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Solartechnik rettet Edelholz

Eine von deutschen Agrartechnikern entwickelte Trocknungsmethode macht minderwertiges Plantagenholz konkurrenzfähig für den Weltmarkt - und begrenzt so den Einschlag von Edelhölzern

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Den Meldungen über Kahlschlag und Holzraub im Regenwald haben Brasiliens Medien neuerdings etwas Positives entgegenzusetzen. "Eucalipto" heißt das Zauberwort. Aus diesem neuen Werkstoff ließen sich wunderschöne Parketts, Fensterrahmen und sogar Möbel von edlem rötlichen Schimmer herstellen. Und noch schöner: Die Verwendung von Eucalipto könnte den Raubbau an dem begehrten "pau brasil" zurückdrängen, an jenen im Regenwald wachsenden Rothölzern, nach denen das Land vor 500 Jahren benannt wurde.

Holz fürs Wohnzimmer statt fürs Feuer Nun hat Eukalyptus nach gängiger Erfahrung bisher weder für die Möbelherstellung noch als Bauholz getaugt. Dennoch wird in den brasilianischen Bundesstaaten Bahia und Minas Gerais der schnellwüchsige Laubbaum, bei Ökologen wegen seiner Umweltschädlichkeit wenig beliebt, auf mehr als zwei Millionen Hektar gezogen, einer Plantagenfläche von der Größe Hessens. Denn in den weitgehend kahl geschlagenen Regionen mit ihren ohnehin verbrauchten Böden wird das Farmholz als Brennmaterial benötigt sowie als Holzkohle für die dortige Stahlproduktion eingesetzt.

Ein Trockner verhindert Verformungen Am wichtigsten für die Qualität von Holz ist dessen Trocknungsprozess. Der erfolgte bislang in Brasilien wie auch anderswo in den Tropen unter freiem Himmel und bei jeder Witterung. Dabei rissen und verbogen sich die Bretter des harten, spannungsgeladenen Eukalyptusholzes unter dem Einfluss von Sonne, Wind und Regen.

In diese Primitivmethode haben deutsche Wissenschaftler nun entscheidend eingegriffen: mit einer solargestützten Trocknungsanlage, entwickelt vom Institut für Agrartechnik der Tropen und Suptropen an der Universität Stuttgart-Hohenheim.

Umweltverträgliche Hightech Die einem Gewächshaus ähnliche Leichtbau-Konstruktion trocknet das Holz kostengünstig, Energie sparend und vor allem schonend. Anders als herkömmliche Anlagen, die sich durch Isolierung und konstante Bedingungen auszeichnen, arbeitet der Solartrockner durch Zu- und Abluft. Das Besondere ist eine Steuer- und Regeltechnik, bei der Mikroprozessoren auf die Geschwindigkeit, den Austausch und die relative Feuchtigkeit der Luft in der Anlage reagieren - in Abhängigkeit von Holzfeuchte und Umgebungsluft.

Ein deutsch-brasilianischer Erfolg

In Kooperation haben das deutsche Unternehmen Thermo-System und der brasilianische Forstbetrieb CAF in Minas Gerais und Bahia kürzlich zwei Trocknungsbetriebe bereitgestellt. Jährliche Kapazität: 35 000 Kubikmeter an gesägtem Eukalyptusholz. "Die weltgrößte Solartrocknungsanlage überhaupt", sagt Dr. Markus Bux, der Projektleiter und stellvertretende Chef des Stuttgarter Instituts. "Damit lassen sich aus brasilianischem Eukalyptus durchaus hochwertige Produkte fertigen, die für den Weltmarkt interessant sind."

Jetzt erobert Eukalyptus die Tischlereien Die günstigen Kosten und die zusätzliche Schaffung mehrerer hundert Arbeitsplätze haben die Brasilianer von dem neuen System überzeugt. Immer mehr Tischlereibetriebe bevorzugen anstelle von Tropenholz das preiswerte "Eucalipto" aus der Solartrocknung - "ein erster Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft", lobt die brasilianische Presse.

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