Plastikmüll Mikroplastik: Böden noch stärker belastet als Ozeane

In Böden fanden Forscher bis zu 23 mal mehr Plastikpartikel als in den Ozeanen. Doch die Gefahren sind kaum erforscht
Mikroplastik

Ob Sulawesi, Nordsee oder Antarktis: Plastikpartikel verschiedener Größen finden sich mittlerweile in allen Meeren. Und damit auch in der Nahrungskette der Ozeane. Das ist alarmierend genug. Doch nun schlagen Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei Alarm: Auch an Land, in Böden und Binnengewässern, finden sich große Mengen Kunststoff-Teilchen – und zwar bis zu 23 mal mehr als in den Ozeanen. Plastik an Land könnte, so folgern die Forscher, zu einem bislang unterschätzten Langzeit-Stressfaktor für die Umwelt werden.

Ein Großteil des Plastikmülls bleibt an Land: in Böden und Seen

Von den rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich weltweit produziert werden, landen schätzungsweise ein Drittel in Böden und Binnengewässern. Weil sie nicht ordnungsgemäß entsorgt, deponiert oder recycelt werden und in der Umwelt langsam zerfallen. Oder weil winzige Plastikfasern mit jedem Waschgang in die Kläranlage, und von dort in Flüsse und Meere gelangen. Denn nur rund 10 bis 20 Prozent Kunststoff-Kleiderfasern gelangen trotz der Filteranlagen in Flüsse und Meere. Der Rest landet zum Teil als Klärschlamm auf unseren Feldern: tausende Tonnen jedes Jahr.

Und hier können sie, wie die Autoren der Überblicksstudie schreiben, toxisch auf Bodenorganismen wirken – und damit die Bodengesundheit insgesamt schädigen. Wirbellose, Pilze, aber auch Bestäuber wie die Honigbiene seien potenziell bedroht, warnen die Forscher. Denn beim Zerfallen in immer kleinere Partikel setzen Kunststoffe giftige und hormonähnlich wirksame Stoffe wie Phtalate und Bisphenol A frei, die das Hormonsystem von Wirbellosen ebenso wie von Wirbeltieren stören können.

Gesundheitliche Risiken sind vielfältig, aber schlecht erforscht

Zudem können Partikel, die kleiner sind als einen Mikrometer – so genanntes Nanoplastik – Krankheitserreger transportieren, Entzündungen hervorrufen, in Zellen eindringen und sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

Dass das bedrohliche Phänomen der Plastikverschmutzung an Land bislang nicht besser erforscht ist, hat einen einfachen Grund: Bodenproben zu analysieren, ist weitaus aufwändiger, als Wasserproben zu entnehmen und zu filtrieren.

Erste Schritte zur Eindämmung des Problems

Um den Eintrag von Mikroplastik zumindest in den Meeren zu begrenzen, haben die USA, Kanada, Neuseeland und Großbritannien Mikroplastik in Duschgel und Zahnpasta verboten. Schweden zieht 2018 nach.

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