Der populäre Irrtum Anleihe aus Hollywood

Der Sirtaki scheint so urgriechisch zu sein wie der Ouzo und die Demokratie. Ist er aber nicht

Anthony Quinn war die perfekte Besetzung für das Film- Epos „Alexis Sorbas“ - bis auf einen kleinen Mangel: Er war ein schlechter Tänzer. So scheiterte der Mime beim Versuch, die berühmte Tanzszene, wie ursprünglich geplant, mit einem fünftaktigen „Pentosalis“ zu bestreiten.

Auch von einem traditionellen „Syrtos choros“, wie der „schleppende“ Volkstanz mit der Schrittfolge lang-kurz-kurz genannt wird, fühlte sich Quinn überfordert.

Choreografen ersannen deshalb zur Musik des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis eine eigene, äußerst einfache Schrittfolge, die sie Sirtaki - „kleiner Syrtos“ - nannten. Er verknüpft dabei Elemente aus einem langsamen „Schlachtertanz“ (Chasapiko) mit einem schnellen „serbischen“ Chasaposervikos.

Der Erfolg des neuen Tanzstils war allerdings so umwerfend, dass er heute ein veritabler Teil griechischer Folklore geworden ist - an der auch schlecht tanzende Touristen teilhaben können.

Anthony Quinn jedoch war selbst die einfache Version zu schwierig: In einem Interview gab er zu, dass die Kamera die meiste Zeit nur auf seinen Oberkörper gerichtet war. Getanzt hat er in diesen Sequenzen überhaupt nicht.

GEO Nr. 09/11 - Europa wird wilder
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