Amsterdam Clevere Erfindung: Mit Blubberblasen gegen den Plastikmüll

Tonnenweise landet jedes Jahr Müll in Amsterdams malerischen Grachten. Eine neue Erfindung sammelt nun die Plastikteile ein. Sie funktioniert mit: Luft
The Great Bubble Barrier

Der Schaum auf der Wasseroberfläche zeigt an, dass der Luftblasenvorhang diagonal verläuft – so treibt Abfall automatisch in ein Sammelbecken

Tüten, bunte Trinkhalme und Flaschen in allen Formen und Farben dümpeln durch die malerischen Grachten Amsterdams. Aus den Kanälen der niederländischen Hauptstadt fischen Müllboote täglich über 3500 Kilogramm Abfall – ein großer Teil davon ist Plastik.

Der restliche Kunststoffmüll treibt irgendwann ins Meer: „Laut wissenschaftlichen Schätzungen werden weltweit 60 bis 80 Prozent des Plastiks in den Meeren aus den Flüssen und Kanälen dorthin getragen. Deshalb ist es so wichtig, dass das Plastik schon vorher aufgehalten wird“, erklärt Philip Ehrhorn, Schiffs- und Meerestechniker aus Hannover. Er ist Miterfinder der „Great Bubble Barrier“, einer Vorrichtung, die Plastikmüll mit Luftblasen abfangen soll.

2016 begann das Team mit eini­gen Prototypen, seit Herbst 2019 ist ihre erste ­Konstruktion im Westerdok-Kanal in Amsterdam installiert: Am Kanalgrund liegt ein Schlauch verankert, durch den ein Gebläse mit Druck Luft presst. In den Schlauch selbst sind Löcher eingelassen. Durch sie strömt die Luft hinaus, Tausende Blasen steigen gen Oberfläche. Sie bilden einen perlenden Vorhang: Plastikteile ab einer Größe von einem Millimeter sammeln sich an dieser Barriere.

Der Schlauch wird diagonal zur Strömung platziert, der aufgefangene Müll treibt automatisch in ein Sammelbecken am Rand des Gewässers. Dort kann er zum Beispiel von Booten aus eingesammelt werden. „Der große Vorteil besteht darin, dass die ­Great Bubble Barrier im Gegensatz zu den Müllschiffen rund um die Uhr im Einsatz sein kann und auch Plastik auffängt, das unter der Wasseroberfläche treibt. Außerdem können Fische und Schiffe ungehindert durchschwimmen“, so Ehrhorn.

Gegen Mikroplastik kann die Erfindung wenig ausrichten

Momentan untersucht sein Team noch, ob wirklich alle Fische die Barriere passieren oder ob es Arten gibt, die mit dem Luftstrom unter Wasser nicht klarkommen. Außerdem besteht die Frage, ob kleine, leichte Larven durch die dichten Blasen gelangen können. Dafür plant das Start-up Fischpassagen unter oder an der Seite der Barriere, indem der Schlauch zum Beispiel nicht auf dem Boden verankert, sondern leicht über dem Grund schwebend installiert wird. Gegen Mikroplastik, also Teilchen mit einer Größe von unter einem Millimeter, kann die Erfindung derzeit nur wenig ausrichten: Bisher heften sich die Stückchen eher zufällig als Beifang an das restliche Plastik.

„Great Bubble Barrier“ bald weltweit im Einsatz?

Derzeit forscht das Team daran, wie die Luftblasen auch die kleinsten Teile effektiv auffangen könnten. In den kommenden Jahren möchten die Erfinder dafür sorgen, dass die Blasenbarriere weltweit einsetzbar wird. 

Asiatische Flüsse wie der Jangtsekiang oder der Mekong tragen mehrere Millionen Tonnen Plastik pro Jahr in die Meere. Trotzdem betont Ehrhorn, dass die Barriere nur eine Übergangslösung sein kann: „Wir sammeln Daten, wie viel und welche Art Plastik in den Flüssen landet. Darüber ziehen wir dann Rückschlüsse über die Herkunft des Mülls und beraten uns mit der Stadt und den Behörden, wie man verhindern kann, dass er überhaupt in die Flüsse hineingelangt. Irgendwann soll unsere Barriere überflüssig sein.“