Müll in Ozeanen Kampf der "Plastisphäre"!

In der Sargassosee, fern aller Küsten, stieß GEO-Reporter Lars Abromeit auf faszinierende Kreaturen - und auf gefährlichen Plastikmüll. Hier verrät er, was Sie tun können, um die Ozeane zu schützen
Kampf der "Plastisphäre"!

Rund 200 Plastikteile hat der Mikrobiologe Will Mellvin mie einer einzigen Fangaktion gefischt: Styroporsplitter, Folienfetzen, Nylonfäden. Viele davon tragen schädliche Keime mit sich. Ein wandelndes Ökosystem: die "Plastisphäre"

Für das GEO Magazin Nr. 8/2014 begleiteten GEO-Expeditionsredakteur Lars Abromeit und der Fotograf Solvin Zankl eine wissenschaftliche Expedition in die Sargassosee: jenen immer noch geheimnisumwitterten Lebensraum bizarrer Tiere und Pflanzen. Mitten im Atlantik, in der Kinderstube unserer Aale, mehr als 500 Kilometer von allen Küsten entfernt, stießen sie aber nicht nur auf schwimmende Algenwälder, bevölkert von Dutzenden ganz unglaublicher Kreaturen.

Die Reporter fanden mitten auf hoher See auch Spuren des Menschen: zahllose Plastiksplitter, auf denen Gifte und Krankheitserreger durchs offene Meer reisen - und über die Nahrungsketten zu uns zurückkehren. Eine eigene, neue Welt treibt da draußen: die "Plastisphäre".

Experten halten die Verbreitung von Mikroplastik im Meer für eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit - und der Zukunft. Etwa 140 Millionen Tonnen an Abfällen, vor allem aus Kunststoffen, sind nach Schätzung des Umweltbundesamtes bereits in die Ozeane gespült worden. Jedes Jahr kommen weitere Abermillionen Tonnen hinzu.

Was können wir gegen den Anstieg des Meeresmülls tun?

Autor Lars Abromeit empfiehlt folgende Netz-Adressen:

MEHR WISSEN

  • Die Organisationen "Plastic Oceans" und "5gyres" sammeln wissenschaftliche Fakten und unterstützen spezifische Umweltkampagnen zur Vermeidung von Meeresmüll.
  • Das Umweltbundesamt und die Bundesregierung informieren auf ihren Internetseiten über politische Lösungsansätze - auch auf EU-Ebene.
  • Der Animationsfilm "Plastics in Our Oceans" stellt anschaulich zentrale Zahlen und Zusammenhänge zum Thema dar.
  • In seiner filmischen Parodie "The Majestic Plastic Bag" verfolgt Regisseur Jeremy Konner die "gefahrvolle" Reise einer Supermarkt-Tüte ins offene Meer. Starkes, satirisches Lehrstück.
  • Die großartige, aufrüttelnde Kunstausstellung "Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt" ist bis zum 21. Oktober 2014 im Deutschen Meeresmuseum Stralsund zu sehen.
  • Nicht nur Umweltaktivisten, auch EU-Politiker möchten Plastiktüten verbieten oder zumindest besteuern. Ihr erstaunliches Vorbild: Ruanda. Eine ARD-Radioreportage und ein "Weltspiegel"-Beitrag berichten darüber, wie das afrikanische Land seit Jahren bereits gegen Plastiktüten vorgeht.
  • Im Jahr 2002 hatte der damals 17-jährige Boyan Slat eine kühne Idee: Könnte man nicht einen Großteil des Plastikmülls aus den Meeren herausfischen? In der von Slat gegründeten Initiative "The Ocean Clean-up" arbeitet dafür nun einen 100-köpfiges Team aus Ozeanografen und Ingenieuren am Bau von schwimmenden Sammelplattformen.
  • "Biokunststoffe" verfallen zum Teil deutlich schneller als herkömmliches Plastik, sind als Alternative jedoch auch umstritten. Thomas Wodke vom "Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik" erklärt, weshalb.

MEHR TUN

  • Vieles kennen wir ja: zum Supermarkt eine eigene Tasche mitnehmen! Produkte mit Mehrwegverpackungen und Pfandflaschen kaufen! Müll trennen! Recyceln! Aber auch: keine Zahnpasta oder Peeling-Cremes mit Plastikgranulaten verwenden! Der "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND) hat dazu eine Liste von Produkten zusammengetragen, die Mikroplastik enthalten. Der Naturschutzbund NABU bringt Menschen zusammen, die möglichst "plastikfrei" zu leben versuchen.
  • Über die Plattform "Saubere Meere" kann man sich Gruppen anschließen, die Strände von Müll befreien - oder Mitstreiter für eigene Aufräumaktionen finden. Mit interaktiver Karte.
  • Die weltweit größte Säuberungsaktion findet jährlich im September Jahr statt, 2014 am 20.9.: 2013 nahmen am "International Coastal Cleanup Day" mehr als 648.000 Freiwillige in 92 Ländern weltweit teil!
  • Im Urlaub am Plastik-Strand liegen und im Wasser Müll-Wellen abreiten? Die Surfer-Vereinigung "Surfrider Foundation Europe" setzt sich für den Schutz von Küsten und Meeren ein und organisiert weltweit "Beach-Clean-ups".
  • Auch mit Spenden kann man Naturschutzorganisationen natürlich beim Engagement gegen Meeresmüll unterstützen. Der WWF etwa kämpft für ein weltweites Netzwerk zur Überwachung von Plastikmüll-Sündern, der NABU fördert in der Initiative "Fishing for Litter" lokale Fischer dabei, den in Netzen verhedderten Müll in die Häfen zurückzubringen und fachgerecht zu entsorgen.
  • Und letztlich: Wer selber an einer Segelexpedition zur Erforschung des Meeresmülls teilnehmen möchte, kann sich bei "5gyres" auch dafür bewerben.