Arbeitszeit Teilzeitjob - gut für die Seele und das Klima

Eine echte Win-win-Situation: Wer weniger arbeitet, schont das Klima und hat mehr Zeit für Familie und Hobbys
Familienvater

Mehr Zeit für die Familie und eine bessere CO2-Bilanz haben all jene, die weniger arbeiten

Okay, Sie haben nach dem vegetarischen Frühstück die Heizung heruntergedreht, das Licht ausgemacht und hinter sich die abgedichtete Wohnungstür abgeschlossen. Die Arbeit ruft. Kann man noch mehr für das Klima tun? Aber sicher! Weniger arbeiten, zum Beispiel. Das ist ist sogar die beste persönliche Klimaschutzmaßnahme überhaupt.

Was wir (und wie wir es) beruflich tun, hat enorme Auswirkungen auf unsere CO2-Bilanz. Das fängt mit dem Gehalt an. Denn je mehr wir verdienen, das zeigen Statistiken, desto größer werden unser Klima-Fußabdruck und Ressourcenverbrauch. Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Wer viel Geld hat, wohnt auf großem Fuß, heizt viel, verreist oft und kauft mehr Dinge als jemand, der weniger zur Verfügung hat.

Haushalte, in denen mehr als 5000 Euro netto zur Verfügung stehen, geben im Vergleich zu Haushalten mit weniger als 1300 Euro siebenmal mehr für Haushaltsgeräte aus. Und sogar das Zehnfache für Mobilität. Kein Wunder, wenn der Weg ins Büro mit dem eigenen SUV zurückgelegt wird, während der Partner mit dem Zweit- oder Drittwagen noch schnell einkaufen fährt oder den Nachwuchs in Kindergarten und Schule bringt.

Arbeit besser verteilen – auch im eigenen Leben

Auf der einen Seite hohe Arbeitslosenzahlen, auf der anderen Berufstätige, die immer mehr und verantwortungsvoller arbeiten: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Arbeit offenbar ungerecht verteilt ist. Mit negativen Folgen für beide, Arbeitslose wie Workaholics. Denn Arbeitslosigkeit nagt am Selbstwertgefühl. Und dauerhafte Überarbeitung führt zu Burnout.

Dabei gibt es seit Langem Konzepte, die zur Verfügung stehende Arbeit gerechter – und gesünder – zu verteilen. Zum Beispiel die 30-Stunden-Vollzeit. Damit ließe sich rein rechnerisch die Arbeitslosigkeit komplett beseitigen, glauben Experten. Auch wenn das Theorie ist: Schon heute bieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern an, vorübergehend oder dauerhaft die Arbeitszeit zu verkürzen.

Profitieren können davon beide Seiten: der Arbeitgeber, indem er Personalkosten spart – und der Arbeitnehmer, weil er mehr Zeit für das eigene Leben gewinnt.

Sich mehr Zeit leisten

Obwohl die Arbeitswelt immer flexibler wird, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zunehmen und immer mehr Menschen selbst von einem Vollzeitjob nicht leben können, ist unsere Vorstellung von Berufstätigkeit von alten Klischees geprägt: Einen guten Job hat, wer Vollzeit (meist 40 Stunden und mehr) arbeitet und Aufstiegsmöglichkeiten wahrnimmt – um so mehr Geld und Statuspunkte zu verdienen. Kein Wunder, dass es manchen Überwindung kostet, aus freien Stücken Arbeitszeit und Gehalt zu reduzieren.

Aber müssen zum Beispiel in einer Partnerschaft wirklich beide Vollzeit arbeiten? Würde es nicht auch reichen, wenn eine(r) 20 Stunden die Woche arbeitet? Oder beide? Die Möglichkeiten, die gewonnene Zeit zu nutzen, sind schier unendlich – und können sehr bereichernd sein. Haben Sie mal von jemandem gehört, der auf dem Sterbebett meinte, er hätte mehr arbeiten sollen? Sie können auch mit einem Sabbatical testen, wie Sie mit dem Zeitgewinn klarkommen. Das ist eine Auszeit auf Zeit, entweder am Stück oder in Form einer tageweisen Reduktion.

Der Vorteil ist, dass Sie nach Ablauf der vereinbarten Frist wieder voll einsteigen können, wenn Sie wollen. Auch eine auf bis zu fünf Jahre befristete Teilzeit ist seit dem 1. Januar 2019 möglich.

Wenn Sie in einem Team arbeiten, machen Sie Ihrem Chef oder Ihrer Chefin Vorschläge, wie sich die wegfallende Arbeitszeit kompensieren lässt. Das erleichtert ihm oder ihr die Entscheidung. Und machen Sie klar, dass die Reduktion nichts damit zu tun hat, dass Ihnen der Job keinen Spaß macht. Moderne Arbeitgeber wissen, dass Arbeitnehmer, die genug Zeit für das Privatleben und ihre Hobbys haben, motivierter und kreativer arbeiten.

Der Tipp stammt aus dem Buch Klimafreundlich leben im Handumdrehen von Peter Carstens.

Foto: rh2010/Fotolia
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