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Mikroabenteuer Vor der Stadt übernachten

Lagerfeuer
Beste Vorbereitung auf den Tag im Büro: eine Nacht in möglichst großer Distanz zu diesem
© byheaven / Fotolia
Auch Großstädter haben die Wildnis direkt vor der Nase. Sie müssen nur hingehen - und dort eine Nacht verbringen

„Eigentlich ein simpler Gedanke: Auch wir Großstädter haben die Wildnis ja direkt vor der Nase. Wir müssen nur hingehen. Also fingen wir an, aus verschiedenen Großstädten auszubüxen und am Stadtrand jene Art von kleinen Abenteuern zu erleben, die zwischen Feierabend und Hochfahren des Rechners am nächsten Morgen möglich sind. Jeden Monat eine andere Stadt, jedes Mal ein anderes Erlebnis.

Meist fahren wir mit Schlafsack, ­Taschenmesser, unserem Bushbox-Outdoorkocher und mehreren Schichten Klamotten los zu irgendeinem Bahnhof an der Grenze zwischen Großstadt und Wildnis. Und dann: Rucksack auf und losgestiefelt. Wir versuchen möglichst, Besonderheiten der Orte zu streifen, in Essen etwa die Zeche „Zollverein”, die UNESCO-Weltkulturerbe ist, oder in Saarbrücken verlassene Stollen aus der Zeit des Bergbaus. Nach ein paar Kilometern wird es dann oft schon dunkel. Wir suchen einen geschützten Platz und schlagen unser Lager auf. Isomatte auf den Boden, Schlafsack drauf, bei schlechtem Wetter auch mal eine Plane drüber. Wildes Camping mit Zelt ist in Deutschland nicht erlaubt, aber sitzen und liegen darf jeder im Wald. Auch im Schlafsack. Lagerfeuer sind natürlich fast überall verboten, deshalb zünden wir uns ein Feuer in unserer Bushbox an. Darauf stellen wir einen Topf, Wasser und Couscous mit getrockneten Zwiebeln, Tomaten, Nüssen, Trockengemüse rein – fertig ist das Abendessen. Wenn wir dann noch von unserem Lagerplatz aus das Panorama und die Lichter einer Großstadt sehen, ist das Abenteuer perfekt.

Über die (Mikro-)Abenteurer

Landschaftsplanerin Jana (28) und ihr Freund, der UX-Designer Paddy (39), steuern jeden Monat eine andere Großstadt an und nehmen immer gern Leute mit auf ihre Abenteuer. Von denen erzählen die beiden auf abenteuerjetzt.de.

Bei alledem sind wir grundsätzlich mit möglichst wenig Ausrüstung unterwegs. Im Winter legen wir einen Sommerschlafsack in den Drei-Jahreszeiten- Schlafsack, das ist warm genug. So ­haben wir schon bei ­minus vier Grad im Schnee geschlafen. 15 Stunden lang war es dunkel, da haben wir uns richtig gefreut, als wir morgens aus dem Schlafsack klettern konnten, auch wenn es echt kalt war.

Einen passenden Schlafplatz zu ­suchen ist besonders spannend. Der perfekte Platz ist nicht leicht zu finden, und wenn es abends schon dunkel ist, weiß man nie genau, wo man morgens genau aufwacht: direkt neben Brennnessel­gestrüpp oder an einem Ameisenhaufen. Grundsätzlich sollte er möglichst geschützt und ebenerdig, vielleicht ­sogar mit Moos bedeckt sein; er sollte nicht in einer Wasserrinne oder direkt an einer Siedlung oder einem Wanderweg liegen, damit einem morgens nicht die Wanderer über den Schlafsack stolpern.

In Essen haben wir einmal auf einer kleinen Lichtung zwischen jungen Eiben übernachtet, die nach einer Seite hin ­offen war. Dort saßen wir und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Am nächsten Morgen sind wir auf dem Rückweg an einem Vogelschutzgebiet vorbeigekommen. Bei dem Zwitschern, Trällern und Pfeifen fühlten wir uns wie auf einer Tropensafari.

Als wir aus Frankfurt ausbüxten, haben wir einen Platz am Fuße des Altkönig gefunden. Von dort aus hatten wir einen fantastischen Blick auf die Skyline der Stadt. In Saarbrücken lagen wir in einer langen Winternacht früh im Schlafsack unter zwei Fichten, die sich im Wind wiegten. Darüber ein klarer Sternenhimmel. Immer wenn wir nachts kurz aufwachten, war der Himmel noch schöner und von noch mehr Sternen übersät. Da fragten wir uns wie so oft: Warum schlafen wir Menschen eigentlich in Häusern?“

WALDEN Nr. 03/2018 - Mach's einfach

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