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Zurück zur Natur - wenn auch aus zweiter Hand


in Modellprojekt auf den Philippinen wandelt Agrarbrachen in wertvolle Ersatzlebensräume um. Der naturnah angepflanzte Sekundärforst lockt wieder seltene Tiere an und sichert der Waldwirtschaft gute Erträge

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Schwüle, Zwielicht, Insektenkonzert. Und irgendwo in diesem grünen Gestrüpp haust der Koboldmaki, das kleine Waldgespenst. Der winzige Affe ist wieder aufgetaucht auf der Insel Leyte. Hier steht zwar kaum noch Regenwald, aber immerhin ein respektabler Sekundärforst, in dem auch die selten gewordene Primatenart überleben kann.

Auf der Philippinen-Insel Leyte, deren Urwald - wie fast auf dem gesamten südostasiatischen Archipel - längst zugunsten von Plantagen ausradiert worden ist, wird ein Projekt erprobt, das aus Monokulturen wertvolle Ersatzlebensräume schafft: Das "Rainforestation Farming", Regenwaldaufforstung plus landwirtschaftlicher Nutzung, soll zeigen, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen müssen.

Wieder im Kommen: nachhaltige Nutzung

Inmitten der Aufzucht von Wildbäumen stehen Fruchtstauden, Gewürzsträucher, Nutzholz und besonders die Textilbananenart Abaca, aus deren Stängeln gleich vor Ort die Naturfasern für den berühmten Manila-Hanf produziert werden. Die Diversifizierung der Erzeugnisse verspricht bessere Erträge als die aus reinen Monokulturen, etwa Zuckerrohr. Und der bunte Artenmix schafft wieder akzeptablen Lebensraum für bedrohte Tiere, zum Beispiel den Koboldmaki.

"Seit jeher ging man hier in den Wald und holte heraus, was man brauchte", sagt Claus-Peter Hutter, Präsident der Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur), die das Modellprojekt unterstützt. Doch diese nachhaltige Nutzung für den Eigenbedarf verschwand auf den Philippinen mit dem Erscheinen der großflächig auftretenden Agrarindustrie in den 1980er Jahren. Monokulturen wie Kokospalmen und Zuckerrohr beherrschen seither das Bild.

Die Bevölkerung macht mit

Bei dem jetzt der Öffentlichkeit vorgestellten Modellprojekt wird der Bevölkerung durch das Anpflanzen von naturnahen, dem Regenwald nachempfundenen Waldflächen, die auch agrarisch nutzbar sind, eine wirtschaftlich langfristige Perspektive geboten.

Und der Sekundärwald schützt, ähnlich wie Urwald, wegen seiner relativen Artenvielfalt und des dichten Wurzelgeflechts den Boden vor Erosion und zieht bedrohte und schon geflüchtete Tiere an. Dem gemeinsamen Projekt von Euronatur, der Leyte State University und der Stuttgarter Universität Hohenheim, finanziell unterstützt von DaimlerChrysler und der Deutschen Lufthansa, scheint es gelungen zu sein, eine Agrarbrache wieder in naturnahen Lebensraum zu verwandeln. Derzeit werden 1500 Hektar Versuchsfläche auf Leyte und anderen Inseln bewirtschaftet - mit wachsender Zustimmung und Nachahmung der Bevölkerung.

Diversifikation steigert auch das Einkommen

Das Projekt verdankt den Erfolg einem einfachen Prinzip: "Auf den verwüsteten Flächen der ehemaligen Monokulturen werden verschiedene, aber ausschließlich einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt", so der Biologe Friedhelm Göltenboth von der Stuttgarter Universität Hohenheim. "Sie halten Grundwasser und spenden durch ihre großen Blätter Schatten für wertvolle Folgenutzung."

Nicht nur das Kokosprodukt Kopra, wie früher, holen die Bauern aus dem Wald, sondern Mangos und Durian-Früchte; und eine Erweiterung der Palette durch Ingwer, Kaffee und Gewürze wie Kardamom wird vorangetrieben. Diese nachhaltige Waldwirtschaft beschert ihnen heute, zehn Jahre nach Beginn des Projekts, ein zehnmal höheres Einkommen als zu Zeiten der Monokulturen.

Rainforestation für die Kinder des Waldes

Der Filipino Macario Romano beispielsweise betreibt ein solches Rainforestation Farming auf 1,2 Hektar Waldfläche. Schon 1991 hat er damit begonnen, zwischen die Kokospalmen rund 4000 Setzlinge zu pflanzen. Darunter Pionierarten wie Kasuarinen-Bäume für die Hang-Stabilisierung und langsam wachsende Edelhölzer, deren Erlös von mehreren tausend US-Dollar pro Baum später auf sein Sparkonto kommt.

"Für die Enkelkinder", sagt Macario Romano. "Ohne das Pilotprojekt hätten sie hier keine Chance."

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