Einfach mal machen! Als ich meinen Vermieter nach Wildblumen fragte - und überrascht wurde

Platz für Wildblumenwiesen und Blühstreifen ist überall. Man braucht nicht mal einen eigenen Garten dafür. Manchmal reicht es schon, mal nachzufragen
Wildwiese

Wildblumenwiesen sehen gut aus und helfen zahllosen Insektenarten

+++ Kolumne "Alles im grünen Bereich" +++

Manchmal ist man ja auch ein bisschen betriebsblind.

Da setze ich mich als Redakteur fast täglich mit den Folgen der konventionellen Landwirtschaft auseinander, mit zu hohen Nitratwerten, Pestiziden und dem Bienensterben. Und natürlich weiß ich, dass und warum Städte für wilde Tiere, darunter auch viele Insektenarten, als Refugien immer wichtiger werden: Weil es hier Strukturvielfalt gibt, ungenutzte Flächen – und wenig Dünger und Pestizide. Dann wohne selbst ich auch noch in einem dieser typischen Hamburger Nachkriegs-Klinkerbauten, zwischen denen sich meist nur trauriger, von Moos durchsetzter Rasen erstreckt. Nur hin und wieder überschattet von einer Birke, die sich vermutlich selbst gesät hat. Neulich habe ich auch noch erklärt, wie einfach es ist, im eigenen Garten eine Wildblumenwiese anzulegen.

Eins und eins zusammengezählt, ergibt: Wildblumenwiese! Vor meinem Haus!

Von der Theorie zur Praxis

Wieso bin ich auf die Idee nicht schon viel früher gekommen? Schließlich wohne ich schon einige Jahre dort. Vielleicht weil Rasenfläche nicht mir gehört. Vermutlich würde der Vermieter, die Immobiliensparte einer Restaurantkette, auch die Kosten scheuen. Oder?

Als ich per Mail anfrage (ich biete sicherheitshalber an, alles selbst zu machen), erlebe ich eine Überraschung: Das sei ja eine charmante Idee, schreibt die zuständige Immobilienmanagerin. Sie habe selbst so was im Garten und würde bei der Geschäftsleitung für die Idee werben.

Eine Woche später, ebenso überraschend, kommt das Go. Der Gärtner wird um einen Kostenvoranschlag gebeten, der Hausmeister installiert im Keller des Hauses einen 25-Meter-Gartenschlauch samt Düse. Denn das frisch angesäte Wildblumenbeet muss einige Wochen lang feucht gehalten werden. Und das bedeutet bei der einsetzenden Hitze: morgens und abends wässern. Dazu hatte ich mich vorab bereit erklärt – zusammen mit vier schnell organisierten Mitstreiter/innen aus dem Haus.

Wenn in ein paar Wochen – hoffentlich – die ersten Blüten aufgehen und die ersten Blütenbesucher anschwirren, gebe ich eine Kiste Bier aus.

Blühstreifen sprießen mittlerweile überall

Immer öfter, wenn ich durch Hamburg und andere Städte radle, fallen mir Blühstreifen oder einfach ungemähte Stellen auf, an denen Wildblumen tun dürfen, wozu sie von der Evolution bestimmt sind: blühen. Manche Kommunen, Vermieter, Genossenschaften und Immobilienverwalter haben verstanden, dass gezielte Unordnung statt monotoner Rasenflächen ein Gewinn für alle ist.

Klar: Das Anlegen eines solchen Beets kostet immer noch Geld. Aber manchmal rennt man eben auch offene Türen ein. Einfach mal fragen.

Peter Carstens
Kolumne
Alles im grünen Bereich
In seiner Kolumne schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über Öko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen
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