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Vertikale Gärten So kreativ kämpft Mexiko-Stadt gegen die Luftverschmutzung an

Pfeilerbegrünung in Mexiko
Überschaubarer Aufwand, großer Nutzen: Pfeilerbegrünung lässt Großstädter durchatmen
© Verde vertical
Sie filtern Abgase, Feinstaub und Schwermetalle und sollen so bessere Atemluft für die Bewohner schaffen: vertikale Gärten, die eine Bürgerinitiative jetzt an 700 Betonpfeilern in der Megacity entstehen lässt

Noch immer verschwindet Mexiko-Stadt an vielen Tagen im Jahr unter einer Glocke aus Smog. Zwar kämpft die Metropolregion mit 20 Millionen Einwohnern schon seit Jahren gegen die Luftverschmutzung, die in manchen Jahren 4000 Menschen in der Region das Leben kostete. Dennoch musste sie 2016 zum ersten Mal seit zehn Jahren den Notstand ausrufen – die Luftqualität war auf besorgniserregende Werte gesunken.

Abhilfe soll jetzt zusätzlich die Begrünung von 700 Betonpfeilern bringen, die Hochstraßen und Brücken stützen: Diese vertikalen Gärten werden die Grünfläche der Stadt um 40.000 Quadratmeter erweitern. Berechnungen der Bürgerinitiative zufolge, die das Projekt "Vía Verde" im vergangenen Jahr ins Leben rief, sollen die grünen Pfeiler pro Jahr 27.000 Tonnen Luft filtern, dabei Feinstaub und Schwermetalle aufnehmen.

Die Stadt unterstützt das Vorhaben. Erste Untersuchungen belegen, dass die Luftqualität in den Arealen mit bepflanzten Pfeilern tatsächlich steigt, gleichzeitig lässt das Grün am Seitenstreifen die Zahl der Unfälle sinken.

Das Projekt "Vía Verde" ist nicht der erste Versuch, die Luft in Mexiko-Stadt zu verbessern

Die Initiative "Vía Verde" reiht sich ein in eine Vielzahl von Versuchen, die Luftverschmutzung in der mexikanischen Metropole zu bekämpfen. So unterstützt die Umweltbehörde auch die Begrünung von Dächern, führte ein öffentlich gefördertes System von Leihfahrrädern ein und stattet alle öffentlichen Busse mit Rußfiltern aus – der öffentliche Nahverkehr in Mexiko-Stadt ist gut ausgebaut, aber überlastet.

Drastisch gestiegen ist außerdem die Höhe der Geldstrafe, die Autofahrer zahlen müssen, wenn sie im Straßenverkehr an einem Tag mit Fahrverbot erwischt werden: Das tritt in Kraft, sobald die Schadstoffbelastung der Luft die Grenzwerte überschreitet. Dieselfahrzeuge sollen von 2025 an komplett aus der Stadt verbannt werden – ein radikaler Einschnitt, den Mexiko-Stadt im Dezember gemeinsam mit den ebenfalls vom Smog geplagten europäischen Städten Paris, Madrid und Athen beschlossen hat.

Mexikos begrünte Betonpfeiler stoßen auch anderswo auf Interesse: Die indische Stadt Neu-Delhi prüft, die Idee zu übernehmen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Neu-Delhi zu den Städten mit der schlechtesten Luft weltweit.

GEO Nr. 02/2017 - Atmen

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