Der populäre Irrtum Bye, bye, Sansibar

Ein Tropenparadies eingetauscht gegen die karge Nordseeinsel Helgoland? Das hat Deutschland nie getan

In der „Sansibar“ auf Sylt erinnert der Name des Restaurants noch immer an die enge Verbundenheit des Deutschen Reiches mit der Inselgruppe vor Tansania. Doch die oft zitierte Wehmut über das verlorene Territorium ist fehl am Platz - denn Sansibar hat nie zum Deutschen Reich gehört. Es konnte somit auch nicht vom preußischen Kaiser gegen die britisch regierte Insel Helgoland eingetauscht werden - wie immer wieder und sogar in Lexika falsch behauptet wird.

In Wahrheit hat Deutschland 1890 per Vertrag lediglich auf Gebietsansprüche unter anderem in dieser ostafrikanischen Region verzichtet - woraufhin die Briten das strategisch wichtige Helgoland an das Kaiserreich abtraten.

Schuld an dem populären Irrtum ist übrigens Fürst von Bismarck höchstpersönlich - der freilich nicht in der „Sansibar“ zu tief ins Glas geschaut hatte, sondern einmal mehr politische Ränke betrieb. Dem im Jahr zuvor entlassenen Exreichskanzler missfiel der Erfolg seines Nachfolgers Caprivi, der den „Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland über die Kolonien und Helgoland“ zuwege gebracht hatte. Bismarck sprach stattdessen verkürzt und griffig vom „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ und erweckte so absichtlich den Eindruck, als sei Deutschland unter Caprivi etwas Wertvolles abhandengekommen.