Fleisch aus Zellkulturen Geflügelzüchter will Fleisch ganz ohne Tierqual anbieten

Hack oder Steak aus künstlich gezüchteten Muskelzellen könnte schon bald eine gesunde und umweltfreundliche Alternative zu echtem Fleisch sein. Jetzt steigt auch der Mutterkonzern von Geflügelzüchter Wiesenhof in das Geschäft ein
Hähnchenfleisch

Fleischgenuss ganz ohne Tierqual - vielleicht schon bald Realität?

Man nehme eine Muskelzelle und lege sie in eine spezielle Nährlösung. Nach etwa einem Tag hat sie sich geteilt. Und nach weiteren 24 Stunden sind es schon vier. Nur 50 Tage später sind die unsichtbar kleinen Zellen auf einen Berg von 10 Tonnen reines Muskelfleisch angeschwollen.

Was nicht sehr appetitlich klingt, lässt den Fleischkonzernen offenbar das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn immer mehr Menschen, das zeigen aktuelle Befragungen, sorgen sich um das Wohl der Tiere in der Landwirtschaft. Oder verzichten gleich ganz auf Fleisch – und greifen zu Soja- oder Seitan-Alternativen. Doch nicht allen schmeckt das. Für Fans des echten Fleisch-Geschmacks könnte es in wenigen Jahren eine interessante Alternative in der Fleischtheke liegen: Hack aus Muskelzellen - im Vergleich zu Turbo-Mast und Schlachthof ethisch weitaus weniger bedenklich.

Kein Nervensystem, kein Schmerz

Der Trick beim Kunstfleisch: Es muss nicht erst ein kompletter, empfindungs- und leidensfähiger Organismus heranreifen, bevor das Bolzenschussgerät ansetzt. Sondern die gewünschten Muskelzellen werden direkt in Nährlösung herangezogen und nur mit Stromstößen zum Wachsen angeregt. Kein Nervensystem, kein Bewusstsein, keine Schmerzen.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des Kunstfleischs: Es ist nicht nur schmerzfrei, sondern schont auch die Umwelt, wie eine Studie zeigt.

Das Verfahren steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Aber es zeichnet sich ab, dass es einen Markt für solches Tierleid-freies Fleisch gibt. Das haben auch die großen Fleischkonzerne verstanden.

Für Kulturfleisch gibt es offenbar einen Markt

So engagiert sich die PHW-Gruppe, der Mutterkonzern von Wiesenhof, neuerdings im Zellfleisch-Geschäft. Der Konzern erwarb Anteile an SuperMeat, einem israelischen Start-up, das sich auf die Züchtung von künstlichem Hühnerfleisch spezialisiert hat. Als Nährlösung kommt nach Angaben des Unternehmens, das mit dem Slogan „100 Prozent Fleisch, 0 Prozent Tierleid“ wirbt, eine rein pflanzliche Lösung zum Einsatz.

SuperMeat-Geschäftsführer Ido Savir glaubt, dass das Zellkulturfleisch in „fünf bis acht Jahren“ auf dem Markt sein kann. Und das bedeutet: Es wird dann in der Herstellung so günstig sein, dass ein Zellkultur-Burger nicht oder nicht wesentlich teurer sein wird als ein “echter“ Burger.

An Fleisch aus Zellkulturen wird schon seit Jahren geforscht. Doch an den Herstellungskosten scheiterte bislang auch der niederländische Kulturfleisch-Pionier Mark Post. Sein erster Kunst-Burger, den er 2013 vor laufender Kamera goutierte, kostete noch 250.000 Euro. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

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