Plastikstraßen Kunststoffabfall macht Straßenbelag langlebiger - und günstiger

Plastikentsorgung mal anders: Ein schottisches Unternehmen hat einen Straßenbelag entwickelt, das neben Asphalt auch Plastik enthält. Im schweizerischen Zermatt ist nun ein Pilotprojekt gestartet
Plastikstraße Zermatt

In Zermatt wurde erstmals eine Straße mit dem Straßenbelag asphaltiert

Müll pflastert seit wenigen Wochen einen Straßenabschnitt in Zermatt: Dem Asphalt dort sind geschredderte Plastikabfälle beigemengt. Die Schweizer Gemeinde will so ihre Müllberge reduzieren – und hofft außerdem, ihre Straßen mit dem neuen Belag länger vor Schlaglöchern und Rissen im Asphalt schützen zu können. Denn Plastikstraßen sind stabiler als herkömmliche Verkehrswege: Der Kunststoff verleiht dem Material Geschmeidigkeit, sodass es wahrscheinlich Temperaturschwankungen besser verträgt.

Die Alpenregion sei daher eine „spannende Testregion“, so der Entwickler des schweizerischen Plastikasphalts, das schottische Unternehmen MacRebur: In Zermatt herrschen winters Temperaturen bis minus 15 Grad, sommers steigen sie auf bis zu 30 Grad.

Wie in der Schweiz setzen weltweit bereits etliche Gemeinden auf solche Asphaltmischungen. In Indien wurden bis dato schon mehr als 100.000 Kilometer Plastikstraße verlegt, auch in Australien und Großbritannien, Uganda und Bhutan versuchen einzelne Regionen, so die Kunststoffmengen auf ihren Mülldeponien zu reduzieren.

Denn oft gibt es kein zuverlässiges Recyclingsystem, oder vorhandene Anlagen scheitern an Verbundstoffen, Materialien also, die sich aus verschiedenartigen Werkstoffen zusammensetzen. Für den Straßenbau aber kann nahezu jede Art von Kunststoffmüll verwendet werden: Einkaufstüten, Schaumstoffbecher oder Industrieabfälle. Sie werden geschreddert und in Mischanlagen eingeschmolzen.

Der Plastikanteil in der neuen Asphaltmischung ist zwar gering – je nach Hersteller 0,3 bis etwa 15 Prozent. Diese Mengen genügen aber, um den Gehalt an Bitumen deutlich zu reduzieren, den konventioneller Asphalt enthält: Bitumen wird aus Erdöl hergestellt.

Neu ist die Idee, Kunststoffe in Straßen zu verbauen, nicht: Schon in den 1970er Jahren experimentierten einige europäische Länder damit. Doch diese Gemische basierten auf eigens hergestellten Kunststoffen – und waren dadurch teurer als herkömmlicher Asphalt. Das neue Material dagegen ist, dank der Verwertung von Abfall, preisgünstiger als regulärer Straßenbelag.