Achtsamkeit in der Natur Warum wir das Ziel häufiger aus dem Blick verlieren sollten

Wir sollten öfter mal innehalten und beobachten, meint Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben. Das könnte allen nützen
Waldluft

Wer einmal den Versuch wagt, beim Marsch von A nach B stehenzubleiben und einfach nur wahrzunehmen, der kann Erstaunliches erleben

„Üblicherweise“, sagt Deutschlands bekanntester Förster, „ist ein Waldspaziergang ja eher ein Marsch: Man kommt an einem Parkplatz an, definiert ein Ziel, etwa ein Gasthaus, und hastet dorthin. Die Natur selbst rauscht dabei rechts und links an einem vorbei, ist eine Art Kulisse für Gespräche oder eigene Gedanken.“ Peter Wohlleben plädiert stattdessen im GEO-Interview dafür, mehr zu beobachten: „Wie sieht die Natur aus? Wie fühlt sie sich an?“

Wer einmal den Versuch wagt, beim Marsch von A nach B stehenzubleiben und einfach nur wahrzunehmen, der kann Erstaunliches erleben.

Denn sobald der eigene Atem und der Puls sich etwas beruhigt haben, wird die Stille zu einer Kulisse für hundert Geräusche. Irgendwo singt ein Vogel. Wer ist das noch gleich, eine Singdrossel? Dann noch andere Vögel, vielleicht Tannenmeisen oder Goldhähnchen? In der Sonne knistert die trockene Borke alter Fichten. War das eben ein Hirsch? Wonach riecht das hier?

Mal das Ziel aus dem Blick verlieren

Wer sich umsieht, wird nicht mehr nur den Weg vor sich sehen. Sondern vielleicht einen kleinen Tümpel auf dem Weg, über den Wasserläufer flitzen, in dem Kaulquappen, Käfer- und Mückenlarven wuseln. Auf einer kleinen Lichtung kämpfen sich Gräser und Buschwerk empor, jeder sucht seinen Platz an der Sonne. Welche Pflanzen wachsen hier eigentlich, und warum?

Gut möglich, dass solche Eindrücke nachhaltiger wirken als der Fakt, die Tour geschafft zu haben: Innehalten, hinhören, hinsehen, spüren, erweitern den Horizont mehr als das bloße Erreichen eines Etappenziels.

Und das nicht nur im Wald. Und nicht nur bei Spaziergängen.

Zugegeben: Unser Alltag strotzt oft nur so von Gängen und Fahrten von A nach B, von To-Dos im Büro und Erledigungen zu Hause: Da ist es nicht so leicht, die Tempo-Routine zu durchbrechen und Momente der Besinnung einzubauen. Und nicht jeder schafft es, sich einmal für eine Stunde im Wald mit einer Isomatte unter einen Baum zu legen, und alle persönlichen Ziele aus dem Blick zu verlieren, wie Peter Wohlleben empfiehlt.

Doch im Urlaub zum Beispiel kann es schon helfen, sich weniger vorzunehmen. Langsamer unterwegs zu sein. Die zur Verfügung stehende Zeit nicht vollzupacken mit Must-Sees. Mal vom Weg abzukommen. Stehenzubleiben. Sich umzusehen. Den Wind zu spüren. Zu staunen über das, was sich zeigt. Das Unerwartete zu genießen.

Neben dem Zugewinn an Lebensqualität, sagen Umweltpsychologen, hat die Achtsamkeit noch einen weiteren Kollateralnutzen: Wer achtsam lebt, pflegt oft einen nachhaltigeren Lebensstil.

Gemeinsam mit GEO lädt der Bestsellerautor Peter Wohlleben zum Erfahren und Verstehen der Natur ein, zu Abenteuern in der Wildnis. Und zum Staunen über die Wunder unserer Tier- und Pflanzenwelt. Mehr über "Wohllebens Welt" lesen Sie hier:

Peter Wohlleben
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Peter Wohlleben ist der bekannteste Förster Deutschlands. Nun startet er gemeinsam mit GEO das Magazin "Wohllebens Welt". Hier stellen Peter Wohlleben und Chefredakteur Michael Schaper die erste Ausgabe vor