Astrobiologie Astrobiologie: Der Mond ist irrelevant

Auf die Entstehung des irdischen Lebens hatte der Erdtrabant offenbar nur wenig Einfluss - eine Erkenntnis mit Folgen für den Rest der Galaxis

Nur wegen unseres großen Mondes, das galt bislang unter Wissenschaftlern als ausgemacht, konnte sich höheres Leben auf der Erde entwickeln. Denn seine Anziehungskraft stabilisiert die Erdachse. Andernfalls würde die Achse schwanken wie ein Kinderkreisel kurz vorm Umfallen. Das daraus folgende Klimachaos hätte jedes komplexe Leben auf unserem Planeten unmöglich gemacht. So wie auf 99 Prozent aller anderen ansonsten erdähnlichen Planeten, die einen solchen Stabilisator nicht haben.

Jetzt aber ergaben Computersimulationen eines Forscher- Trios um Jason Barnes von der Universität Idaho, dass es ganz so einfach wohl nicht ist. Denn auch ohne Mond würde die Erdachse demnach nur um zehn bis 20 Grad schwanken - innerhalb von einer halben Milliarde Jahren. Das, so Barnes, hätte zwar immer noch spürbare Auswirkungen auf das Klima, "würde aber die Entwicklung von intelligentem Leben nicht ausschließen".

Denn nicht nur der Mond hält Barnes' Ergebnissen zufolge die Erde stabil. Vor allem der Jupiter wirkt mit seiner gewaltigen Gravitation beruhigend auf unseren Planeten (und auf die meisten anderen im Sonnensystem) ein.

Aus den neuen Berechnungen ergibt sich aber auch, dass es in der Milchstraße viel mehr erdähnliche Planeten mit höherem Leben geben könnte als bisher gedacht. Ein großer Trabant ist eben nicht die Grundvoraussetzung für höhere Biologie. Barnes schätzt, dass nicht mehr nur ein Prozent, sondern möglicherweise etwa drei Viertel aller erdähnlichen Planeten die Voraussetzungen für komplexes Leben mitbringen. Allerdings besitzt der Mond noch andere lebensfördernde Eigenschaften als die Achsenstabilisierung - ob etwa die Steuerung von Ebbe und Flut ohne ihn möglich wäre, ist fraglich.

GEO Nr. 10/11 - Pergamon
GEO Nr. 10/11
Pergamon