Individueller Klimaschutz "Was bringt es, wenn ich verzichte?"

Viele glauben, beim Klimaschutz gar nicht erst anfangen zu müssen - weil das, was Einzelne leisten können, ohnehin zu wenig sei. Das ist ein Trugschluss
"Was bringt es, wenn ich verzichte?"

Was kann der Einzelne mit seinem Handeln bewirken?

Im Jahr 1968 beschrieb der US-amerikanische Ökologe Garrett Hardin ein merkwürdiges Problem. Er nannte es die »Tragik der Allmende«.72 Allmenden sind Gemeingüter, wie sie in der Landwirtschaft früher üblich waren. Zum Beispiel Wälder und Weiden, die von mehreren Viehbesitzern gemeinsam genutzt wurden; nach einem Plan trieb jeder seine Kühe auf die Weide, wo sie sich satt fraßen. Das Problem beginnt, wenn ein einzelner Bauer auf die Idee kommt, eine Kuh mehr als eigentlich erlaubt auf die Weide zu schicken. Der Vorteil für ihn liegt auf der Hand. Das merken auch die anderen Bauern – und machen es genauso. Dieses Verhalten zum eigenen Vorteil hat allerdings einen gewaltigen Nachteil. Denn die Überweidung führt dazu, dass das Gras sich nicht ausreichend erholen kann. Die Weide wird magerer, im Extremfall verwandelt sie sich in eine Wüste.

Kleiner Vorteil für den Einzelnen, großer Nachteil für alle

Der kleine Vorteil, den sich jeder ergaunert, führt mit der Zeit zu einem Nachteil für alle: zum Totalausfall. Als solche Allmenden kann man auch die Weltmeere verstehen, die von den Menschen für die Fischerei genutzt und von manchen Unternehmen und Staaten mit schwimmenden Fischfabriken regelrecht leer gefischt werden. Auch die Erdatmosphäre kann man als Allmende verstehen – als gemeinschaftlich genutztes Endlager für CO2-Müll. So wie eine Weide eine begrenzte »Beweidungskapazität« hat, sind die Meere nicht unerschöpflich, ist die CO2-Aufnahmekapazität der Atmosphäre begrenzt.

Das Problem: Jeder Einzelne hat heute in den Industrienationen Teil an der Übernutzung solcher natürlichen Allmenden. Wir sind alle Bauern, die ein bisschen mehr Vieh auf die Weide schicken, als gut wäre.

Cover "Das Klimaparadox" von Peter Carstens

Während der Kollaps des Klimas durch Wetterkapriolen und -katastrophen in unser Bewusstsein dringt, wird die Kluft zwischen Wissen und Handeln immer größer. Doch nicht nur Regierungen und Weltklimakonferenzen versagen dabei, die größte Herausforderung der Gegenwart zu bewältigen. Sondern wir alle. Peter Carstens entlarvt in seinem Buch "Das Klimaparadox" die Ausreden und Rechtfertigungsmuster, mit denen wir uns selbst ausbremsen.

"Welchen Vorteil habe ich?"

Egal, ob es um Urlaubsflüge, die Größe des Neuwagens oder das tägliche Stück Fleisch geht: Wir wissen, dass es eigentlich besser wäre, nicht zu fliegen, den kleineren Wagen zu kaufen oder weniger Fleisch zu essen. Trotzdem stellen sich viele die Frage: Warum soll ausgerechnet ich auf etwas verzichten, wenn alle anderen es nicht tun? Oder: Welchen Lohn bekomme ich dafür?

Die Antwort ist: Weil der Vorteil des Einzelnen allen schadet. Wenn alle Menschen so viele Emissionen erzeugten und Ressourcen verbrauchten wie jeder Deutsche, benötigten wir fast drei Erden. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Jeder Einzelne kann – zum Wohl aller – auf diese Übernutzung der Erde verzichten. Freiwillig. Weil es sich besser anfühlt. Und weil es sozial verantwortlich ist.