Der populäre Irrtum Spaghetti all' Arabia

Wer hat die Pasta erfunden? Die Italiener nicht - aber auch nicht die Chinesen

Wenn Irrtümer essbar wären, handelte es sich bei dem Spaghetti-Mythos quasi um Zwieback: doppelt aufgebacken Falsches.

Die erste falsche Annahme ist heute kaum mehr verbreitet: dass Pasta eine italienische Erfindung sei. Besser informierte Bildungsbürger glauben nämlich inzwischen zu wissen, dass Spaghetti und Co. ein Import

aus China seien - eingefädelt von niemand Geringerem als Marco Polo. Doch das, so schreibt der Essenshistoriker John Dickie in seinem Buch „Delizia“, sei „der meistverbreitete Mythos in der Geschichte italienischer Lebensmittel“.

Warum ist das falsch? Stimmt es etwa nicht, dass die Chinesen schon vor Tausenden von Jahren Nudeln hergestellt haben? Immerhin fand man im Gebiet des heutigen China vor einiger Zeit sogar Nudelreste in einer Schale aus der Steinzeit. Alles richtig, schreibt Dickie, aber für ihre Nudeln haben die Chinesen nie Hartweizen verwendet, sondern Hirse. Marco Polo hat auch nichts von diesen Nudeln überliefert; der hauptsächlich bei Mongolen einquartierte Abenteurer berichtet nur von einer Art Brot, das in Italien schon seinerzeit als lagana bekannt war.

Das eigentliche Hartweizen-Pasta-Rezept haben nach Dickie Araber im 9. Jahrhundert bei der Eroberung Siziliens nach Italien gebracht. Also vier Jahrhunderte vor der Chinareise Marco Polos.

Ob die Araber freilich die Erfinder oder nur noch frühere Verbreiter des Pasta-Rezeptes waren als die Italiener, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.