Kuriose Wissenschaft: Mit Socken gegen Malaria

Dr. Fredros Okumu, Entomologe am Ifakara Health Institute in Tansania, ködert Moskitos mit dem Schweißgeruch von schmutzigen Strümpfen

GEO: Dr. Okumu, warum fühlen sich Malariamücken von Socken angezogen? Okumu: Moskitos sehen Menschen nicht. Aber sie riechen unseren Atem, Schweiß und Körpergeruch. Einige der Bakterien, die im Fußbereich stark konzentriert sind, bauen Fette ab; die entstehenden Fettsäuren werden von Moskitos leicht aufgespürt, um Menschen zu orten.

Was erreicht eine "Sockenfalle", was herkömmliche Mittel nicht schaffen?

Bestehende Methoden zur Malariaprävention - wie etwa mit Insektiziden behandelte Bettnetze - zielen hauptsächlich auf Moskitos ab, die in menschliche Behausungen eindringen. Ein hoher Anteil von Malariaübertragungen findet jedoch draußen statt, wo unsere Moskitofalle steht: ein Holzbehälter mit Entlüftungsgittern und einem batteriebetriebenen Gebläse, das den Sockengeruch durch ein Bambusrohr in die Luft pustet. Die Moskitos werden dadurch von Menschen abgelenkt.

Sie brauchten sicher Testpersonen. Haben sich Freiwillige gefunden?

Ja; auch ich habe meine Karriere in der Insektenforschung zu Highschool-Zeiten als Moskitoköder begonnen. Ein Freund von mir schrieb damals gerade seine Doktorarbeit und hat dafür in einem seiner Experimente die unterschiedliche Attraktivität afrikanischer Männer für Malariamoskitos bewertet. Natürlich war immer ein Netz zwischen uns und den Moskitos, sodass wir nie ungeschützt waren. Die Fußvorlieben der Mücken hat allerdings bereits vor 15 Jahren mein tollkühner Kollege Bart Knols entdeckt, der sich dafür nackt in einen abgedunkelten Raum voller Moskitos stellte und anschließend untersuchte, wo die Tiere bevorzugt zugestochen hatten. Ein wahrlich bestechender, bemerkenswerter Einsatz.

Das Experiment von Knols liegt 15 Jahre zurück - warum hat es so lange gedauert, diese Erkenntnis zu nutzen?

Als dieses holländische Genie und seine Kollegen in den 1990er Jahren ihre ausgefallenen Versuche durchgeführt haben, waren neue Methoden zur Malariabekämpfung nicht gerade in Mode. Außerdem war es in dieser Phase nicht leicht, Fördermittel für Forschung außerhalb des Labors zu finden, wie wir sie jetzt machen. Auf der Basis der Forschungsergebnisse von Knols und seinen Kollegen haben wir jetzt diese neuen Möglichkeiten.

Auf welche Weise erzeugen Sie den gewünschten Gestank?

Wir haben synthetische Versionen von Chemikalien beschafft, die Menschen in Schweiß, Atem oder auf ihrer Hautoberfläche absondern. Wenn der künstliche Lockstoff nicht zur Verfügung steht, kann er aber weiter durch das Original aus echten Socken ersetzt werden. Spieler aus Fußballmannschaften etwa könnten dreckige Strümpfe spenden, um Malaria in ihren eigenen Dörfern zu bekämpfen.

Wie viele Ihrer Fallen braucht man, um ein malariagefährdetes Dorf in Afrika effektiv zu schützen?

Wir brauchen dafür ein Minimum von 20 solchen Geräten je 1000 Menschen. Wenn sich die Tiere in dem Gehäuse verfangen, sterben sie, oder es ist auch möglich, sie mit Gift zu besprühen. Auf diese Weise kann man in jeder der Sockenfallen zwischen 74 und 95 Prozent der gefährlichen Malariaüberträger töten.

GEO Nr. 12/11 - Der gekaufte Bauch
GEO Nr. 12/11
Der gekaufte Bauch