Der populäre Irrtum Tunnel ins Nichts

Nahtoderfahrungen sind keinesfalls universell

Immer wieder liest man Berichte von Menschen, die kurzzeitig an der Schwelle des Todes standen und ins Leben zurückgeholt worden sind. Meist erzählen sie von einem Licht, auf das sie sich durch einen Tunnel hinbewegten. Oder es heißt, das frühere Leben sei wie ein Film vor ihrem inneren Auge abgelaufen.

Sind diese Erlebnisse weltweit gleich? Nein. Tatsächlich ist die Form dieser Visionen nur innerhalb einer bestimmten Kultur relativ ähnlich, schreibt die Literaturwissenschaftlerin Laura Wittman von der Universität Stanford. In Indien etwa berichten Betroffene, jemand habe ihnen ihr Leben aus einem Buch vorgelesen - umringt von einer Reihe hinduistischer Gottheiten.

Selbst innerhalb der westlichen Kultur sind die Nahtodbilder nicht konstant: Vom esoterischen Lichttunnel zum Beispiel wird verstärkt erst seit den 1950er Jahren berichtet. Früher, im Jahr 1892, erzählte Albert Heim, ein Begründer der Erforschung von Nahtoderfahrungen, von einem ganz anderen, eigenen Erlebnis: Bilder einer Begräbniszeremonie seien ihm an der Schwelle zum Tod erschienen.

Der New-Age-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre verdanken wir Schilderungen von anderen Dimensionen, Körperaura und Ähnlichem - davon erzählen „Wessis“ häufiger als die weniger spirituellen „Ossis“. Gleichwohl: Die Assoziation dunkel = Sterben und hell = (neues) Leben ist auf der Welt sehr weit verbreitet. Und fast alle Nahtoderlebnisse werden als ungemein bedeutungsschwer beschrieben - so sehr, dass sie sich kaum in Worte fassen lassen.

Aktuelle GEO-Magazine
<< zurück >> vor
nach oben