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Treibhauseffekt Warum der CO2-Gehalt der Atmosphäre trotz weltweiter Lockdowns steigt

Atmosphäre
Vom Observatorium Mauna Loa, Hawaii, wurde im September 2020 eine CO2-Konzentration von 411,3 ppm gemessen. Dieser Wert wurde seit Millionen Jahren nicht erreicht
© Chaleephoto / shutterstock
An manchen Tagen sanken die Emissionen in diesem Jahr pandemiebedingt um bis zu 17 Prozent. Doch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter. Wir erklären, warum

Als das Corona-Virus sich im Frühjahr weltweit ausbreitete und pandemie-bedingt große Teile der Wirtschaft und des Verkehrs lahmlegte, sahen Klimaschützer einen Silberstreif am Horizont. Die einen hofften, die radikalen Verhaltensänderungen könnten eine Blaupause für klimafreundliches Verhalten und Wirtschaften sein. Andere bejubelten mit der gebotenen Zurückhaltung den Einbruch der Emissionen – als Atempause für das Klima.

Zumindest die Hoffnung der Letzteren zerstört nun eine Meldung der UN-Wetterorganisation. Die World Meteorological Organisation (WMO) meldete am Montag: Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre ist nicht zurückgegangen – sondern steigt weiter.

Die Emissionen – so heißt es in dem Bericht – könnten über das Jahr gesehen und weltweit zwar im Schnitt um 4,2 bis 7,5 Prozent zurückgehen. An einzelnen Tagen waren es sogar bis zu 17 Prozent. Doch das heißt nicht, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre sich im gleichen Maß verringert.

Diese Konzentration des wichtigsten Treibhausgases, angegeben in Teilen pro Millionen Teile (ppm), ist für die Aufheizung der Atmosphäre das entscheidende Maß.

Der Wert von 400 ppm wurde erstmals im Jahr 2015 überschritten. Zuletzt stieg er sogar schneller als in den Jahren zuvor. Im Jahr 2019 erreichte die Konzentration mit 410,5 ppm einen seit drei bis fünf Millionen Jahren nicht erreichten Höchststand. Damals war es laut WMO auf der Erde im Schnitt zwei bis drei Grad Celsius wärmer – und der Pegel der Ozeane zwischen 10 und 20 Meter höher.

Wie eine Badewanne, die nur langsamer vollläuft

Warum weniger Emissionen für das Klima keine unmittelbare Entlastung bedeuten, erklärte die britische Wetterbehörde Met Office schon im Mai dieses Jahres so: Es sei so, als würde man eine Badewanne volllaufen lassen. Wenn man den Hahn zeitweilig etwas zudreht, dann steigt der Wasserspiegel in der Wanne trotzdem – nur langsamer.

Das Problem ist die Langlebigkeit von CO2. Zwar absorbieren Ozeane und die Pflanzendecke der Erde einen Großteil des Gases. Doch der Rest erhöht die Konzentration um Bruchteile. „Kohlendioxid“, sagte der WMO-Generalsekretär Petteri Taalas laut der Pressemitteilung, „bleibt jahrhundertelang in der Atmosphäre - und noch länger im Ozean“.

„Nur eine kleine Delle“

In der Kurve, die die CO2-Konzentration im Zeitverlauf zeigt, wird die Pandemie wohl nur als "kleine Delle" sichtbar werden, so Taalas weiter. Dabei liegt die Verlangsamung des Anstiegs sogar noch unterhalb der möglichen, natürlichen Schwankungsbreite: Wie viel CO2 tatsächlich von Ozeanen und Landflächen aufgenommen wird, variiert von Jahr zu Jahr. Die WMO-Experten rechnen damit, dass der Anstieg der CO2-Konzentration durch die verringerten Emissionen um 0,08-0,23 ppm pro Jahr abgeflacht wird. Die natürliche Schwankungsbreite beläuft sich aber auf 1 ppm.

"Was wir brauchen", sagt Petteri Taalas in Anspielung auf einen Slogan aus der Anfangszeit der Pandemie, "ist eine nachhaltige Abflachung der Kurve".


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