Der populäre Irrtum Aus eins mach nicht zwei

Regenwürmer lassen sich nicht dadurch vermehren, dass man sie in der Mitte zerteilt

Ja, wenn man bei der Gartenarbeit mit dem Spaten versehentlich einen Wurm zerlegt, zucken und winden sich beide Teile. Zuweilen sieht es sogar so aus, als würden beide Hälften in unterschiedliche Richtungen weiterkriechen und ein voneinander unabhängiges Leben führen.

Doch in Wahrheit ist das Zerteilen keine Methode zur ungeschlechtlichen Vermehrung von Regenwürmern. Allenfalls überlebt ein Teil des Tieres - der vordere.

Die hintere Hälfte stirbt nach kurzer Zeit ab. Der Grund: Der Regenwurmkörper kann bei aller Regenerationskunst keine neue Mundöffnung ausbilden, durch die das Tier Nahrung aufnimmt; eine hintere Öffnung, durch welche Nahrung wieder ausgeschieden wird, kann dagegen am Ende der vorderen Hälfte neu entstehen.

Gleichwohl gibt es andere Spezies mit wurmähnlichem Körper, die sich durch Teilung verdoppeln lassen. Dazu gehören Strudelwürmer aus der Gattung Dugesia, in Binnengewässern lebende Verwandte des Bandwurms. In ihrem Bindegewebe finden sich Neoblasten, ein Typ von Stammzellen, aus denen sich sämtliche Körperstrukturen wie der mittig auf der Bauchseite gelegene Mund oder sogar der Kopf neu bilden können.

Unter den Wirbeltierarten sticht der Axolotl hervor, ein Molch aus Mexiko: Bei ihm erneuern sich Gliedmaßen und zum Teil auch Hirngewebe.