Gesundheitsgefahr Christbaum? So viel Gift steckt in Weihnachtsbäumen

Stichproben zeigen immer wieder: Rückstände von Pestiziden - darunter auch Glyphosat - finden sich in vielen Christbäumen. Doch es geht auch ohne
Nordmanntannen

Auf Weihnachtsbaum-Plantagen wie hier in Schleswig-Holstein kommt auch das Ackergift Glyphosat zum Einsatz

Weihnachten ohne Christbaum? Undenkbar – gilt die Fichte oder Tanne im Wohnzimmer doch als Inbegriff von weihnachtlicher Heimeligkeit.

Was sich viele nicht klarmachen: Jedes Jahr werden im Dezember rund 28 Millionen Nadelbäume für den Hausgebrauch verkauft. Und die Allermeisten von ihnen stammen von Plantagen. In solchen Monokulturen ist der Einsatz von Pestiziden, vor allem Pflanzen- und Insektenvernichtungsmitteln, die Regel. Auch das kontrovers diskutierte Totalherbizid Glyphosat kommt regelmäßig zum Einsatz. Das lässt sich im Labor nachweisen.

Immer wieder zeigen Stichproben, dass die Bäume, die wir uns ins warme Wohnzimmer holen, mit Pestiziden belastet sind. So ließ der NDR im vergangenen Jahr von einem unabhängigen Labor fünf Bäume von verschiedenen Erzeugern untersuchen. In allen fanden die Prüfer Pestizidrückstände.

Die Mittel werden von den Erzeugern eingesetzt, um Wildkräuter niedrig zu halten und Schädlingsbefall durch Insekten und deren Larven zu verhindern. Ein Hersteller gab gegenüber dem NDR an, mit Pestiziden Zecken von den Christbäumen fernzuhalten.

Schon vor drei Jahren hatte der Umweltverband BUND 15 Bäume aus verschiedenen Regionen und bei verschiedenen Anbietern gekauft und ins Labor geschickt. Das Ergebnis: In sieben Fällen wurden entweder Glyphosat oder Prosulfocarb gefunden, in einem beides.

Keine akute Gesundheitsgefahr

Die Gesundheitsgefahr, die von den Pestiziden ausgeht, ist offenbar gering. Entwarnung gibt der Toxikologe Edmund Maser von der Universität Kiel. Vor den Konzentrationen, die beim NDR-Test gefunden wurden, müsse man keine Angst haben. Nur in höheren Konzentrationen können die Stoffe Schleimhautreizungen oder Allergien auslösen.

Rudolf Fenner von der Umweltschutzorganisation Robin Wood weist aber darauf hin, dass der flächendeckende Einsatz von Glyphosat, Mineraldünger und Co. Boden und Grundwasser schädigt und die Artenvielfalt verringert.

Dass es auch ganz ohne Gift geht, zeigen immer mehr Bio-Erzeuger. Sie nutzen statt der Giftspritze zum Beispiel Shropshire-Schafe, die sich aus den zarten Triebspitzen von Fichten und Tannen nichts machen – aber das Gras unter den Bäumen kurz halten.

Öko-Christbäume sind besser für Boden, Wasser und Artenvielfalt

Zwar liegt der Anteil der verkauften Öko-Bäume am Gesamtverkauf bei unter einem Prozent, schätzt Fenner. Doch die Nachfrage steigt. Das zeigt auch die wachsende Zahl der Verkaufsstellen. "Waren es vor zehn Jahren nur 50, gibt es heute schon rund 360 Stellen, an denen Bio-Bäume verkauft werden", sagt Rudolf Fenner. Für Robin Wood hat er eine aktuelle Liste zum Herunterladen zusammengestellt.

Beim Kauf sollten Verbraucher auf die Siegel der Bio-Anbauverbände achten –  oder darauf, dass der Baum aus einem FSC-zertifizierten Wald stammt. Denn auch in Forsten, die nach den Kriterien des Forest Stewardship Council bewirtschaftet werden, sind Pestizide und Mineraldünger tabu.

Teurer sind die umweltschonend angebauten Nadelträger übrigens kaum. Und wo keine Bio-Bäume angeboten werden, sollten Käufer darauf achten, dass der Baum aus regionaler Erzeugung stammt. Am besten einer zum Selberschlagen aus dem nächstgelegenen Waldbetrieb, empfiehlt Rudolf Fenner.