Lebensmittelverschwendung Tiefkühlkost - ein Mittel gegen die Essensvergeudung?

Tiefkühlprodukte können dabei helfen, weniger Essen wegzuwerfen. Doch wie steht um die Ökobilanz?
Tiefkühlkost

Unzerteilte Kohlköpfe stellen viele Verbraucher vor ein Problem: Ein Rezept erfordert eine „Handvoll Brokkoliröschen“, der Supermarkt bietet das Gemüse jedoch nur im Ganzen an. Tiefkühlgemüse ist dagegen portionierbar, hat entgegen früheren Annahmen dauerhaft einen hohen Vitamingehalt – und lässt sich horten.

Doch kostet das Einfrieren nicht viel Energie? Um Keime abzutöten, wird das Gemüse direkt nach der Ernte mit heißem Wasser oder Dampf blanchiert, anschließend bei rund minus 40 Grad Celsius schockgefrostet. Das Umweltbundesamt etwa gibt für Tiefkühlgemüse eine fast dreimal schlechtere CO2-Bilanz an als für frisches.

„Wenn man das Ganze mit etwas Abstand betrachtet, wird klar, dass auch frische Lebensmittel verarbeitet werden, um sie vom Feld in den Supermarkt zu bringen: Vor allem beim Transport müssen sie über einen längeren Zeitraum gekühlt werden“, erklärt Andrea Collins von der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC). Es komme also darauf an: Hat das Gemüse gerade Saison, stammt aus der ­Region und hat somit nur einen kurzen Transportweg, ist es besser, die frische Version zu kaufen. Wer Gemüse außerhalb der Saison oder tropisches Obst essen will, sollte zu Gefrorenem greifen.

Große Unterschiede bei Tiefkühlteigwaren

2012 hat das Öko-Institut in Freiburg (im Auftrag des Deutschen Tiefkühlinstituts) eine Bilanz für gefrorene Nahrungsmittel gezogen: In die Berechnung sind sämtliche Schritte wie Transport, Verpackung und Verbraucherverhalten eingeflossen. Bei Aufbackbrötchen zeigten sich die größten Unterschiede: Der Vorteil der Tiefkühlteigwaren sei, dass sie zu 97 Prozent fertig gebacken sind, sobald sie eingefroren werden. Das reduziert die Backzeit zu Hause – und da Industrie­öfen effizien­ter als heimische Backöfen sind, verschlechtert sich bei diesen die Klimabilanz. Auch das Modell­essen „Hühnerfrikassee“ ist laut Studie nicht umweltschädlicher als die gleiche Mahlzeit, selbst gekocht.

Insgesamt gilt: Um Verschwendung vorzubeugen, ist es wichtig, die richtige Menge an Lebensmitteln einzukaufen – das kann mit Tiefkühlprodukten leichter fallen. Collins ergänzt, dass sich auch zu Hause mehr einfrieren lässt, als vielen bewusst sei: Brot, Teig, Butter, Fleisch, frische Kräuter, Pilze; sogar Nüsse, Käse und süße Sahne bleiben im Gefrierschrank über Monate genießbar.

Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem: Ein Drittel der weltweit produzierten Nahrung wird nie gegessen. Auf der Suche nach einem Schuldigen zeigt sich: Die Vergeudung lauert da, wo man sie nicht erwartet: In einer fünfteiligen Serie gehen wir auf überraschende Erkenntnisse zum Thema Lebensmittelverschwendung ein. Teil 1 können Sie hier lesen, Teil 3 finden Sie hier.

PACKEN WIR'S AN!

Eine Allianz für Nachhaltigkeit: Dieser Beitrag ist Teil der Nachhaltigkeitswochen „Packen wir’s an – für verantwortungsvolles Essen“ der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch GEO als Teil von Gruner + Jahr gehört. Mit der vereinten Kraft und Reichweite unserer journalistischen Angebote wollen wir maximale Aufmerksamkeit schaffen und Wissen vermitteln – für eine nachhaltige und bewusste Ernährung. #PACKENWIRSAN

GEO Nr. 10/2020 - Die Germanen
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