Klima Brände, Dürren, Korallensterben: Das sind Konsequenzen erhitzter Ozeane

Neueste Forschungsergebnisse bestätigen einen besorgniserregenden Trend: Die Weltmeere werden immer wärmer. Mit gravierenden Folgen
Eisberg im Sonnenuntergang

Steigende Temperaturen im Meer verändern ganze Ökosysteme - und unser Wetter

Die Ozeane erwärmen sich. Die Ursache ist der Mensch. Und die Folgen sind gravierend. Das ist, zusammengefasst, der Inhalt des aktuellen Berichts eines internationales Forscherteams um den chinesischen Klimaforscher Lijing Cheng.

In dem Papier heißt es, die mittleren Ozeantemperaturen seien im Jahr 2019 so hoch gewesen wie nie zuvor seit Beginn der wissenschaftlichen Messungen in den 1950er Jahren. Und nicht nur das: In den vergangenen fünf Jahren wurden die höchsten je dokumentierten Temperaturen in Folge gemessen. Der Trend ist damit klar erkennbar. Zwischen 1971 und 2010 habe sich der Ozean bis in eine Tiefe von zwei Kilometern im Schnitt um etwa ein Zehntel Grad Celsius erwärmt, sagt Cheng der Agentur Reuters.

Schon länger bekannt ist, dass die Ozeane, vor allem die Wasserschichten nahe der Oberfläche, einen großen Teil der Wärmeenergie aufnehmen, die durch den Treibhauseffekt ins Klimasystem der Erde gelangt. Rund 90 Prozent dieser überschüssigen Wärme speichern die Weltmeere. Die Folgen davon, auch darauf weisen die Forscher hin, sind besorgniserregend.

Veränderte Ozeantemperaturen begünstigen Dürren und Waldbrände

So steigt nicht nur der Meeresspiegel durch schmelzende Gletscher und durch die physikalische Ausdehnung des erwärmten Wassers. Schon geringe Temperaturanstiege führen dazu, dass das Wetter regional immer extremer ausfällt. Meteorologen und Klimaforscher rechnen mit heftigeren Wirbelstürmen, heftigeren Niederschlägen und mehr Überschwemmungen. Der Grund dafür: Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern, und bei steigenden Wassertemperaturen wird auch die für die Entstehung von Wirbelstürmen kritische Temperatur von mindestens 26,5 Grad Celsius öfter erreicht.

Steigende Ozeantemperaturen können, so die Forscher, aber auch Dürren verursachen. So seien die Oberflächentemperaturen der Meere einer der entscheidenden Faktoren, die zum Entstehen von Dürre, Hitze und katastrophalen Waldbrände im Amazonas, in Kalifornien und jetzt in Australien geführt hätten. In Australien, das haben frühere Forschungen gezeigt, könnte sich das Risiko für extreme Dürren durch eine ungleichmäßige Temperaturverteilung im Indischen Ozean schon bei einer Erwärmung der Atmosphäre um 1,5 Grad Celsius verdoppeln.

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Fast alle Koralenriffe in Gefahr

Auch für das Leben im Meer haben steigende Temperaturen gravierende Konsequenzen. So rechnen Forscher mit mehr und intensiveren Hitzewellen im Ozean. Die damit einhergehende Sauerstoffarmut ist für viele Meereslebewesen tödlich. Auch an steigende Durchschnittstemperaturen können sich viele Organismen nicht schnell genug anpassen. So etwa Korallen, die nicht in kältere Regionen abwandern können. Schon bei einer Erwärmung von 1,5 Grad Celsius, befürchten Forscher, sind bis zu 90 Prozent aller tropischen Korallenriffe vom Absterben bedroht. Bei einer Erwärmung von 2 Grad alle.

Die Forscher bestätigen mit ihren Messungen die Erkenntnisse des IPCC-Berichts zu den Ozeanen aus dem vergangenen Jahr. Und schließen mit einem dringenden Appell: Die Weltmeere seien in ihrer Reaktion auf die zusätzliche Wärmeenergie sehr träge. Selbst wenn es gelänge, die Erderwärmung bei zwei Grad Celsius zu stoppen, würden sich die Wassermassen noch lange weiter erwärmen. Das Ausmaß der Erwärmung allerdings und die daraus folgenden Risiken ließen sich durch eine "rapide" Reduktion der Treibhausgas-Emissionen begrenzen.