Der populäre Irrtum Der Unfällbare

Dass der Papst nie irren könne - das behauptet die katholische Kirche keineswegs

Kritik folgt ihm auf dem Fuße. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Papst angeblich in Anspruch nimmt, unfehlbar zu sein. „Errare humanum est“ - von normalen menschlichen Schwächen wie dem Irrtum scheint der Oberhirte ausdrücklich ausgenommen zu sein. Doch das stimmt nicht. Und anders als vielfach behauptet, gilt die populäre Unterstellung noch nicht einmal für den Fall, wenn das Urteil des Papstes in ureigen kirchlicher Angelegenheit („ex cathedra“) ergeht.

Zwar ist dann tatsächlich auch offiziell von der „Unfehlbarkeit“ die Rede. Das lateinische Original („infallibilitas“) ist jedoch doppeldeutig und bezeichnet in diesem Zusammenhang vielmehr die Unumstößlichkeit eines päpstlichen Diktums, das entsprechend nicht „zu Fall gebracht“ werden kann. Selbst wenn sich diese „unfällbare“ Meinung als falsch herausstellt.

Gleichwohl haben sich viele Gelehrte darüber den Kopf zerbrochen, unter welcher Bedingung ein Urteil tatsächlich unfehlbar beziehungsweise unter rationalen Gesichtspunkten unwiderlegbar ist. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant etwa suchte nach solch „infalliblen“ Schlüssen, die streng aus der Logik und der Vernunft ableitbar sind. Kant selbst aber war in dieser Sache gewiss nicht unfehlbar, genauso wenig wie das Oberhaupt der Katholiken.

So weiß der Papst durchaus, dass er zuweilen nicht recht haben mag. Er duldet aber in manchen dogmatischen Belangen keinen Widerspruch. Vielleicht ist das ein Fehler.

GEO Nr. 12/11 - Der gekaufte Bauch
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Der gekaufte Bauch