Konsum und Besitz Schärfen Sie durch Ausmisten den Blick für das Wesentliche

Wer sein Leben einfacher und leichter machen will, hat viele Möglichkeiten, anzufangen. Warum nicht mit Kram, den wir haben - aber nicht brauchen?
Ausmisten

Ein Umzug ist immer eine gute Gelegenheit, Dinge auszusortieren, die man nicht mehr braucht

Über den Daumen und im Schnitt besitzt jeder Europäer 10.000 Gegenstände. Darf's vielleicht ein bisschen weniger sein? Ja, meinte der US-Blogger David Bruno. Und verordnete sich eine Besitz-Diät. Er lebte 2008, ein ganzes Jahr lang, nur mit 100 sorgfältig ausgesuchten Dingen: Dingen, die ihm wirklich wichtig waren. Inzwischen ist aus der "100-Thing-Challenge" eine ganze Bewegung geworden: der Minimalismus.

Natürlich sind 100 Dinge, wann man ehrlich rechnet, ziemlich wenig im Vergleich zu den Haufen Elektroschrott, Klamotten oder ungeliebten Geschenken, die viele Menschen auf dem Dachboden, in Schränken und Schubladen oder auch im Keller horten. Also übernehmen Sie sich nicht für den Anfang. (Bruno zählte übrigens seine sämtlichen Unterhosen als ein Ding, ebenso die Bücher seiner Bibliothek.) Gehen Sie Raum für Raum durch Ihre Wohnung und fragen Sie sich, was davon Sie wirklich brauchen. Ob es in Ihrem Leben fehlen würde. Der Heimtrainer? (Haben Sie vor sehr langer Zeit zum letzten Mal benutzt.) Die viel zu große Vase? (Standen noch nie Blumen drin.) Das kaputte Handy? (Soll schon lange zum Recyclinghof.)

Fangen Sie mit dem Kleiderschrank an

David Bruno fing übrigens da an, wo sich seiner Meinung nach am leichtesten Erfolge erzielen lassen: im Kleiderschrank. Er stellte Outfits für eine Woche zusammen und legte den Rest beiseite. Was er nach einer Woche nicht vermisst hatte, gab er weg. Sie können es aber auch etwas weniger radikal machen: Fragen Sie sich, was Sie seit einem Jahr oder länger nicht getragen haben. Auch wenn es schwerfallen sollte: Das kann weg.

Nach seinem Jahr Besitz-Diät fühlte sich Bruno nicht nur freier. Er leistete auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Denn in jedem Ding stecken Ressourcen und Energie. Und einige von ihnen verbrauchen anschließend selbst unentwegt Energie.

Neu gewonnenen Platz nicht gleich wieder zustellen

Wer klimafreundlich leben will, muss nun aber nicht zum Konsumverweigerer mutieren. Es reicht schon, wenn wir mit etwas mehr Köpfchen einkaufen. Also Dinge, die wir 1. wirklich brauchen, die 2. funktional sind, die 3. lange halten und 4. reparierbar sind. Auf diese Weise, das hat das Umweltbundesamt errechnet, lässt sich rund eine Tonne CO2 jährlich einsparen. Das entspricht etwa einem Drittel der Emissionen, die wir durchschnittlich mit unserem Konsum verursachen. Ähnliches gilt für den Ressourcen- und Flächenverbrauch. Und vielleicht das Wichtigste: Das Ausmisten und Sondieren schärft unseren Blick für Wesentliches, für Qualität und Langlebigkeit.

Für David Bruno war übrigens nicht das Aussortieren das Schwerste. Sondern das Loswerden. Wer nicht ohnehin schon Power-Ebayer ist, sollte sich nicht zu viel zumuten und das Verkaufen, Verschenken und Wegbringen gut planen.