Der populäre Irrtum Bruchreife Mädchen

Nicht bloß Jungen kommen in den Stimmbruch. Weibliche Teenager nur etwas weniger

Im Kindesalter klingen die Stimmen von Mädchen und Jungen noch fast gleich. Erst in der Pubertät wird der Unterschied evident: Das „männliche“ Sexualhormon Testosteron lässt den Kehlkopf wachsen - mitsamt der beiden Stimmlippen, die im Zusammenspiel mit dem Brustkorb und der ein- und ausströmenden Luft aus der Lunge Töne erzeugen. Weil die Stimmlippen bei Jungen nach der Pubertät doppelt so lang sind wie in der Kindheit, schwingen die „Saiten“ mit halber Frequenz, und die Stimme erklingt um etwa eine Oktave tiefer.

Und bei Mädchen? Da sie vergleichsweise wenig Testosteron produzieren, fällt das Wachstum ihrer Stimmlippen geringer aus als bei Knaben. Dennoch sinkt auch ihre Stimme - um etwa eine Terz, was einer Längenzunahme der „Saiten“ von vier bis fünf Millimetern entspricht. Der Mechanismus ist also durchaus derselbe wie beim männlichen Stimmbruch, der Effekt ist nur weniger deutlich.

Auch nach der Pubertät kann sich die Stimme noch verändern. „Im Laufe des Lebenszyklus wird sie schwächer und klingt nicht mehr so kräftig“, sagt Viktor Voigt von der HNO-Abteilung der Universitätsklinik München. Denn das Muskelgewebe und Epithel, das die Stimmlippen umgibt, verliert mit dem Alter an Volumen und Elastizität.

Übrigens bleibt selbst die Größe des Kehlkopfes nach der Pubertät durch Testosteron veränderbar. Steigt die Hormonmenge im Körper, geht es mit der Stimme beharrlich bergab. Und zwar bei Männern genauso wie bei Frauen. Leistungssportlerinnen, die sich aufgrund ihrer unnatürlich tiefen Stimme selbst des Dopings mit Testosteron überführt haben, können ein dunkel tönendes Lied davon singen.