Ernährung Wie künstliche Shrimps die Natur schützen

Die Zucht von Garnelen in Aquafarmen erzeugt, relativ gesehen, mehr CO2 als die Rinderzucht. Ein Start-up aus Singapur reproduziert das Krustentierfleisch daher im Labor: Das Kunstprodukt schont Meer und Mangroven, ist frei von Antibiotika und Mikroplastik
Wie künstliche Shrimps die Natur schützen

Vor allem für Teigtaschen oder Sommerrollen würde sich künstliches Garnelenfleisch eignen. Es soll zuerst in Luxusrestaurants auf die Karte kommen

Anfangs seien sie nur „diese zwei verrückten Wissenschaftlerinnen“ gewesen, erinnern sich Sandhya Sriram und Ka Yi Ling an den Start ihrer Firma Shiok Meats. „Wir hatten eine Idee, aber kein Patent und keine Investoren.“

Zwei Jahre später können sie Interessenten bereits ein Produkt servieren: Teigtaschen, gefüllt mit künstlichem Shrimpsfleisch. Shiok Meats aus Sin­gapur könnte die erste Firma sein, die Meeresfrüchte aus dem Labor verkauft. Bislang gibt es derartige Versuche vor allem mit Rind- und Hühnerfleisch.

Doch gerade in Asien ist der Hunger nach Krustentieren groß: Allein in China verspeisen die Menschen jährlich 3,6 Millionen Tonnen. Gezüchtet werden diese Tiere meist in Aquafarmen. Diese Anlagen gelten als ökologisch bedenklich: Oft werden zu viele Shrimps auf zu engem Raum gehalten, weshalb das Wasser schnell verdreckt und sich Krankheiten ausbreiten – auch außerhalb der Farmen. Züchter gehen dagegen mit großen Mengen Antibiotika vor, die so auch ins offene Meer geraten.

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Klimaforscher betrachten es zudem mit Sorge, dass für die Becken weite Mangrovenflächen gerodet werden. Die Küstenwälder gelten im Kampf gegen den Klimawandel als besonders wertvoll: Sie speichern enorm viel Kohlendioxid, mehr als zum Beispiel manche Regenwälder, die für die Zucht von Rindern gefällt werden. Forscher in Jakarta haben dementsprechend errechnet, dass für ein Kilogramm Garnelen viermal so viel CO2 freigesetzt wird wie für ein Kilogramm Rindfleisch.

Shrimps aus dem Labor sind noch ein Luxusprodukt

Shrimpsfleisch aus dem Labor dagegen schont Meerwasser und Mangroven, es ist außerdem frei von Antibiotika, Mikroplastik und Schwermetallen. Um das Fleisch herzustellen, entnimmt das Team von Shiok Meats Stammzellen aus Garnelen und setzt sie in eine Nährlösung. Darin wachsen die Zellen binnen weniger Wochen heran, bis das Fleisch verkaufsfertig ist.

Derzeit kann das Unternehmen der beiden Gründerinnen, die lange Zeit in der Stammzellenforschung gearbeitet haben, ein Kilogramm Shrimpsfleisch für 500 Euro anbieten. Bis Ende 2020 soll der Preis auf 50 Euro sinken. Dann wären die Garnelen aus der ­Petrischale konkurrenzfähig mit herkömmlichen Produkten. Angeboten werden sie bisher in gehackter Form – Fleisch mit ­authentischem Bissgefühl künstlich herzustellen ist schwierig. Doch Shiok Meats will auch daran arbeiten. Und hat noch größere Ziele: Als Nächstes wollen sich die beiden Forscherinnen an Hummerfleisch versuchen.