Ackergift im Wasser Immer weniger Pestizid-Rückstände im Grundwasser

Das Grundwasser in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich sauberer geworden. Zumindest, was Rückstände von Pflanzenschutzmitteln betrifft
Wasser im Reagenzglas

Zwischen 2013 und 2016 wurde deutschlandweit an 14.461 Grundwasser-Messtellen nach Pestiziden gefahndet

Die Belastung des deutschen Grundwassers mit Wirkstoffen aus Pflanzenschutzmitteln oder deren Abbauprodukten hat sich "über die vergangenen Jahre deutlich verbessert". Zu diesem Ergebnis kommen Bund und Länder in ihrem Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit für den Zeitraum 2013 bis 2016.

Insgesamt konnten zwar an 18,8 Prozent von insgesamt 14.461 Messtellen Pflanzenschutz-Chemie nachgewiesen werden. Doch während zwischen 1990 und 1995 noch an knapp zehn Prozent der Messstellen Konzentrationen von mehr als einem Mikrogramm pro Liter gefunden wurden, sei dies zwischen 2013 und 2016 nur noch an 3,8 Prozent der Messtellen der Fall gewesen.

Pestizid-Altlast im Boden wird nur langsam abgebaut

Der wichtigste Grund laut dem Bericht: Das Verbot des Wirkstoffs Atrazin. Das Herbizid wurde 25 Jahre lang bedenkenlos eingesetzt – vor allem im Maisanbau, aber auch auf Bahngleisen und an Straßenrändern. Die Anwendung des Pflanzenvernichters wurde in Deutschland 1991 untersagt, EU-weit aber erst 2003. Es steht unter anderem im Verdacht, krebserregend beim Menschen zu sein und Amphibien zu schädigen.

Dennoch gehört der Wirkstoff bis heute, ebenso wie sein giftiges Abbauprodukt Desethylatrazin, zu den „mit Abstand am häufigsten“ im Grundwasser nachgewiesenen Ackergiften. Der Grund: Der Stoff reichert sich im Humus an und ist nur schwer abbaubar.

Nachweise von Glyphosat seit Beginn des Jahrtausends

Relativ neu im Grundwasser dagegen sind Spuren von Glyphosat. Das Totalherbizid wurde erstmals zu Beginn des Jahrtausends im Grundwasser nachgewiesen. Laut aktuellem Bericht zeigten sechs Messtellen Werte über dem sogenannten Schwellenwert von mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter Grundwasser.

Glyphosat wird in Deutschland seit 1974 verwendet. Im Jahr wurden 4.700 Tonnen reiner Wirkstoff verkauft – unter 105 verschiedenen Handelsnamen. Insgesamt ist Glyphosat unter den Pflanzenvernichtungsmitteln in Deutschland die unangefochtene Nummer eins – mit einem Anteil von rund 30 Prozent an allen verkauften Herbizid-Wirkstoffen.

Umweltorganisationen fordern Verzicht auf Ackergifte

Umweltverbände fordern seit langem eine Reduktion oder gar ein Verbot von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Nur ein kompletter Verzicht, sagt etwa Karl Bär vom Münchener Umweltinstitut, "würde sicherstellen, dass weder die Wirkstoffe noch ihre Abbauprodukte ins Grundwasser gelangen und dort unter Umständen jahrzehntelang verbleiben".