der Sahara um bis zu sechs Grad zusätzlich aufheizen. Eine weitere Ausbreitung der Wüste wäre kaum zu verhindern. Besonders kritisch: Die Bevölkerung in den vom Vormarsch der Wüste betroffenen Regionen könnte bis 2100 von heute 150 Millionen Menschen auf mehr als das Doppelte anwachsen. Deren Lebensmittelversorgung wäre in Gefahr. Und viele der Sub-Sahara-Länder leiden schon heute unter den Terror und Bürgerkriegen.

Ob das nun eingesammelte Geld reicht, ist allerdings fraglich. Ein UN-Bericht weist darauf hin, dass pro Jahr zwischen 3,1 und 3,7 Milliarden Euro benötigt werden – bis zur Fertigstellung des Projekts im Jahr 2030 also schätzungsweise 31 bis 37 Milliarden Euro.

Der „One Planet Summit“ ist eine Initiative von Frankreich, der Weltbank und den Vereinten Nationen. Er steht seit 2017 unter dem Motto „Lasst uns nicht warten, bis es zum Handeln zu spät ist“. Erklärtes Ziel ist es, die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beschleunigen – und Investitionen in Klimaschutz und Biodiversität zu fördern.