Bio-Kunststoffe Toxische Substanzen in zahlreichen Bioplastik-Produkten nachgewiesen

Ein internationales Forscherteam fand in Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen bis zu 20.000 verschiedene Chemikalien. Einige von ihnen sind toxisch
Bioplastik

"Bioplastik" galt einmal als Hoffnungsträger. Aus nachwachsenden oder natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt, sollte es Kunststoffe aus Erdöl ersetzen – und sich am Ende auch noch völlig ungiftig in Luft auflösen. Doch die Hoffnung erwies sich als trügerisch. In der Ökobilanz, so viel steht heute fest, sind biobasierte Kunststoffe nicht in jedem Fall besser als erdölbasierte. Jetzt fanden Forscher heraus: Produkte aus Cellulose oder Stärke enthalten tausende verschiedene Chemikalien - und einige von ihnen können gesundheitsschädlich sein.

Für die bislang größte Laborstudie dieser Art hatten Forscher des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen und der Goethe-Universität Frankfurt 43 Produkte aus biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen analysiert. Darunter Einweggeschirr, Schokoladenverpackungen, Trinkflaschen, Weinkorken und Zigarettenfilter. In der Mehrzahl der Produkte fanden die Wissenschaftler über 1000, in Einzelfällen sogar mehr als 20.000 verschiedene Substanzen.

Besonders besorgniserregend: Drei von vier Produkten enthielten Substanzen, die sich in Tests mit lebenden Zellen als toxisch erwiesen: Genauso viele wie bei Produkten aus konventionellem Kunststoff.

Tausende chemische Zutaten im Produktionsprozess

Die Studie zeigt, dass nicht so sehr der Ausgangsstoff, sondern vor allem die Zutaten in den weiteren Produktionsschritten und sich neu bildende Substanzen für den bedenklichen Chemikalien-Mix sorgen. Und der kann bei jedem Produkt sehr verschieden sein. „Eine lebensmittelechte Tüte aus Bio-Polyethylen kann toxische Substanzen enthalten, ein Weinkorken aus dem gleichen Material muss das nicht zwangsläufig – und umgekehrt“, erklärt Co-Autor Martin Wagner von der Universität Trondheim. Das mache es fast unmöglich, allgemeingültige Aussagen zur Sicherheit bestimmter Materialien zu treffen.

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Egal, ob konventionell oder "bio": "Für Verbraucher und Verbraucherinnen ist nicht nachvollziehbar, ob sie im Alltag mit bedenklichem Plastik in Berührung kommen", sagt Carolin Völker, die die Forschungsgruppe PlastX am ISOE leitet. Sie fordert, das Thema Sicherheit von konventionellen ebenso wie biobasierten Kunststoffen auf die politische Agenda zu setzen. Denn noch sei zu wenig über die Auswirkungen von Chemikalien in Kunststoffen bekannt, weitere Studien dringend notwendig.