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Be­sorg­nis­er­re­gende Studie Schwimmt im Meer zehnmal so viel Plastik wie angenommen?

Be­sorg­nis­er­re­gende Studie: Wird nicht nur die deutlich sichtbare Plastikverschmutzung der Meere betrachtet, sondern auch die tieferen Wasserschichten, dann ist die Beeinträchtigung der Weltmeere deutlich schlimmer als bisher angenommen
Wird nicht nur die deutlich sichtbare Plastikverschmutzung der Meere betrachtet, sondern auch die tieferen Wasserschichten, dann ist die Beeinträchtigung der Weltmeere deutlich schlimmer als bisher angenommen
© Larina Marina / shutterstock
Acht Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Weltmeeren – bisherigen Schätzungen zufolge. Diese Zahl muss möglicherweise nach oben korrigiert werden – um das Zehnfache

Wie viel Kunststoff treibt in den Weltmeeren, und wie viel kommt jährlich hinzu? Fragen, die bislang mit ungefähren Zahlen beantwortet wurden. Viel zu kleinen, wenn ein Forscherteam um Richard Lampitt und Katsiaryna Pabortsava vom britischen National Oceanography Centre recht hat.

Für ihre Studie, veröffentlicht im Fachblatt Nature Communications, nahmen die Wissenschaftler im Atlantik Proben nicht nur aus oberflächennahen Wasserschichten, wie bei früheren Untersuchungen, sondern bis in eine Tiefe von 200 Meter. Das Ergebnis:

Der Atlantik enthält demnach in den oberen 200 Metern zwischen zwölf und 21 Millionen Tonnen der Verpackungsmaterialien Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol – in Form von Nanoplastik von einer Größe zwischen 32 und 651 Mikrometern, also überwiegend dünner als ein Haar. Allein die Masse dieser drei Kunststoffarten übersteigt die bislang angenommene Gesamtmenge für diesen Ozean um das Zehnfache.

Weitaus mehr Plastik als erwartet

Da auch andere Größen von Plastikbruchstücken vorkommen und die Forscher in tieferen Wasserschichten und im Sediment weiteren Kunststoffmüll vermuten, nehmen sie an, dass nicht nur die bisherigen Schätzungen zum Vorkommen viel zu niedrig angesetzt wurden – sondern auch die Angaben zum gesamten Plastik-Eintrag seit 1950.

Frühere Schätzungen konzentrierten sich vor allem auf größere Plastikfragmente, die über die Flüsse und mit dem Wind ins Meer gelangten. Möglicherweise wurden Einträge von Schiffen, aus alten Müllkippen und Mikroplastik, aus Kosmetika und anderen Quellen bislang unterschätzt, so die Forscher.

Über die Auswirkungen von Mikroplastik auf Meeresorganismen ist bislang wenig bekannt. Experimente deuten darauf hin, dass mikroskopische Plastikteile den Verdauungstrakt von Meereslebewesen verstopfen und den Appetit verringern. Einige Stoffe können auch hormonell wirken.


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